Shetland Nordsee 2014
Logbuch der Segelreise von
Port Edgar (Edinburgh)
nach Kirkwall
(22.05.2014 - 28.05.2014)
Die Reise führte weiter von Edinburgh (Port Edgar) nach Norden zu den Orkney-Inseln. Zuerst gab es einen eiskalten Nachttörn bis Peterhead und anschliessend um das berühmte Cape Ratray zu einem Kleinsthafen, und dann die abenteuerliche Fahrt durch den Nebel nach Wick. Nach einem Pausetag überquerten wir den berüchtigten Pentland Firth in einem langen Schlag direkt nach Kirkwall.
Donnerstag, 22.05.2014
Port Edgar (Edinburgh) - Port Edgar (Edinburgh), sm.
Regnerisch, kalt.
Heute durften wir ausschlafen. Es fing um 9 Uhr zu regnen an, so konnten wir uns nochmals umdrehen und liegen bleiben.
Ein Pausetag, um den Bericht zu schreiben, zu putzen, einige Arbeiten zu machen, die immer aufgeschoben werden usw. Toni pflegte und ölte die Rollen vom Baumniederholer, die sehr harzig oder besser gesagt gar nicht mehr richtig tun. Und die Törnplanung für die nächste Etappe nach Peterhead musste gemacht werden.
Ohne Sonne ist es kalt, wir mussten wieder heizen. Am Nachmittag gingen wir nochmals ins Städtchen fürs Internet und zum Einkaufen.
Freitag, 23.05.2014
Port Edgar - unterwegs, sm.
Wir hatten es am Morgen nicht so eilig, wir wollten nicht gegen den Strom fahren. So konnte noch einiges erledigt u. a. das Boot gründlich geputzt werden.
Gegen Mittag legten wir ab. Die Wetterprognose lautete Wolken, grau, Wind von NW, wir hatten Sonne und Wind von E. Umso besser!
Bald konnten Gross und Genua gesetzt werden. Wir segelten gemütlich, zwar hart am Wind, aber mit nicht so schlimmen Wellen nach Norden.
Die Sonne wärmte schön, solange sie am Himmel stand. Nach Sonnenuntergang wurde es ziemlich frisch. Zwar wurde es nicht mehr richtig dunkel, es stand lange die Sonnenuntergangsstimmung im Westen und dann kam schon wieder der Schein vom Sonnenaufgang. Aber kalt wars!
Samstag, 24.05.2014
unterwegs - Peterhead, 132 sm.
kalt, sehr wenig Wind aus NE und E.
Mit Thermounterwäsche (Icebreaker), doppelten Socken (+Skisocken), 3x Faserpelz unter dem Segelanzug wars gerade auszuhalten, auch hatte ich alle warmen Sachen, die dabei waren, an. Wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, setze sich mit dieser Bekleidung für 3 Stunden in den Kühlschrank, oder besser im Winter auf den Balkon (nicht viel bewegen!!) mit Wind. Auch im Schlafsack in der Freiwache wurden meine Füsse nicht mehr richtig warm.
Gegen Morgen schlief der Wind ein und so musste der Motor wieder eingeschaltet werden. Wir waren am Nachmittag in Peterhead, mussten aber noch 3 Stunden an der Tankstelle warten, es war gerade Niedrigwasser, und gemäss Harbour Manager eine Sandbank in der Hafeneinfahrt. Ich konnte Toni gerade noch abhalten, über den schaukligen Gummipuffer zur Leiter, die nochmals 1 m weiter weg war, zu klettern, um an Land zu gelangen (manchmal vergisst er, dass er nicht mehr 20 ist !!). Die Leiter war glitschig, rutschig voller Algen und Muscheln. Das Hafenwasser hier ist zwar sehr sauber und klar, aber hineinzufallen ist trotzdem nicht empfehlenswert.
Wir waren froh, als wir endlich das o.k. bekamen, in den nahen Hafen zu fahren, der Hafenmeister half sogar beim Festmachen.
Sonntag, 25.05.2014
Peterhead - Whitehills, 35.7 sm.
Grau, trüb, regnerisch, ENE 4-5.
Heute war Hochbetrieb im Hafen: verschiedene Schulklassen kamen um zu rudern, zu fischen oder zu segeln. Wir durften erst gegen Mittag auslaufen, um nicht in der Hafeneinfahrt im Sand stecken zu bleiben. Aber da wir gerne etwas ausschlafen und nicht so gern am Morgen loshetzen war das genau richtig für uns.
Das Wetter war grau, die Sicht schlecht, ausser Wasservögeln wie Möwen (auch die schönen mit den orangen Flügelspitzen), Taucherlis und uns war niemand unterwegs. Die Genua war anfangs im Reff 1, später Reff 2 (Wind ENE bis 5). Die Wellen waren wieder 1-2 m hoch und es schaukelte entsprechend.
Die Hafeneinfahrt von Whitehills war ganz spektakulär: einerseits hatte ich kaum Zeit das Boot vorzubereiten wie Festmacherleinen und Fender anbringen, andererseits war es extrem eng und es musste eine scharfe Linkskurve gefahren werden und schon waren wir im engen Hafen. Dieser hatte nur zwei Schwimmstege, sie waren alle besetzt und wir gingen – nach einer knappen Tellerwende mit Bugstrahlerunterstützung - längs an ein holländisches Aluboot. Die Leute halfen uns beim Festmachen und um 20.30 Uhr konnte der Motor abgestellt werden.
Der Holländer wollte um 8.30 Uhr am nächsten Morgen losfahren, so hiess es für uns schnell etwas Kochen, schlafen, früh aufstehen….
Links für weitere Informationen: www.whitehillsmarina.co.uk,
Montag, 26.05.2014
Whitehills - Wick, 49.5 sm.
zuerst trüb, später etwas Sonne, dann stockdichter Nebel, Winde von SE, von 1 - 5 bf.
Wir waren früh parat und fuhren um 8 Uhr los. Der Wind schien günstig für den Parasail, also wurde alles dafür vorbereitet. Es schaukelt schon ziemlich fest bei 3 bf SE. Der Parasail stand leider nur eine Stunde, wir fuhren bis 7.5 Knoten, bis der Wind noch mehr auffrischte auf 15 kn. Das Segel musste wieder in den Sack geborgen werden, auch unser Kurs hätte nicht gehalten werden können (Halbwindsegeln ist mit Spinnaker schwierig). Wir fuhren auch mit der gerefften Genua bis über 8 Knoten bei SE 5.
So kamen wir gut voran, die Wellen wurden immer höher. Am Nachmittag merkten wir, dass wir zu schnell gewesen waren, auch dieser Hafen kann bei Niedrigwasser nicht angelaufen werden die Einfahrt ist zu untief, also drehten wir bei. In den 2 Stunden konnte ich lesen, Toni schlief ein bisschen, bis wir nach etwa 2 sm Drift mit dem Wind gegen 17.30 Uhr weiterfuhren. Jetzt war Nebel aufgekommen, er war stockdicht, sehen konnte man nur die Welle vor dem Boot. Aber mit Radar und AIS konnten wir gut das einzige Boot, ein Fischerboot, das unterwegs war, sehen. Aber anstrengend ist es trotzdem, so in den Nebel zu starren und nichts zu sehen. Ab und zu kamen dann auch die Fischerbojen, denen wir ausweichen mussten.
Der Wind stellte fast plötzlich ab und die letzten Meilen zum Hafen ging es unter Motor. Es schaukelte wieder fürchterlich, zum Glück ist die Crew hier seefest (geworden). Mit Radar und der elektronischen Seekarte fanden wir im dicken Nebel den kritischen Nordquadranten, kurz darauf sahen wir den Turm auf dem Wellenbrecher des Hafens und die Sonne brach durch. Um 18.30 Uhr waren wir in Wick im geschützten und wellenlosen Hafen, bei Sonne und fast wolkenlosen blauem Himmel.
Ein Boot in Züriseegrösse, kaum grösser als 24 Fuss, mit 3 Männern, war von Kirkwall, unserem nächsten Ziel, hierhergefahren. Wie sie das im Nebel geschafft hatten ist mir ein Rätsel. Radar hatten sie keinen, das Pinnenruder war kaputt, sie flickten es im Hafen mit Draht. Am Niedergang war nur ein Rouleau, es konnte gar nicht richtig zugemacht werden und auch sonst war vieles gebastelt.
Nach dem Znacht, die Sonne schien noch, spazierten wir ins Städtchen. Es ist grau, einfach, teilweise etwas verkommen. Viele Jugendliche waren unterwegs, viel Autoverkehr, ungewohnt viel Lärm.
Es wurde spät, auch kurz vor Mitternacht war es noch nicht dunkel. Toni studierte noch die Weiterfahrt.
Links für weitere Informationen: www.wickharbour.co.uk,
Dienstag, 27.05.2014
Wick - Wick, 0 sm.
Neblig, zwischendurch sonnig (und relativ warm).
Nach dem Entscheid, noch nicht heute zu den Orkney-Inseln zu fahren (zu spät wegen den Strömen, aber auch sehr wenig Wind gemäss Wetterbericht), gab es wieder einmal die Gelegenheit auszuschlafen. Zu Tagesbeginn gab es noch lange Rechnereien für den morgigen Segeltag, denn der Pentland Firth zwischen Orkney und Schottland ist ein berühmter und gefährlicher Strom, es hat hier Strömungen bis 12 Knoten und riesige Wirbel und Wellen, vor allem bei Gegenwind. Wir werden die gefährlichsten Orte weit umfahren, dafür geht es dann halt etwas länger.
Ein langer Spaziergang (fast Wanderung) durch das Städtchen zum Einkaufen und dann die lange Fotosession mit Aufbereitung der Bilder der ersten Etappe in Holland und des Sightseeings in Edinburgh und deren Bereitstellung im Netz und im Album füllte den ganzen Tag. Unten der Link zu den Bildergalerien.
Links für weitere Informationen: www.bx4.ch/sail/2014/Schottland/bericht/bilderseite.php,
Mittwoch, 28.05.2014
Wick - Kirkwall, 53.1 sm.
Sonnig, E-SE 4-1.
Die Berechnungen wegen der Ströme wurden nochmals verifiziert, und die drei Wetterberichte runtergeladen, die relevant sind. So machten wir uns gegen zehn Uhr bereit, bei schönstem Wetter auszulaufen.
Schon nach den ersten drei Stunden mussten wir feststellen, dass alles nicht stimmt: das Wetter, der Strom. Der angekündigte Wind SE4-5 wurde zu einem E2-3, und der Strom verhielt sich ebenfalls anders, als aus der Karte berechnet (Gegenstrom statt seitliche Abdrift). So waren wir bereits an unserem ersten Waypoint zu spät. Auch nach der Kurskorrektur Richtung Nord war weder der Strom noch der Wind zu unseren Gunsten. So gab es wohl keine andere Möglichkeit mehr, als unter Motor weiterzufahren. Der Wind wurde immer schwächer. Dafür floss der Strom endlich in jene Richtung, die wir auch benötigen.
Bei der Einfahrt in die Inselwelt der Orkneys gibt es einen rasanten Strom, den man nicht in der falschen Zeit erwischen darf, bei Spring bringt er gegen 4 Knoten. Und der Strom kentert um 18:18. Wir waren an diesem Ort aber erst um 18:30, rund eine Viertelstunde zu spät. So mussten wir noch gute 2 Seemeilen gegen den Strom motoren, zu Beginn war er zum Glück nicht ganz so stark. Um 19:30 waren wir im Hafen von Kirkwall angelangt. Es hatte auch einige Segeljachten am Steg. Aber der Harbourmaster war natürlich nicht mehr da.
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