im Blickfeld: Segel-Blog Norwegen 2018


Logbuch Etappe 6 Westnorwegen, an Stavanger und Bergen vorbei

von Farsund nach Hjellestad (Bergen) 

(12.05.2018 - 19.05.2018), Anzahl Tageseinträge: 8


In der fast geschlossenen Ankerbucht Rausvågen auf Eigeroya

12.05.2018 Farsund - Anker Rausvågen (Eigeroya), 46 sm.
Wetter: schön, etwas Wind von SE.

Gennaker rauf und runter

Gemäss Wetterbericht kam der Wind erst gegen 10 oder 11 Uhr. So hatten wir noch Zeit, am anderen Ende von Farsund ins Einkaufszentrum Amfi zu gehen.
Um halb elf waren wir soweit und fuhren um die vielen Inselchen durchs Fahrwasser aufs offene Meer hinaus. Hier hatte es dann auch etwas Wind, und wir setzten die Segel, etwas später dann den Gennaker, denn der Wind kam sehr raum und mit maximal 6-7 kn. Irgendwo vor dem Kap Lista mussten wir eine Halse mit dem Gennaker machen, was bei uns recht aufwendig ist, da wir den Gennaker nur mit einer Schot fahren: Gennaker bergen, alle Leinen umhängen, halsen mit dem Grosssegel und neuer Kurs, dann den Gennaker wieder setzen und justieren.
Hinter dem Lista drehte der Wind zu unseren Ungunsten, und er wurde stärker. Die nächste Halse machten wir also nicht mehr mit dem Gennaker, sondern setzten das Genua wieder ein. Aber bald war es wieder Zeit für den Gennaker. Nach einer weiteren Stunde wurde der Wind immer schwächer, und bei 4-5 kn Wind fiel das Segel einfach zusammen, da war nichts mehr zu machen. Die letzten drei Stunden waren wir dann mit Motor unterwegs. Auf der ganzen Strecke war unser Stegnachbar hinter uns her, er hatte sogar auch einen Gennaker oder Code Zero oder Blister, aber unser Schiff war etwas grösser, und er konnte uns nicht einholen. Immerhin, ein solches Ralley führt dazu, dass man die Segel immer optimal trimmt.
Als Tagesabschluss kamen wir kurz vor Sonnenuntergang zu einer wunderschönen abgeschlossenen Ankerbucht ohne Wellen und ohne Wind, und wir waren allein (siehe Bild).


Hinter der flachen Jærens-Küste sieht man vom Meer aus noch Schneeberge

13.05.2018 Anker Rausvågen (Eigeroya) - Tananger, 41 sm.
Wetter: zuerst bedeckt, dann sonnig und warm, anfangs und zuletzt kein Wind, zwischendurch für eine Stunde NNE2.

Flaches Meer bei Jærens Rev

Ohne Wind wie gestern: Beim Aufstehen stand das Boot immer noch gleich in der Bucht, die Ankerkette ging senkrecht nach unten. Es hatte aber auch keine Sonne. So fuhren wir halt mit Motor der langweiligen und flachen Küste entlang nach Norden. Für eine Stunde hatten wir etwas Wind, das reichte beim Segeln gerade für 3.5 kn. Aber nachher war das Wasser weiterhin flach und spiegelglatt.
Jærens Rev ist eine unscheinbare Westquadrant-Boje weit draussen, aber diese muss man unbedingt aussen umfahren, denn zwischen Land und Boje hat es Steine und Untiefen. Und wenn man der norwegischen Küste entlang fährt, ist hier ist die längste Strecke, die über das offene Meer führt, sonst ist man meist geschützt hinter Schären und Inseln. Nun, immerhin haben wir diese hinter uns.
Als erstes gingen wir zum Hotel Hummer (hier gibt es Internet) und schauten uns das Wetter an. Montag und Dienstag hat es keinen Wind, am Mittwoch und Donnerstag sehr starken Wind aus Nord, und nachher hat es wiederum keinen Wind, solange die Wetterberichte etwas anzeigen. Wir werden also zwei Tage mit Motor unterwegs sein und zwei einsame Inseln besuchen, nachher eher hinter den Schären und Inseln den Wind nutzen und Richtung Bergen segeln. Wahrscheinlich gibt es nun einige Tage keinen Bericht.


In Skudeneshavn, bei der Einfahrt zum alten Hafen, der nun Gästehäfen ist

14.05.2018 Tananger - Skudeneshavn, 28 sm.
Wetter: schön, NW2-4.

Von Fischerort zu Fischerort

Wir hatten am ganz neuen Steg fest gemacht, er war nur ganz aussen, wo wir standen, fertig. Die Handwerker kamen um 7 Uhr, um weiter am Steg zu arbeiten. Aber wir waren eh schon vorher wach, weil es seit 5 Uhr hell ist und heute schien die Sonne besonders aufs Boot, es war auch schon richtig warm. Wir konnten draussen an der Sonne frühstücken.
Beim Losfahren konnten wir uns auf Grund des Wetterberichts kaum vorstellen, dass es heute ein Segeltag werden würde. Aber schon nach 10 Minuten, kaum waren wir aus der Hafenbucht, konnte der Motor abgestellt werden. Der SE-Wind schob uns voran.
Wir wollten uns das Inselchen Rott ansehen. Eine hübsche kleine Insel mit einer Mole und einer einzigen Boje wäre auch für Besucher möglich. Aber wir fuhren weiter, vielleicht werden wir bei der Heimfahrt hier übernachten. Und jetzt hatten wir keinen Wind mehr. Als Ersatz zum Segeln ein Fischversuch in den Schären, war aber auch ohne Erfolg.
Ziemlich plötzlich kam der Wind wieder, erst mit 4 bf von NW, später mit 3 bf. So kreuzten wir auf, segelten entlang der Insel Kvitsøy mit der Fischindustrie (wollten wir eigentlich auch besuchen, aber die Zufahrten und der Hafen sind für grössere und tiefgehende Segelboote ungeeignet) und erreichten auf der Insel Karmøy den alten Fischerort Skudeneshavn, wo wir am Gästesteg festmachten, mitten im Dorf. Das Dorf selber war schnell angeschaut. Viele alte hübsche Holzhäuser stehen hier. Und die Bewohner strichen gerade ihr Haus mit weisser Farbe oder sonnten sich auf ihren Balkonen. Jeder Sonnenstrahl muss hier eingefangen werden, wer weiss, wann es wieder mal so warm und sonnig sein wird? Ein Kastanienbaum ist kurz vor der Blüte, es geht unheimlich schnell hier, weil der Sommer intensiv, aber kurz ist.

Links für weitere Informationen:
Webcam beim Gästehafen Skudeneshavn


Blick von Leirvik über die Hafenbucht in die noch verschneiten Berge

15.05.2018 Skudeneshavn - Leirvik, 46 sm.
Wetter: schön, kein Wind, später SW2-3.

Flucht vor dem Sturm

Die Sonne weckte uns kurz nach sieben, sonst war es absolut still im Hafen. Bald tuckerten wir langsam und gemütlich aus dem Dorf hinaus, an den weissen Häusern und dann den Fischverarbeitungsanlagen vorbei in den Karm-Sund und dann alles unter Motor über das glatte Wasser nach Haugesund. Um 12 Uhr erreichten wir hier den Gäste-Pier, es war sehr sonnig und warm (eigentlich zu heiss, wir assen hier unser Mittagessen im Salon).
Und wir schauten uns das aktuelle Wetter im Internet an. Morgen wird es hier Sturm (Windstärke 8) geben, und heute hat es noch ein Lüftchen, das uns ins Landesinnere schieben könnte. Also, Leinen wieder los und Weiterfahrt Richtung Leirvik. Dort soll der Wind morgen weniger stark sein, aber immer noch pausentagwürdig.
Lange gings wieder unter Motor nach Norden und dann in den äusseren Hardangerfjord hinein. Der angesagte Wind (bzw. Windchen) kam erst sehr spät und reichte gerade mal für eine langsame Fahrt mit dem Gennaker. Immerhin konnten wir noch 13 Meilen segeln und das bei schönstem Wetter und mit Blick auf die Schneeberge.
Der Gästehafen war fast leer, als wir um 19 Uhr ankamen. Nach dem Znacht machten wir noch einen kurzen Spaziergang, aber das Duschen, Einkaufen und den längeren Spaziergang (und das Waschen, es hat hier eine Waschmaschine) verschoben wir auf morgen. Im Laufe des Abends kamen noch einige Boote (v.a. Motorboote) in den Gästehafen.


Die "Einkaufsstrasse" in Leirvik wird gerade modernisiert, die Strassenlampen stehen schon

16.05.2018 Leirvik - Leirvik, 0 sm.
Wetter: meist schön, heftiger böiger Wind.

Abwettern in Leirvik

Am Morgen war der Wind noch recht sanft, aber am Nachmittag rüttelten die Windböen am Schiff, aber im geschützten Hafen war das ohne Probleme.
Am Morgen besuchten wir das Shoppingcenter und den Coop für den Einkauf, am Nachmittag gab es einen Spaziergang durch den Ort, allerdings bereits wieder etwas zu spät, die Läden waren bereits wieder zu.
Elisabeth nutzte die Waschmaschine mit Tumbler, Toni bearbeitete die Bilder der letzten Etappe (diese sind aber noch nicht fertig) und beschäftigte sich mit den Häfen und Ankermöglichkeiten für die nächsten Tage.


Segeln im Hardangerfjord

17.05.2018 Leirvik - Godøysund (Våge, Tysnessøya), 34 sm.
Wetter: wolkenlos schön, N2 – NW6.

Segeln mit dem Starkwindausläufer

Heute war in der Gegend Haugesund und südlich davon immer noch Sturm angesagt, aber hier im Landesinneren und erst noch weiter nördlich erwarteten wir keine Windstärke 7. Aber stark wird der Wind immer noch aus N bis NW wehen. So haben wir es dann auch erlebt.
Kaum ausserhalb des Hafens von Leirvik hatten wir doch wieder 18 kn Wind aus N oder NW. Zwischendurch drehte er um 90° und reduzierte sich bis auf 5kn, um nachher wieder mit 20er-Böen zurückzudrehen. Das Segeln im Hardangerfjord war recht anspruchsvoll, mehrere Male hiess es ein- oder ausreffen. Aber immerhin hatten wir keine Wellen, so konnten wir den Am-Wind-Kurs und das Aufkreuzen trotzdem geniessen, vor allem in der wunderschönen Umgebung mit den nahen Schneebergen.
Vor dem Lukke-Sund bargen wir die Segel und fuhren unter Motor durch die Enge, es gab hier auch mal 24 kn genau gegenan. Auf der anderen Seite des Sundes, im Bjørnafjorden, konnten wir nur ein kurzes Stück segeln, schon bald mussten wir abbiegen und durch die Schären des Godøysunds unseren vorgesehenen Liegeplatz suchen.
Heute war der Norwegische Nationalfeiertag, also die Gästehäfen voll von Booten der Einheimischen, um zu feiern. So wollten wir anstatt im Gästehafen von Våge bei einem verlassenen Hotel an der Pier oder allenfalls am Anker übernachten. Das «Fjordhotel» schien schon recht lange verlassen, die Pier teilweise verfallen, die Pfosten durchgerostet, die Fenster zerbrochen, die Treppen überwuchert von Blumen. Aber es war sehr windgeschützt, einsam und ruhig (abgesehen von Jugendlichen aus Våge, die mit ihrem Boot eine Runde durch die Inselwelt drehten).


Aussicht vom Tysnessåto zum Gletscher beim Hardangerfjoerd

18.05.2018 Godøysund (Våge, Tysnessøya) - Godøysund (Våge, Tysnessøya), 0 sm.
Wetter: schön, beim Schiff fast ohne Wind.

Bergtour Tysnessåto (752m)

Für heute war kein brauchbarer Segelwind angesagt. Wir wollten eine Bergtour auf den höchsten Gipfel der Insel Tysnes machen. Die Velos kam aus der Kiste, wurden aufgepumpt und die Kette geölt und los gings. Das Strässchen war schmal und ohne Verkehr. Es ging immer bergauf und bergab. Wir sausten auf der falschen Seite fast zum Fjord hinunter und merkten, dass wir die Abzweigung verpasst hatten. Schnell wieder umgekehrt und langsamer den Hügel wieder hinauf, und dann den richtigen Weg zur Hauptstrasse.
Nach einer halben Stunde Velofahrt liessen wir die Bikes bei der Infotafel stehen und wanderten los. Erst ging es auf einem alten Alpweg, der schon tüchtig am Zuwachsen war. Heidelbeerbüsche, Anemonen, hier nicht nur weiss, sondern auch rosa-violett und kleine Farne wuchsen da. Später wurde der Weg schmaler und hochalpin. Immer wieder ging es durch Sümpfe. Wenn es sehr nass wurde, dann waren Birkenhölzer ausgelegt, damit man nicht zu tief ins Wasser treten musste. Die Vögel zwitscherten im Birkenwald und der Kuckuck rief und bekam Antwort von der anderen Talseite. Der Berg war nicht mal so hoch wie der Uetliberg, aber immerhin 752m ab Meereshöhe, aber es gab noch einzelne Schneeflecken, besonders auf der Nordseite. Die Baumgrenze war bei ca. 600m.
Wir waren nicht die einzigen. Mehrere Norweger mit und ohne Hund trafen wir auf dem Gipfel, es führten offenbar mehrere Routen hier hinauf. Auf dem Gipfel blies ein kalter Wind. Die Aussicht über die Inselwelt und auf die noch weissen hohen Berge war phantastisch, und wir sahen unser Boot vor dem alten Hotel. Und wir sahen auch über die vorgelagerten Inseln auf den Atlantik hinaus.
Der Abstieg war auch anspruchsvoll und wir mussten aufpassen, um nicht zu stolpern oder auszurutschen. Die Rückfahrt mit den Velos ging schneller, es kam gefühlsmässig nur noch eine Steigung. Allerdings waren jetzt etwas mehr Autos unterwegs. Am Steg lagen jetzt noch zwei andere Segelboote und noch ein weiteres kam dazu. Weil heute ein Motorbootfest im Gästehafen von Våge sein soll, laut Stegnachbar, beschlossen wir, nochmals eine Nacht hier zu bleiben.


Die Fähre im Bjørnafjorden (Autoverbindung zwischen Stavanger und Bergen)

19.05.2018 Godøysund (Våge, Tysnessøya) - Hjellestad (Bergen), 26 sm.
Wetter: schön, NW2-W3.

Wider Erwarten mit Segelwind

Als wir ablegen wollten, waren nur ein Paar mit seinen Hunden schon auf. Alle anderen von den mittlerweile 10 Booten schliefen noch. Wir tuckerten leise vom Steg weg und fuhren unter Motor die 2 sm zum Hafen Våge.
Der Hafen war noch voll besetzt mit den Motorbooten. Wir machten aussen am Aussensteg fest. Zum «Spar» war es nicht weit und das Internet dort war besser als das im Hafen. Ein Blick auf die Windprognose und der Entschluss war gefasst: wir wollten weiter. Es kamen immer mehr Motorboote zum Hafen, anscheinend wurde heute immer noch weiter gefestet. Es kam schon ein Boot, und wartete auf unseren Platz, also, Leinen los und weg von hier.
Es hatte genug Wind und wir kreuzten auf zum Hafen Kleppholmen. Aber der war voll, wir mussten wieder wegfahren. Wer ein Boot hat, ist am Wochenende unterwegs! So kurvten wir um die Inseln, fanden aber keinen geeigneten Ankerplatz, der Fjord ist hier sehr tief oder zu eng. So kamen wir zur kleinen Marina Hjellestad (südlich von Bergen) und konnten dort am Gästeponton fest machen. Die Tankstelle war nicht weit weg, sodass die vielen Motorboote, die zum Tanken kamen, ziemlich Schwell machten. Die Gästehafenanlage ist anscheinend noch im Winterschlaf, aber wir hatten Strom und Wasser und benutzten unsere Bootsdusche. In unserer Kuchenbude war es noch lange gemütlich warm, weil die Sonne bis nach 22 Uhr schien.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.