im Blickfeld: Segel-Blog Norwegen 2018


Logbuch Etappe 5 Skagerrak und Südnorwegen

von Anker Musön nach Selje 

(06.05.2018 - 23.05.2018), Anzahl Tageseinträge: 18


Regina im Gästehafen von Risør, Südnorwegen

06.05.2018 Anker Musön - Risør, 65 sm.
Wetter: SW-SSW 4-6, meist sonnig.

Heftiger Ritt über den Skagerrak

Heute weckte uns der Wecker eine Stunde früher als sonst. Vor 7 Uhr wurde der Anker gehoben. Trotz des vielen Windes hatte wir eine ruhige Nacht gehabt.
Vor unserer ersten Skageraküberquerung vor 10 Jahren hatten wir einen Riesenrespekt vor dieser ersten langen Strecke. Respekt hatten wir jetzt auch, aber was ist schon ein langer Segeltag nach zwei Atlantiküberquerungen? Ein Kaffeetörn wurde es aber nicht, obwohl wir nicht auf unseren Espresso verzichten mussten. Wir fuhren immer gut gerefft und stabil auf steuerbordbug, aber es schaukelte sehr stark.
Die Skagerakwellen waren eklig, fast so eklig wie die Atlantikwellen, allerdings kürzer und steiler. Hin und wieder schwappte eine aufs Vordeck und überflutete die halbe Regina. Wir blieben unter der Sprayhood und hinter der Glasscheibe zum Glück trocken.
Regina gab sich alle Mühe, uns schnell nach Norwegen zu bringen, sie pflügte mit 7-8 Knoten durch die Wellen. Es gab aber einen Gegenstrom von 1-1,5 Knoten, mit dem wir nicht gerechnet hatten, so dass wir doch nicht so schnell vorankamen. Der einzige Frachter, der uns kreuzte, wollte einfach nicht ausweichen, obwohl wir eigentlich Vortritt hatten. Er hornte uns sogar an. Wir mussten den Kurs ändern, denn der Klügerer gibt ja bekanntlich nach!
Nach 11 Stunden immer mit Am-Wind-Kurs konnten wir nach 74 sm durchs Wasser (65 sm auf der Karte) die Segel vor der Hafeneinfahrt von Risør einrollen.


In Arendal, der alte Stadthafen mit den "Riviera"-Restaurants rund herum

07.05.2018 Risør - Arendal, 30 sm.
Wetter: S 2-3, sonnig.

Gleiten über den flachen Skagerrak

Vor der Abfahrt machten wir noch einen Spaziergang durchs noch schlafende Städtchen, einzig Schüler waren unterwegs und der Supermarkt «Joker» und ein Café hatten offen. Auch der Hafen selber hatte noch Winterruhe, kein WC, keine Dusche, das Wasser am Steg noch abgestellt, kein Hafenmeister.
Um 9 Uhr fuhren wir gemütlich durch die Hafeneinfahrt und dann durchs Fahrwasser auf den Skagerrak. Es hatte keinen Wind, das Meer war flach, die Sonne spiegelte sich im Wasser. Erst etwas weiter draussen kam dann ein Windchen aus Süd. Diesen Hauch konnten wir dann nutzen, um nach Arendal zu gleiten, zwar langsam, aber stetig. Zwischendurch erreichten wir gar 6kn Geschwindigkeit und dachten schon daran, gleich weiter zur nächsten Stadt zu fahren, aber die Böe war bald vorbei. Also, nach Arendal.
Gleich nach Ankunft um 16 Uhr suchten wir die Hafengeldanmeldemöglichkeit und Dusche und Waschmaschine; alles da und sie funktionierten. Und dann gab es eine ausgiebige Süsswasserdusche für das Boot, von der spritzigen Wellenfahrt gestern war noch alles salzig. Elisabeth machte eine erste Waschmaschine voll inkl. Tumbler. Der Bericht von gestern und heute wurden noch gemacht und alle überfälligen Berichte hochgeladen. Und anschliessend spazierten wir noch durch die Stadt Arendal.


unser Ankerplatz bei der Insel Flekkerøya (bei Kristiansand)

08.05.2018 Arendal - Anker Flekkerøya, 40 sm.
Wetter: NE3-5, sonnig.

Norwegische Skagerrakküste

Der Wind sollte gemäss Wetterbericht erst etwas später segelbare Stärke haben. So schliefen wir aus und gingen nochmals in die Stadt zum Einkaufen. Neben uns lag ein Norweger, der ebenfalls Zeit hat und zu den Lofoten segelt. Erst gegen 11 Uhr lösten wir die Leinen und motorten durch das Fahrwasser zum Torung-Leuchtturm. Aber ab hier hatten wir genügend Wind.
Zuerst mit Gross und Genua, später mit dem Gennaker segelten wir entlang der norwegischen Riviera gegen Südwest, wir wollten ja irgendwann den südlichsten Punkt Norwegens umrunden. Der Wind war sehr angenehm, fast keine Wellen, und den ganzen Tag hatten wir Sonne und blauen Himmel. Es lief so rund, dass wir beschlossen, Lillesand auszulassen und gleich weiter zu segeln. Gegen Kristiansand nahm der Wind zu, der Gennaker war längst geborgen, und wir flitzten gerefft mit über 7 kn der Inselgruppe zu, wo wir auf eine schöne Ankernacht hofften.
Im Zickzack um die Steine und die vielen Inselchen von Flekkerøy erreichten wir die fast geschlossene Bucht von Skålevik, eigentlich eher ein See, wo neben vielen norwegischen Sommerhäuschen (zur Zeit meist unbewohnt) auch noch eine Fischverarbeitungsanlage stationiert war. Es war ruhig, der Wind wehte noch mit etwa 8 kn, keine Wellen, nach 9 Uhr der Sonnenuntergang, die Sonne schien ins Cockpit, und wir genossen den Znacht draussen bei Sonne. Wie Ferien.


Die weissen Häuser von Farsund am Hang oberhalb des Hafens

09.05.2018 Anker Flekkerøya - Farsund, 46 sm.
Wetter: wolkenlos, NE4 bis E6, am Abend sehr warm.

Umrundung Lindesnes

Heute segelten wir um den südlichsten Punkt (Inselchen Pysen bei Litleodd und Sandøy), den südlichsten Leuchtturm (Ryvingen) und die südlichste Ecke des norwegischen Festlands (Kap Lindesnes), und das bei hoher Geschwindigkeit (7-8 kn bei 5-6 bft von achtern) und schönstem (wolkenlosen!) Wetter. Allerdings segelten wir alles aussen rum und nicht über den inneren Weg durch die Schären, der sicher spannender wäre, aber eben einiges länger und sicher mit weniger Wind, also auch weniger schnell. Aber die innere Route kennen wir bereits gut, die sind wir bereits mehrere Male gesegelt.
Schon um 15 Uhr lagen wir in Farsund im Gästehafen und hatten so genügend Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang durch das Städtchen. Seit unseren letzten Besuchen hat sich hier offenbar viel verändert. Es wurden neue Häuser in der Umgebung des Gästehafens gebaut, und es hat nun ein grosses Einkaufszentrum «Amfi», auch die Hauptstrasse ist breiter und hat nun einen Kreisel. Der Gästehafen ist nicht mehr gratis, dafür hat es genügend Stromanschlüsse, allerdings immer noch das gleiche WC im Coop-Laden gerade am Steg. Im Städtchen selber scheint aber die Zeit stehen geblieben zu sein, die norwegischen Holzhäuser in weiss sehen immer noch gleich aus, und ich glaube, das leere baufällige Haus stand auch 2013 schon so da.
Heute war es unwahrscheinlich warm. Gleich nach der Ankunft genossen wir die Wärme im T-Shirt und ohne zusätzliche Merino-Unterhose, am Abend hatten wir ohne zu heizen 20 °C im Schiff. Aber für morgen ist starker Regen angesagt, wir werden deshalb einen (verdienten) Pausetag einlegen.

Links für weitere Informationen:
Lindesnes Leuchtturm Farsund-Info


Blick auf den Gästesteg beim Coop in Farsund. Hinter uns harren noch zwei andere Boote aus

10.05.2018 Farsund - Farsund, 0 sm.
Wetter: Regen.

Fauler Regentag

Am Vormittag wars noch trocken, doch schon vor dem Mittag fing der Regen an und von kurzen Unterbrüchen abgesehen regnete es bis zum Abend.
Wir verbrachten den Tag auf dem Boot, unterbrochen von Spaziergängen um die Hafenbucht zum dort offenen WC-Haus. Vorhänge waren noch zum Aufhängen, wir hatten ja Internet und nutzten dieses. Es war Zeit zum Lesen und so war auch ein Tag, an dem sonst nichts los war, schnell vorbei. Wegen des Feiertags (Auffahrt) und des Wetters waren kaum Leute unterwegs und die Geschäfte zu. Zwei andere Segelboote waren am Vormittag losgefahren, die anderen beiden waren auch hiergeblieben. Für das Bild gab es um 21 Uhr – nach dem Regen - noch einen Spaziergang zum Aussichtspunkt bei der Schule.
Weil es so spät erst dunkel wird, merkten wir kaum, wie spät es schon wieder geworden war.


Auf der Ravneheia, unterwegs zum St. Olavsvarden

11.05.2018 Farsund - Farsund, 0 sm.
Wetter: schön, windig, kühl.

Velo- und Bergtour Ravneheia

Weil der Wind heute sehr stark genau von dort kam, wo wir hinmussten (Kap Lista), blieb Regina am Steg und die Bromies kamen aus der Kiste. Die Luft war noch frisch, aber die Sonne schien, als wir losfuhren.
Schnell waren wir aus dem Städtchen. Zuerst ging es der ziemlich stark befahrenen Strasse entlang, aber die Autofahrer fuhren sehr rücksichtsvoll und warteten geduldig, bis sie uns mit grossem Abstand überholen konnten. Dann konnten wir auf einen kleinen ungeteerten Weg abbiegen, der autofrei war.
Wir umrundeten die Halbinsel Ravneheia. Zuerst fuhren wir auf dem alten Weg zwischen Farsund und Sande (die Autostrasse führt heute durch einen Tunnel) über Bøensbakken, ein Weg durch steile Felswände wie die Axenstrasse oder die Schöllenen hoch über dem Fjord. Bergaufwärts wurde es uns schnell warm, immerhin bewegten wir uns auf einer schwarzen Veloroute («Experte», die leichteren Kategorien wären «anspruchsvoll», «mittelschwierig» und «leicht»). Von Bøen nach Sande hinunter sausten wir auf der Autostrasse, von dort ging es wieder auf einer kleinen Strasse weiter entlang dem Åptefjord und dann steil hinauf auf die Hochebene von Ravneheia mit den Seen.
Auf dem höchsten Punkt der Strasse (ca. 210 müM) konnten die Velos abgestellt werden. Nun ging es zu Fuss auf dem gut mit Pfosten markierten Wanderweg weiter. Hier waren die Bäume grün, die Löwenzähne und die Heidelbeerbüsche blühten. Die Vögel zwitscherten und sogar ein Kuckuck war zu hören. Der Weg führte im Zickzack um die Seen und Sümpfe und Granitgipfel herum, meist im lichten Wald. Nach etwa 1 ½ Std. erreichten wir den St. Olavsvarden (360 müM). Auf dem Gipfel sahen wir im Gipfelbuch, das der Berg doch oft bestiegen wird, aber wir trafen auf der Tour niemanden. Die Aussicht war schön und hochgebirgsmässig, wir sahen zum Meer beim Lindesnes hinunter, auf die Fjorde unter uns und eben auch zum Kap Lista, das aber in Wolken gehüllt war (und von dort kam auch der kalte und starke Wind).
Zurück bei den Velos brausten wir nach einer kleinen Stärkung schnell auf der geteerten Strasse abwärts. Gegen 17 Uhr waren wir zurück auf dem Boot.


In der fast geschlossenen Ankerbucht Rausvågen auf Eigeroya

12.05.2018 Farsund - Anker Rausvågen (Eigeroya), 46 sm.
Wetter: schön, etwas Wind von SE.

Gennaker rauf und runter

Gemäss Wetterbericht kam der Wind erst gegen 10 oder 11 Uhr. So hatten wir noch Zeit, am anderen Ende von Farsund ins Einkaufszentrum Amfi zu gehen.
Um halb elf waren wir soweit und fuhren um die vielen Inselchen durchs Fahrwasser aufs offene Meer hinaus. Hier hatte es dann auch etwas Wind, und wir setzten die Segel, etwas später dann den Gennaker, denn der Wind kam sehr raum und mit maximal 6-7 kn. Irgendwo vor dem Kap Lista mussten wir eine Halse mit dem Gennaker machen, was bei uns recht aufwendig ist, da wir den Gennaker nur mit einer Schot fahren: Gennaker bergen, alle Leinen umhängen, halsen mit dem Grosssegel und neuer Kurs, dann den Gennaker wieder setzen und justieren.
Hinter dem Lista drehte der Wind zu unseren Ungunsten, und er wurde stärker. Die nächste Halse machten wir also nicht mehr mit dem Gennaker, sondern setzten das Genua wieder ein. Aber bald war es wieder Zeit für den Gennaker. Nach einer weiteren Stunde wurde der Wind immer schwächer, und bei 4-5 kn Wind fiel das Segel einfach zusammen, da war nichts mehr zu machen. Die letzten drei Stunden waren wir dann mit Motor unterwegs. Auf der ganzen Strecke war unser Stegnachbar hinter uns her, er hatte sogar auch einen Gennaker oder Code Zero oder Blister, aber unser Schiff war etwas grösser, und er konnte uns nicht einholen. Immerhin, ein solches Ralley führt dazu, dass man die Segel immer optimal trimmt.
Als Tagesabschluss kamen wir kurz vor Sonnenuntergang zu einer wunderschönen abgeschlossenen Ankerbucht ohne Wellen und ohne Wind, und wir waren allein (siehe Bild).


Hinter der flachen Jærens-Küste sieht man vom Meer aus noch Schneeberge

13.05.2018 Anker Rausvågen (Eigeroya) - Tananger, 41 sm.
Wetter: zuerst bedeckt, dann sonnig und warm, anfangs und zuletzt kein Wind, zwischendurch für eine Stunde NNE2.

Flaches Meer bei Jærens Rev

Ohne Wind wie gestern: Beim Aufstehen stand das Boot immer noch gleich in der Bucht, die Ankerkette ging senkrecht nach unten. Es hatte aber auch keine Sonne. So fuhren wir halt mit Motor der langweiligen und flachen Küste entlang nach Norden. Für eine Stunde hatten wir etwas Wind, das reichte beim Segeln gerade für 3.5 kn. Aber nachher war das Wasser weiterhin flach und spiegelglatt.
Jærens Rev ist eine unscheinbare Westquadrant-Boje weit draussen, aber diese muss man unbedingt aussen umfahren, denn zwischen Land und Boje hat es Steine und Untiefen. Und wenn man der norwegischen Küste entlang fährt, ist hier ist die längste Strecke, die über das offene Meer führt, sonst ist man meist geschützt hinter Schären und Inseln. Nun, immerhin haben wir diese hinter uns.
Als erstes gingen wir zum Hotel Hummer (hier gibt es Internet) und schauten uns das Wetter an. Montag und Dienstag hat es keinen Wind, am Mittwoch und Donnerstag sehr starken Wind aus Nord, und nachher hat es wiederum keinen Wind, solange die Wetterberichte etwas anzeigen. Wir werden also zwei Tage mit Motor unterwegs sein und zwei einsame Inseln besuchen, nachher eher hinter den Schären und Inseln den Wind nutzen und Richtung Bergen segeln. Wahrscheinlich gibt es nun einige Tage keinen Bericht.


In Skudeneshavn, bei der Einfahrt zum alten Hafen, der nun Gästehäfen ist

14.05.2018 Tananger - Skudeneshavn, 28 sm.
Wetter: schön, NW2-4.

Von Fischerort zu Fischerort

Wir hatten am ganz neuen Steg fest gemacht, er war nur ganz aussen, wo wir standen, fertig. Die Handwerker kamen um 7 Uhr, um weiter am Steg zu arbeiten. Aber wir waren eh schon vorher wach, weil es seit 5 Uhr hell ist und heute schien die Sonne besonders aufs Boot, es war auch schon richtig warm. Wir konnten draussen an der Sonne frühstücken.
Beim Losfahren konnten wir uns auf Grund des Wetterberichts kaum vorstellen, dass es heute ein Segeltag werden würde. Aber schon nach 10 Minuten, kaum waren wir aus der Hafenbucht, konnte der Motor abgestellt werden. Der SE-Wind schob uns voran.
Wir wollten uns das Inselchen Rott ansehen. Eine hübsche kleine Insel mit einer Mole und einer einzigen Boje wäre auch für Besucher möglich. Aber wir fuhren weiter, vielleicht werden wir bei der Heimfahrt hier übernachten. Und jetzt hatten wir keinen Wind mehr. Als Ersatz zum Segeln ein Fischversuch in den Schären, war aber auch ohne Erfolg.
Ziemlich plötzlich kam der Wind wieder, erst mit 4 bf von NW, später mit 3 bf. So kreuzten wir auf, segelten entlang der Insel Kvitsøy mit der Fischindustrie (wollten wir eigentlich auch besuchen, aber die Zufahrten und der Hafen sind für grössere und tiefgehende Segelboote ungeeignet) und erreichten auf der Insel Karmøy den alten Fischerort Skudeneshavn, wo wir am Gästesteg festmachten, mitten im Dorf. Das Dorf selber war schnell angeschaut. Viele alte hübsche Holzhäuser stehen hier. Und die Bewohner strichen gerade ihr Haus mit weisser Farbe oder sonnten sich auf ihren Balkonen. Jeder Sonnenstrahl muss hier eingefangen werden, wer weiss, wann es wieder mal so warm und sonnig sein wird? Ein Kastanienbaum ist kurz vor der Blüte, es geht unheimlich schnell hier, weil der Sommer intensiv, aber kurz ist.

Links für weitere Informationen:
Webcam beim Gästehafen Skudeneshavn


Blick von Leirvik über die Hafenbucht in die noch verschneiten Berge

15.05.2018 Skudeneshavn - Leirvik, 46 sm.
Wetter: schön, kein Wind, später SW2-3.

Flucht vor dem Sturm

Die Sonne weckte uns kurz nach sieben, sonst war es absolut still im Hafen. Bald tuckerten wir langsam und gemütlich aus dem Dorf hinaus, an den weissen Häusern und dann den Fischverarbeitungsanlagen vorbei in den Karm-Sund und dann alles unter Motor über das glatte Wasser nach Haugesund. Um 12 Uhr erreichten wir hier den Gäste-Pier, es war sehr sonnig und warm (eigentlich zu heiss, wir assen hier unser Mittagessen im Salon).
Und wir schauten uns das aktuelle Wetter im Internet an. Morgen wird es hier Sturm (Windstärke 8) geben, und heute hat es noch ein Lüftchen, das uns ins Landesinnere schieben könnte. Also, Leinen wieder los und Weiterfahrt Richtung Leirvik. Dort soll der Wind morgen weniger stark sein, aber immer noch pausentagwürdig.
Lange gings wieder unter Motor nach Norden und dann in den äusseren Hardangerfjord hinein. Der angesagte Wind (bzw. Windchen) kam erst sehr spät und reichte gerade mal für eine langsame Fahrt mit dem Gennaker. Immerhin konnten wir noch 13 Meilen segeln und das bei schönstem Wetter und mit Blick auf die Schneeberge.
Der Gästehafen war fast leer, als wir um 19 Uhr ankamen. Nach dem Znacht machten wir noch einen kurzen Spaziergang, aber das Duschen, Einkaufen und den längeren Spaziergang (und das Waschen, es hat hier eine Waschmaschine) verschoben wir auf morgen. Im Laufe des Abends kamen noch einige Boote (v.a. Motorboote) in den Gästehafen.


Die "Einkaufsstrasse" in Leirvik wird gerade modernisiert, die Strassenlampen stehen schon

16.05.2018 Leirvik - Leirvik, 0 sm.
Wetter: meist schön, heftiger böiger Wind.

Abwettern in Leirvik

Am Morgen war der Wind noch recht sanft, aber am Nachmittag rüttelten die Windböen am Schiff, aber im geschützten Hafen war das ohne Probleme.
Am Morgen besuchten wir das Shoppingcenter und den Coop für den Einkauf, am Nachmittag gab es einen Spaziergang durch den Ort, allerdings bereits wieder etwas zu spät, die Läden waren bereits wieder zu.
Elisabeth nutzte die Waschmaschine mit Tumbler, Toni bearbeitete die Bilder der letzten Etappe (diese sind aber noch nicht fertig) und beschäftigte sich mit den Häfen und Ankermöglichkeiten für die nächsten Tage.


Segeln im Hardangerfjord

17.05.2018 Leirvik - Godøysund (Våge, Tysnessøya), 34 sm.
Wetter: wolkenlos schön, N2 – NW6.

Segeln mit dem Starkwindausläufer

Heute war in der Gegend Haugesund und südlich davon immer noch Sturm angesagt, aber hier im Landesinneren und erst noch weiter nördlich erwarteten wir keine Windstärke 7. Aber stark wird der Wind immer noch aus N bis NW wehen. So haben wir es dann auch erlebt.
Kaum ausserhalb des Hafens von Leirvik hatten wir doch wieder 18 kn Wind aus N oder NW. Zwischendurch drehte er um 90° und reduzierte sich bis auf 5kn, um nachher wieder mit 20er-Böen zurückzudrehen. Das Segeln im Hardangerfjord war recht anspruchsvoll, mehrere Male hiess es ein- oder ausreffen. Aber immerhin hatten wir keine Wellen, so konnten wir den Am-Wind-Kurs und das Aufkreuzen trotzdem geniessen, vor allem in der wunderschönen Umgebung mit den nahen Schneebergen.
Vor dem Lukke-Sund bargen wir die Segel und fuhren unter Motor durch die Enge, es gab hier auch mal 24 kn genau gegenan. Auf der anderen Seite des Sundes, im Bjørnafjorden, konnten wir nur ein kurzes Stück segeln, schon bald mussten wir abbiegen und durch die Schären des Godøysunds unseren vorgesehenen Liegeplatz suchen.
Heute war der Norwegische Nationalfeiertag, also die Gästehäfen voll von Booten der Einheimischen, um zu feiern. So wollten wir anstatt im Gästehafen von Våge bei einem verlassenen Hotel an der Pier oder allenfalls am Anker übernachten. Das «Fjordhotel» schien schon recht lange verlassen, die Pier teilweise verfallen, die Pfosten durchgerostet, die Fenster zerbrochen, die Treppen überwuchert von Blumen. Aber es war sehr windgeschützt, einsam und ruhig (abgesehen von Jugendlichen aus Våge, die mit ihrem Boot eine Runde durch die Inselwelt drehten).


Aussicht vom Tysnessåto zum Gletscher beim Hardangerfjoerd

18.05.2018 Godøysund (Våge, Tysnessøya) - Godøysund (Våge, Tysnessøya), 0 sm.
Wetter: schön, beim Schiff fast ohne Wind.

Bergtour Tysnessåto (752m)

Für heute war kein brauchbarer Segelwind angesagt. Wir wollten eine Bergtour auf den höchsten Gipfel der Insel Tysnes machen. Die Velos kam aus der Kiste, wurden aufgepumpt und die Kette geölt und los gings. Das Strässchen war schmal und ohne Verkehr. Es ging immer bergauf und bergab. Wir sausten auf der falschen Seite fast zum Fjord hinunter und merkten, dass wir die Abzweigung verpasst hatten. Schnell wieder umgekehrt und langsamer den Hügel wieder hinauf, und dann den richtigen Weg zur Hauptstrasse.
Nach einer halben Stunde Velofahrt liessen wir die Bikes bei der Infotafel stehen und wanderten los. Erst ging es auf einem alten Alpweg, der schon tüchtig am Zuwachsen war. Heidelbeerbüsche, Anemonen, hier nicht nur weiss, sondern auch rosa-violett und kleine Farne wuchsen da. Später wurde der Weg schmaler und hochalpin. Immer wieder ging es durch Sümpfe. Wenn es sehr nass wurde, dann waren Birkenhölzer ausgelegt, damit man nicht zu tief ins Wasser treten musste. Die Vögel zwitscherten im Birkenwald und der Kuckuck rief und bekam Antwort von der anderen Talseite. Der Berg war nicht mal so hoch wie der Uetliberg, aber immerhin 752m ab Meereshöhe, aber es gab noch einzelne Schneeflecken, besonders auf der Nordseite. Die Baumgrenze war bei ca. 600m.
Wir waren nicht die einzigen. Mehrere Norweger mit und ohne Hund trafen wir auf dem Gipfel, es führten offenbar mehrere Routen hier hinauf. Auf dem Gipfel blies ein kalter Wind. Die Aussicht über die Inselwelt und auf die noch weissen hohen Berge war phantastisch, und wir sahen unser Boot vor dem alten Hotel. Und wir sahen auch über die vorgelagerten Inseln auf den Atlantik hinaus.
Der Abstieg war auch anspruchsvoll und wir mussten aufpassen, um nicht zu stolpern oder auszurutschen. Die Rückfahrt mit den Velos ging schneller, es kam gefühlsmässig nur noch eine Steigung. Allerdings waren jetzt etwas mehr Autos unterwegs. Am Steg lagen jetzt noch zwei andere Segelboote und noch ein weiteres kam dazu. Weil heute ein Motorbootfest im Gästehafen von Våge sein soll, laut Stegnachbar, beschlossen wir, nochmals eine Nacht hier zu bleiben.


Die Fähre im Bjørnafjorden (Autoverbindung zwischen Stavanger und Bergen)

19.05.2018 Godøysund (Våge, Tysnessøya) - Hjellestad (Bergen), 26 sm.
Wetter: schön, NW2-W3.

Wider Erwarten mit Segelwind

Als wir ablegen wollten, waren nur ein Paar mit seinen Hunden schon auf. Alle anderen von den mittlerweile 10 Booten schliefen noch. Wir tuckerten leise vom Steg weg und fuhren unter Motor die 2 sm zum Hafen Våge.
Der Hafen war noch voll besetzt mit den Motorbooten. Wir machten aussen am Aussensteg fest. Zum «Spar» war es nicht weit und das Internet dort war besser als das im Hafen. Ein Blick auf die Windprognose und der Entschluss war gefasst: wir wollten weiter. Es kamen immer mehr Motorboote zum Hafen, anscheinend wurde heute immer noch weiter gefestet. Es kam schon ein Boot, und wartete auf unseren Platz, also, Leinen los und weg von hier.
Es hatte genug Wind und wir kreuzten auf zum Hafen Kleppholmen. Aber der war voll, wir mussten wieder wegfahren. Wer ein Boot hat, ist am Wochenende unterwegs! So kurvten wir um die Inseln, fanden aber keinen geeigneten Ankerplatz, der Fjord ist hier sehr tief oder zu eng. So kamen wir zur kleinen Marina Hjellestad (südlich von Bergen) und konnten dort am Gästeponton fest machen. Die Tankstelle war nicht weit weg, sodass die vielen Motorboote, die zum Tanken kamen, ziemlich Schwell machten. Die Gästehafenanlage ist anscheinend noch im Winterschlaf, aber wir hatten Strom und Wasser und benutzten unsere Bootsdusche. In unserer Kuchenbude war es noch lange gemütlich warm, weil die Sonne bis nach 22 Uhr schien.


Eine der Brücken, die über das sehr enge Fahrwasser zwischen den Inseln führt. Diese ist mit 27m genug hoch für uns.

20.05.2018 Hjellestad (Bergen) - Eivindvik, 54 sm.
Wetter: schön, S5-8.

Starkwindsegeln zwischen den Steinen und Inseln

Gleich hinter dem Steg vom Hafen konnten wir das Genua ausrollen und lossegeln. Für heue war Starkwind angesagt, Genua gerefft reichte völlig. Am Funk wurde Sturmwarnung durchgegeben: 8-9 bf. Wir wählten die innerste Route hinter den Inseln, wo wir vor dem Starkwind etwas geschützt waren.
Heute passierten wir viele Brücken: z.B. die Byfjorden Brücke und die Klanvanesetbrücke vor Bergen. Bergen selber liessen wir diesmal steuerbord liegen, die Stadt werden wir bei der Heimfahrt (nicht am Wochenende) besuchen. Dann gings in den Radsundet. Hübsche Häuser waren in den Hang gebaut.
Anfangs waren wir alleine unterwegs. Nach dem Mittag waren auch die Norweger mit ihren Motorbooten unterwegs. Im engen Bakkoysund sausten sie an uns vorbei und produzierten unangenehme Wellen.
Unsere Genua konnte sich mit dem Wind von achtern oft nicht entscheiden, ob sie steuer—oder backbord stehen wollte. Zwischendurch flatterte sie scheusslich und wir mussten sie schnell auf die andere Seite schiften. Die Böen kamen oft überfallmässig und dann sauste Regina los und beschleunigte bis auf über 8 Knoten trotz 2 Reffs, manchmal eine Herausforderung in dem sehr engen Fahrwasser.
Später wurden die Inseln, die ja anfangs bewaldet waren, karg und steinig. Dem kalten Wind ausgesetzt wächst hier kaum noch etwas.
Nach 54 sm kamen wir am Abend in Eivindvik an. Am Steg wurde schnell für uns Platz geschafft, indem ein Motorboot nach vorne verlegt wurde. Nach uns kam noch eine deutsche X-Yacht, auch für die gab es noch ein Plätzchen.
Am Abend waren wir ziemlich müde nach dem konzentrierten Segeln um die Inseln und Steine herum.


Wir sind auf Rauschefahrt mit Genua und Wind von achtern (Bild erhalten von: Cutting Edge)

21.05.2018 Eivindvik - Florø, 47 sm.
Wetter: schön, teilweise bewölkt, S5.

Nochmals Genuasegeln durch die Fjorde

In der Nacht wurden wir von den Fallböen manchmal hart an den Steg gedrückt, gegen den Morgen wurde der Wind etwas sanfter. Aber sobald wir aus der Bucht von Eivindvik kamen, hatten wir wieder genügend Wind von achtern, dass wir auch nur mit dem Genua schnell vorwärts kamen. Manchmal war es aber zum Verzweifeln, wenn wir hinter einer Insel den Wind von zwei Seiten erhielten, entweder mit 30kn oder 2 kn. Gegen Mittag kamen wir aber aus den Fjorden mit den hohen Bergen raus, die Inseln wurden flacher und der Wind gleichmässiger, mit 5 bft. sausten wir nordwärts.
In der Gegend mit den starken Fallböen erhielten wir Besuch von 2 kleineren Walen, andere Segler sahen dort mehr als 10 Orcas.
Schon in Sichtweite des Gästestegs rollten wir das Genua ein und tuckerten in den Hafen, Dort sahen wir 3 andere Segelschiffe, die wir unterwegs auch schon getroffen hatten. Von den 47 Meilen konnten wir 46 Meilen segeln. Der Spaziergang durch Florø dauerte nicht lange, die Läden waren geschlossen (Pfingstmontag), es hatte auch nicht viel Betrieb, und zu sehen gibt es neben der alten Hauptstrasse und dort einigen älteren Gebäuden auch nicht viel.


Rugsund Handelsstad

22.05.2018 Florø - Rugsund Handelsstad, 37 sm.
Wetter: bewölkt, N-NE5.

Wenden à-gogo

Das Aufstehen fiel uns nicht so leicht, wir sassen gestern noch lange auf der «Cutting Edge», um Fotos zu tauschen und zu schwatzen. Hier merkt man nicht, wenn es auf Mitternacht zu geht, weil es immer noch nicht dunkel, nur etwas kühler wird.
Der Start in Florø war windlos, Elisabeth nutzte das flache Meer unterwegs für eine Fischerrunde. Allerdings doppelt erfolglos: kein Fisch, und erst noch alle Haken und das Blei blieben am Meeresboden hängen.
Kaum hatten wir am Fischerort den Motor angeworfen, kam der Wind, diesmal von Nord, und entsprechend kühler. Schnell hatten wir bis 20 kn, entsprechend gerefft kreuzten wir dann gegen den Wind mit vielen Wenden den Frøya-Fjord hinauf. Allerdings waren wir recht schnell, meist um die 6 kn, ein anderes Segelschiff, das mit Motor gegen den Wind und die Wellen fuhr, war nur unwesentlich schneller. Je tiefer wir in den Fjord kamen, desto böiger wurde der Wind, immerhin stand einer der höchsten Berge der Umgebung (Hornelen, 860m) gerade neben uns. Die Fallböen waren nicht nur stark, sondern auch mit Winddrehern verbunden, und es gab auch Windlöcher, wo wir mit unseren stark gerefften Segeln einfach stehenblieben. Und irgendwann hatte es gar keinen Wind mehr, und der Motor musste uns helfen.
Kurz vor Måløy entschieden wir uns, nicht in den wahrscheinlich ruppigen Hafen (der Nordwind bläst direkt hinein) zu fahren, sondern einige wenige Meilen in den Nordfjord zu segeln zu einem kleinen Ort mit einem öffentlichem Quai und einer kleinen Steganlage: Rugsund. Das kleine Dorf Rugsund mit seiner Fischverarbeitungsanlage ist auf der anderen Seite der Bucht, wir machten am alten Handelsplatz an der etwas brüchigen Quaimauer fest. Die Häuser stammen hier zum Teil aus dem 16. Jhd., entsprechend sieht es auch sehr alt und klassisch aus. Weil wir hier sehr gut windgeschützt waren, hatten wir leider auch keine Abendsonne, und es wurde schnell kühl.


Blick von Risnakken bei Selje zum Gästehafen und zur Insel Selja, aber auch Blick zum Kap Stattlandet

23.05.2018 Rugsund Handelsstad - Selje, 18 sm.
Wetter: schön, NE5, später N2 und weniger.

Kurzer Schlag und Wandertour

Zwar waren wir bestens geschützt an unserer Mole, wir sahen aber die Wellen, die vom starken NE-Wind in die Bucht getrieben wurden. Entsprechend refften wir die Segel, aber unterwegs nach Måløy wurde der Wind bald immer schwächer, nach einer knappen Stunde ging es dann nur noch mit Motor weiter. Wir fuhren aber an Måløy vorbei und gleich etwas weiter nach Selje mit der vorgelagerten Insel Selja. Måløy wäre ein grösserer Ort mit grossem Gästehafen und Hurtigruten-Halt gewesen, bei der Vorbeifahrt sahen wir aber, dass es schon recht viele Boote dort hatte, und hier waren wir früher schon mal.
Hier hatte es gerade mal ein anderes Boot, sonst waren wir allein am Gästesteg. Wir machten es uns gemütlich, gingen im nahen Coop einkaufen und machten den Homepage-Update und waren sonst noch etwas auf dem Internet. Am späten Nachmittag bestiegen wir noch den Aussichtspunkt Risnakken oberhalb der Ortschaft, und weil es gerade so schön war, wanderten wir weiter auf einen kleinen Gipfel (ca. 300 müM) mitten im Fjell beim kleinen See Djupedalsvatn. Gerade vor uns lag die Insel Selja, wo früher die Wikinger hausten und sich für ihre Touren nach Westen vorbereiteten, später entstand dort ein Kloster, ab 1650 war die Insel unbewohnt, jetzt hat es nur Ruinen zu besichtigen.
Wir kämpften mit der Entscheidung, ob wir morgen um Stattlandet fahren werden. Dieses Kap ist eines der gefährlichsten Strecken, die übers offene Meer führt, weil die Atlantikwellen von den Felswänden reflektiert werden, tiefe Seeschluchten und unterseeische Berge auch die Wellen und die Strömungen umleiten und so gefährliche Wellen entstehen, vor allem bei Starkwind aus W trifft das zu. Nun, für morgen wird SW-Wind mit 25kn, d.h. 6 bft, angesagt.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.