bx4.ch: Norwegen 2018, Etappenlog

im Blickfeld: Segel-Blog Norwegen 2018


Logbuch Etappe 2 IJsselmeer und Waddenzee

von Enkhuizen nach Vlieland 

(15.04.2018 - 18.04.2018), Anzahl Tageseinträge: 4


Die noch leere Marina von Stavoren.

15.04.2018 Enkhuizen - Stavoren, 11 sm.
Wetter: Grau, sehr wenig Sonne, SE-S 1-2.

Grauer Segeltag

Es fing gegen Morgen an zu regnen. Wir standen nicht so früh auf.
Die noch feuchten Wäschestücke konnten noch im Tumbler getrocknet werden. Das Hafenbüro war wieder offen und die entsprechende Münze erhältlich.
Gegen Mittag legten wir ab. Das Wetter war grau, die Sicht schlecht, aber erstaunlich viele Holländer und Deutsche waren schon unterwegs, die ersten Wochenendsegler. Der Wind war schwach und zwischendurch musste auch der Motor mithelfen. Weil der Wind nur schwach von hinten kam und die Sonne dann doch durchdrückte, war es angenehm warm.
In Stavoren angekommen, machten wir zuerst einen Spaziergang durchs Städtchen bis zum alten Hafen. Stavoren war ganz früher eine der Hansestädte und die grösste Stadt hier in Friesland. Aber davon ist heute nichts mehr zu sehen, das Meer bzw. die Zuiderzee hat hier alles verändert. Alles wirkte hier etwas ausgestorben, die Touristen-Saison hat noch nicht angefangen.
Zurück auf dem Boot wurden wir aktiv: die vielen Mücken, bzw. Eintagsfliegen, die überall klebten, wurden weggespült, die Backskiste frisch eingeräumt und die Sorgleinen montiert. Und die Planung für die Weiterfahrt gemacht, denn morgen geht’s in die Waddenzee auf eine westfriesische Insel, und hier hat es Gezeiten und Untiefen, und das Wetter musste ebenfalls studiert werden. Der Abend war schnell vorbei.


Segeln bei Sonne auf dem IJsselmeer

16.04.2018 Stavoren - Harlingen, 20 sm.
Wetter: sonnig, noch sehr kühl, S-SW 2-3.

Sonniger Segeltag

Heute standen wir relativ früh auf, zumindest war wieder einmal der Wecker notwendig. Um 8 Uhr bewegten wir uns vorsichtig aus der Box, damit es uns mit dem Seitenwind nicht zu stark abtrieb. Und bei fast wolkenlosem Himmel setzten wir dann vor der Hafenmole die vollen Segel und fuhren so gegen Norden zur Lorentzschleuse bei Kornwerdersand.
Bei der Schleuse mussten wir nicht lange warten, und wir wurden mit 3 anderen Segelschiffen und einem Motorboot in die Waddenzee geschleust. Auch die Autobahnbrücke des Abschlussdeichs wurden bald für uns geöffnet. Die Route durch die Untiefen von Bontjes fuhren wir vorsichtig unter Motor, weil gemäss Karte diese Route nur gerade während des Hochwassers befahren werden kann. Aber offensichtlich wurde hier der Kanal etwas ausgebaggert, denn wir hatten immer so viel Wasser unter dem Kiel, dass man auch bei Niedrigwasser durchfahren könnte. Schade, wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir unter Segel diese Strecke gefahren.
Gemäss dem langfristigen Wetterbericht werden wir am Dienstag und am Donnerstag genügend Wind haben, um über die Nordsee nach Borkum zu fahren, aber am Donnerstag ist es viel wärmer und die Gezeiten sind 1 ½ Stunden später, also für uns wesentlich angenehmer. So fuhren wir heute nur bis Harlingen. Bereits kurz nach dem Mittag erreichten wir nach der Durchfahrt von zwei Brücken im Binnenhafen von Harlingen, machten einen ausgiebigen Spaziergang durch das noch etwas leere Zentrum und genossen die warme Sonne auf dem Boot.


Aussicht vom Masttop über den Noorderhaven in Harlingen

17.04.2018 Harlingen - Terschelling, 21 sm.
Wetter: SSW 4-5, bedeckt mit recht viel Sonne.

Wattsegeln

Heute wars gar nicht pressant, wir konnten erst nach dem Hochwasser von 12 Uhr losfahren. So waren wir noch im Café mit Internet, um die elektronischen Seekarten zu updaten. Und Elisabeth kurbelte Toni auf den Mast, damit er oben noch einen Sicherheitscheck machen konnte, es war alles bestens.
Die Brücke ging um 12:25 Uhr auf, und drei Minuten vorher waren wir bereit. Und die zweite Brücke wurde uns auch gerade aufgemacht, als wir kamen. Kaum aus dem Hafen konnten wir bereits unsere Segel setzen, allerdings tüchtig gerefft, denn es hatte sehr guten Wind, zwar nicht immer aus der optimalen Richtung, aber genügend. Wir segelten mit dem Ebbstrom durch das Wattenmeer Richtung Nordsee den vielen grünen und roten Tonnen entlang, allerdings noch vor dem Gat bogen wir in einen Seitenarm des Fahrwassers und segelten gegen den Strom wieder «bergwärts». Nach einer Stunde erreichten wir den Slenk, eine schmale aber gut markierte Rinne zwischen trockenfallenden Sandbänken, die zur Insel Terschelling führte. Auch dieses schmale Fahrwasser konnten wir segeln.
Hier trafen wir dann wieder die nigelnagelneue Contest42, die uns etwas nach Harlingen überholt hatte; sie steckte mit dem Kiel im Sand, bereits etwas schräg, denn das Wasser war ablaufend. Allerdings war bereits Hilfe unterwegs, ein Bagger, der vorbeifuhr, zog das Segelboot aus dem Sand zurück ins Fahrwasser.
Im Hafen hatte es viel Platz, während der Saison dürfte es hier aber anders aussehen. Wir mussten noch den Steg wechseln, weil ein Bagger Dreck und Sand rausholte, so bleibt der Hafen genügend tief. Ein kleiner Spaziergang führte uns ins Dorf und zum grossen Leuchtturm Brandis. Viele Leute hatte es allerdings nicht, einerseits waren die Läden schon geschlossen, andererseits hatte es noch fast keine Touristen. Der Leuchtturm ist recht hoch und leuchtet weit in die Nordsee hinaus. Seit 1594 haben sie hier diesen Leuchtturm, denn früher war dieses Gat zwischen Vlieland und Terschelling die Zufahrt zur Zuiderzee, dem heutigen Ijsselmeer, und der Turm deshalb für die Fischer überlebenswichtig.


Velotour auf Terschelling, eine der Westfriesischen Inseln, mit den Sanddünen im Hintergrund

18.04.2018 Terschelling - Vlieland, 13 sm.
Wetter: schön, SW2-3.

Velotour und Inselhopping

Schon am Morgen schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel und weckte uns.
Nach dem Bezahlen im Hafenbüro (gestern konnten wir nicht, sie machen hier früh zu) kamen die Velos aus der Kiste und los ging die Inselrundfahrt.
Überall gibt es hier mindestens Velostreifen, oder noch besser eigene Velostrassen. Am Morgen waren noch nicht so viele Velos unterwegs, sie kamen erst nach 10 Uhr. Wir fuhren bis zum Oosterende, gingen zum Dünenaussichtspunkt und dann fuhren wir wieder zurück. Die Cafés machen nicht vor 11 Uhr auf, aber wir fanden dann doch eines in einer alten Windmühle und wir konnten draussen an der warmen Sonne sitzen.
Zurück im Hafen machten wir uns nach dem Zmittag parat zum Losfahren. Wegen der Strömungen hatten wir so lange gewartet. Und sie schob uns mit über 8 Knoten über Grund. Es war schön warm. Segeln konnten wir heute nur etwa 1 Stunde, einmal weil wir genau dorthin mussten, wo der Wind herkam und auch wegen der schmalen Fahrstrasse war das Aufkreuzen nicht möglich. Im Hafen Vlieland lagen die Leute in Badekleidung auf dem Steg oder auf dem Boot, auch wir sind mit T-Shirt unterwegs.
Wir genossen ausnahmsweise wieder einmal ein Auswärts-Dinner. Und bereitete alles vor (z.B. die Windfahnensteuerung installieren), denn morgen wollen wir früh los.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.