im Blickfeld: Segel-Blog Norwegen 2018


Logbuch Etappe 1 Startetappe Nordsee

von Zürich nach Lemvig 

(10.04.2018 - 25.04.2018), Anzahl Tageseinträge: 16


Toni unterwegs im ICE am Computerarbeitsplatz

10.04.2018 Zürich - Medemblik, 0 sm.
Wetter: bedeckt.

lange Reise zum Schiff

Obwohl wir ja eigentlich genügend Zeit hatten, uns auf diese Segelreise vorzubereiten, wurde es dennoch sehr spät am Vorabend. Immerhin muss man ja auch die Wohnung für ein halbes Jahr einmotten.
Um 7 Uhr fuhr der Zug im Hauptbahnhof ab, entsprechend ungewohnt früh mussten wir heute aufstehen. Aber die Reise insgesamt war gemütlich, wir fuhren in erster Klasse (das Ticket war gerade mal 10 Euro teurer als die 2. Klasse) und hatten schön Zeit die alten Zeitungen noch zu lesen und eben die Homepage für Norwegen mit dem ICE-Internet abschliessend zu programmieren.
Der deutsche ICE kam in Amsterdam sogar 5 Minuten vor Fahrplan an, so hatten wir gar keine Probleme mit Umsteigen, auch bei unserem vielen Gepäck. Nach der Busfahrt von Hoorn nach Medemblik erreichten wir die Werft mit einem kurzen Fussmarsch. Das Wetter war hervorragend, sonnig und nicht so kalt.
In der Werft waren schon alle Leute im Feierabend, die Regina fanden wir aber schnell. Der Abend war schon bestimmt: Znacht kochen/essen und das gröbste Einräumen, und die Vorderkabine frei machen zum Schlafen.


Beim Grosseinkaufen

11.04.2018 Medemblik - Medemblik, 0 sm.
Wetter: sonnig, aber frisch. leichter Wind.

Schiff einräumen und einkaufen

Allzulanges Ausschlafen war nicht sinnvoll, schon um 7 Uhr waren die Handwerker der Werft in der Umgebung aktiv. Es gab noch einiges zu tun am Schiff. Ein halbes Jahr rumstehen und Teakdeckarbeiten der Werft am Schiff haben recht viel Staub produziert. Und die Pakete mit Material, die wir direkt hierher senden liessen (neue Genuaschoten, neue Festmacher, neue Cockpitkissen, etc.) und auch das 20kg-DHL-Paket aus Zürich mit Material von zu Hause waren hier rechtzeitig angekommen und mussten verräumt bzw. das Material installiert werden. Alles musste geprüft und angeschaut werden (Seekartenplotter, Radar, Navtex, Funk und vieles mehr). Am Mittag kam der Werftchef vorbei und wir erfuhren noch, was alles gemacht wurde (und was vielleicht im nächsten Winter fällig wird).
Die Segel wurden montiert und eingerollt, vorher musste noch eine der Latten ersetzt werden. Das Dinghi hat eine neue Transporthülle gekriegt, die viel solider aussieht als das Original. Aber es muss dann noch festgebunden werden, auch all die Leinen am Mast liegen mal einfach so da und müssen noch richtig versorgt werden.
Am Nachmittag gingen wir zum Deen, der Supermarkt ist keine 5 Minuten entfernt, und machten den ersten Einkauf für unsere Reise (um die hohen Preise in Norwegen zu vermeiden, füllten wir unsere Lager tüchtig, geplant ist ja eine 26-wöchige Reise). Der Einkaufswagen war randvoll, zusätzlich ein grosser Rucksack und eine Tasche. Aber wir müssen morgen nochmals gehen, wir haben noch nicht alles.
Elisabeth räumte im Schiff die vielen Esswaren ans richtige Ort und machte auch gleich Inventar (mit Datum), damit man das Zeugs auch wiederfindet und rechtzeitig verbraucht. In dieser Zeit war Toni aussen beschäftigt, die Unordnung etwas zu verkleinern.
Am Abend machten wir noch einen kleinen Spaziergang ins Städtchen, um uns auch noch etwas zu bewegen.


Die Schleuse in Medemblik, um zum Westerhaven hinauf zu gelangen

12.04.2018 Medemblik - Enkhuizen, 13 sm.
Wetter: ENE 2-4, bedeckt, zwischendurch Nieselregen, gemäss Wetterbericht zwischen 6 und 13°C.

Erste Segeletappe auf dem Ijsselmeer

Gerade nach dem Aufstehen – die Nacht war sehr frisch, einige Male sind wir deswegen aufgewacht – und nach dem Zmorgen machten wir noch den zweiten Grosseinkauf, wieder marschierten wir mit einem vollen Einkaufswagen zur Werft. Anschliessend wurde eingeräumt und die restlichen Decksarbeiten gemacht, damit wir dann auch bald losfahren konnten. Nach dem Lunch und Kaffee konnten wir uns verabschieden und losfahren.
Zuerst ging es im Kanal durch das Industriegebiet mit den verschiedenen Schiffswerften zur Schleuse. Diese Schleuse hob uns mehr als 2 m hinauf auf das Wasserniveau des Ijsselmeers, und wir standen dann im Westerhaven. Durch eine Brücke, die extra für uns gehoben wurde, erreichten wir den Oosterhaven und dann das «Meer» oder eben das Ijsselmeer. Das Ijsselmeer ist durch einen Abschlussdamm vom Wattenmeer (oder hier Waddenzee genannt) getrennt und so eigentlich noch ein Binnensee, wenn auch ein grosser. Diese ehemalige «Zuiderzee» hat also keine Gezeiten, sondern immer den gleichen Wasserstand. Einige Gebiete der ehemaligen Zuiderzee wurden trockengelegt und sind nun Städte (z.B. Lelystad) und Wiesen (Polder), meist tiefer gelegen als das Ijsselmeer und durch einen Damm getrennt und mit Pumpen versehen, die das Wasser hinauf pumpen.
Es war schon spannend, nach einem halben Jahr wieder das Schiff zu fahren und zu manövrieren, aber alles klappte einfach und ohne Probleme, wir kriegten die Segel raus und später wieder rein, und festmachen konnten wir auch noch. Das Wetter war eher grau und trüb, zwischendurch regnete es gar ein bisschen. Und der Wind war sehr schwach, erst später kurz vor Enkhuizen frischte er auf und wir konnten mit 7kn durchs Wasser pflügen.
Um 18 Uhr bei unserer Ankunft war der Hafenmeister bereits im Feierabend und wir suchten uns selber einen Platz aus, es hatte genügend, die Saison hat hier noch nicht begonnen, viele Schiffe standen noch in ihrer Winterabdeckung auf dem Parkplatz oder im Wasser in ihrer Box. Der Frühling ist auch noch nicht wirklich da, nach dem Nachtessen brauchten wir die Heizung, um uns und das Boot etwas aufzuwärmen.


zaghafter Frühlingsbeginn in Amsterdam mit Osterglocken

13.04.2018 Enkhuizen - Enkhuizen, 0 sm.
Wetter: bedeckt, kalter S-Wind.

Kurzbesuch in Amsterdam

Nach dem Besuch beim Hafenmeister und im Yachtshop wegen warmen Regenstiefeln für Elisabeth fuhren wir mit unseren Velos zum Bahnhof und dann mit dem Zug nach Amsterdam.
Wir waren fast erschlagen von den vielen Leuten hier, zu Fuss war fast kein Durchkommen, aber die Velowege zum Glück meist frei und gut zu befahren. Und Velowege hat es hier genügend. Es war ein Vergnügen, durch die Innenstadt zu fahren. Schnell erreichten wir den Brompton-Laden, wo uns das Tretlager ersetzt werden sollte (es war ein Rückruf, unsere beiden Velos waren auch davon betroffen, so hatten wir für heute einen Termin abgemacht). Wir liessen die Velos hier und spazierten durch Amsterdam.
Wir staunten, wie das Tram, die vielen Velos und die noch grössere Menge Fussgänger aneinander vorbeikamen. Zwischendurch hatte es eine Strasse mit stehenden Autos, aber das störte die Velofahrenden nicht, sie hatten ihren Teil der Strasse für sich. Es hatte wirklich sehr viele Leute hier, sehr viele Touristen, aber auch Einheimische. Alle Cafés und Restaurants hatten aussen gestuhlt und auch viele Gäste. Die Stadt lebte wunderschön, obwohl es ein Wochentag und die Temperatur noch nicht wirklich frühlingshaft war.
Gegen 5 Uhr holten wir unsere Bromptons wieder ab, kauften noch eine grosse Velotasche und einen Ersatzschlauch, und fuhren dann an Bus, Tram und Autos vorbei zurück zum Bahnhof. Mit dem Zug fuhren wir zurück nach Enkhuizen zum Schiff, ziemlich müde vom grossstädtischen Betrieb.


Die Marina von Enkhuizen, Companieshaven

14.04.2018 Enkhuizen - Enkhuizen, 0 sm.
Wetter: meist bedeckt, wenig Sonne.

Bootstag in Enkhuizen

Heute war Ausschlaf- Ausruh-Bootstag. Nach dem Ausschlafen gabs frische Brötchen vom Hafenlädeli. Wir spazierten später durch Enkhuizen, ein nettes Städtchen, wo schon viele Leute unterwegs waren. Um den letzten grösseren Einkauf zu machen gingen wir nicht zum näheren «Deen», sondern zum «Albert Heijn», um das andere Sortiment dieser Ladenkette zu nutzen. Wir kauften nur so viel wie wir tragen konnten.
Das Wetter war novemberähnlich, grau und kühl, zwischendurch windig. Das Mittagessen liessen wir heute ausfallen. Der Nachmittag war ausgefüllt mit ein- um- aufräumen und das dauerte bis zum Dunkelwerden gegen 21 Uhr, unterbrochen vom Znacht. Die gewaschenen Decken und Abdeckungen der Polster trockneten leider nicht, weil die Waschmaschine nicht so tat, wie sie sollte, der Schleudergang streikte nämlich.
Die Sonne zeigte sich auch erst ziemlich spät, konnte aber die Luft in der Kuchenbude (Zelt über dem Cockpit) angenehm wärmen. Nach Sonnenuntergang wurde es aber wieder recht frisch und wir verkrochen uns in den Salon und schalteten die Heizung ein.


Die noch leere Marina von Stavoren.

15.04.2018 Enkhuizen - Stavoren, 11 sm.
Wetter: Grau, sehr wenig Sonne, SE-S 1-2.

Grauer Segeltag

Es fing gegen Morgen an zu regnen. Wir standen nicht so früh auf.
Die noch feuchten Wäschestücke konnten noch im Tumbler getrocknet werden. Das Hafenbüro war wieder offen und die entsprechende Münze erhältlich.
Gegen Mittag legten wir ab. Das Wetter war grau, die Sicht schlecht, aber erstaunlich viele Holländer und Deutsche waren schon unterwegs, die ersten Wochenendsegler. Der Wind war schwach und zwischendurch musste auch der Motor mithelfen. Weil der Wind nur schwach von hinten kam und die Sonne dann doch durchdrückte, war es angenehm warm.
In Stavoren angekommen, machten wir zuerst einen Spaziergang durchs Städtchen bis zum alten Hafen. Stavoren war ganz früher eine der Hansestädte und die grösste Stadt hier in Friesland. Aber davon ist heute nichts mehr zu sehen, das Meer bzw. die Zuiderzee hat hier alles verändert. Alles wirkte hier etwas ausgestorben, die Touristen-Saison hat noch nicht angefangen.
Zurück auf dem Boot wurden wir aktiv: die vielen Mücken, bzw. Eintagsfliegen, die überall klebten, wurden weggespült, die Backskiste frisch eingeräumt und die Sorgleinen montiert. Und die Planung für die Weiterfahrt gemacht, denn morgen geht’s in die Waddenzee auf eine westfriesische Insel, und hier hat es Gezeiten und Untiefen, und das Wetter musste ebenfalls studiert werden. Der Abend war schnell vorbei.


Segeln bei Sonne auf dem IJsselmeer

16.04.2018 Stavoren - Harlingen, 20 sm.
Wetter: sonnig, noch sehr kühl, S-SW 2-3.

Sonniger Segeltag

Heute standen wir relativ früh auf, zumindest war wieder einmal der Wecker notwendig. Um 8 Uhr bewegten wir uns vorsichtig aus der Box, damit es uns mit dem Seitenwind nicht zu stark abtrieb. Und bei fast wolkenlosem Himmel setzten wir dann vor der Hafenmole die vollen Segel und fuhren so gegen Norden zur Lorentzschleuse bei Kornwerdersand.
Bei der Schleuse mussten wir nicht lange warten, und wir wurden mit 3 anderen Segelschiffen und einem Motorboot in die Waddenzee geschleust. Auch die Autobahnbrücke des Abschlussdeichs wurden bald für uns geöffnet. Die Route durch die Untiefen von Bontjes fuhren wir vorsichtig unter Motor, weil gemäss Karte diese Route nur gerade während des Hochwassers befahren werden kann. Aber offensichtlich wurde hier der Kanal etwas ausgebaggert, denn wir hatten immer so viel Wasser unter dem Kiel, dass man auch bei Niedrigwasser durchfahren könnte. Schade, wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir unter Segel diese Strecke gefahren.
Gemäss dem langfristigen Wetterbericht werden wir am Dienstag und am Donnerstag genügend Wind haben, um über die Nordsee nach Borkum zu fahren, aber am Donnerstag ist es viel wärmer und die Gezeiten sind 1 ½ Stunden später, also für uns wesentlich angenehmer. So fuhren wir heute nur bis Harlingen. Bereits kurz nach dem Mittag erreichten wir nach der Durchfahrt von zwei Brücken im Binnenhafen von Harlingen, machten einen ausgiebigen Spaziergang durch das noch etwas leere Zentrum und genossen die warme Sonne auf dem Boot.


Aussicht vom Masttop über den Noorderhaven in Harlingen

17.04.2018 Harlingen - Terschelling, 21 sm.
Wetter: SSW 4-5, bedeckt mit recht viel Sonne.

Wattsegeln

Heute wars gar nicht pressant, wir konnten erst nach dem Hochwasser von 12 Uhr losfahren. So waren wir noch im Café mit Internet, um die elektronischen Seekarten zu updaten. Und Elisabeth kurbelte Toni auf den Mast, damit er oben noch einen Sicherheitscheck machen konnte, es war alles bestens.
Die Brücke ging um 12:25 Uhr auf, und drei Minuten vorher waren wir bereit. Und die zweite Brücke wurde uns auch gerade aufgemacht, als wir kamen. Kaum aus dem Hafen konnten wir bereits unsere Segel setzen, allerdings tüchtig gerefft, denn es hatte sehr guten Wind, zwar nicht immer aus der optimalen Richtung, aber genügend. Wir segelten mit dem Ebbstrom durch das Wattenmeer Richtung Nordsee den vielen grünen und roten Tonnen entlang, allerdings noch vor dem Gat bogen wir in einen Seitenarm des Fahrwassers und segelten gegen den Strom wieder «bergwärts». Nach einer Stunde erreichten wir den Slenk, eine schmale aber gut markierte Rinne zwischen trockenfallenden Sandbänken, die zur Insel Terschelling führte. Auch dieses schmale Fahrwasser konnten wir segeln.
Hier trafen wir dann wieder die nigelnagelneue Contest42, die uns etwas nach Harlingen überholt hatte; sie steckte mit dem Kiel im Sand, bereits etwas schräg, denn das Wasser war ablaufend. Allerdings war bereits Hilfe unterwegs, ein Bagger, der vorbeifuhr, zog das Segelboot aus dem Sand zurück ins Fahrwasser.
Im Hafen hatte es viel Platz, während der Saison dürfte es hier aber anders aussehen. Wir mussten noch den Steg wechseln, weil ein Bagger Dreck und Sand rausholte, so bleibt der Hafen genügend tief. Ein kleiner Spaziergang führte uns ins Dorf und zum grossen Leuchtturm Brandis. Viele Leute hatte es allerdings nicht, einerseits waren die Läden schon geschlossen, andererseits hatte es noch fast keine Touristen. Der Leuchtturm ist recht hoch und leuchtet weit in die Nordsee hinaus. Seit 1594 haben sie hier diesen Leuchtturm, denn früher war dieses Gat zwischen Vlieland und Terschelling die Zufahrt zur Zuiderzee, dem heutigen Ijsselmeer, und der Turm deshalb für die Fischer überlebenswichtig.


Velotour auf Terschelling, eine der Westfriesischen Inseln, mit den Sanddünen im Hintergrund

18.04.2018 Terschelling - Vlieland, 13 sm.
Wetter: schön, SW2-3.

Velotour und Inselhopping

Schon am Morgen schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel und weckte uns.
Nach dem Bezahlen im Hafenbüro (gestern konnten wir nicht, sie machen hier früh zu) kamen die Velos aus der Kiste und los ging die Inselrundfahrt.
Überall gibt es hier mindestens Velostreifen, oder noch besser eigene Velostrassen. Am Morgen waren noch nicht so viele Velos unterwegs, sie kamen erst nach 10 Uhr. Wir fuhren bis zum Oosterende, gingen zum Dünenaussichtspunkt und dann fuhren wir wieder zurück. Die Cafés machen nicht vor 11 Uhr auf, aber wir fanden dann doch eines in einer alten Windmühle und wir konnten draussen an der warmen Sonne sitzen.
Zurück im Hafen machten wir uns nach dem Zmittag parat zum Losfahren. Wegen der Strömungen hatten wir so lange gewartet. Und sie schob uns mit über 8 Knoten über Grund. Es war schön warm. Segeln konnten wir heute nur etwa 1 Stunde, einmal weil wir genau dorthin mussten, wo der Wind herkam und auch wegen der schmalen Fahrstrasse war das Aufkreuzen nicht möglich. Im Hafen Vlieland lagen die Leute in Badekleidung auf dem Steg oder auf dem Boot, auch wir sind mit T-Shirt unterwegs.
Wir genossen ausnahmsweise wieder einmal ein Auswärts-Dinner. Und bereitete alles vor (z.B. die Windfahnensteuerung installieren), denn morgen wollen wir früh los.


Sonnenuntergang auf der wellenlosen Nordsee

19.04.2018 Vlieland - auf See, sm.
Wetter: schön, SE3-4.

Mit den Gezeiten unterwegs

Die Nacht war warm. Der Wecker klingelte früh. Als wir um 4.45 Uhr ablegten, dämmerte es schon im Osten. Die Strömung schob uns schnell durch die Bojenstrasse hinaus in die Nordsee, wo wir dann die Segel setzten. Hier kenterte der Strom, und wir segelten mit dem Strom durch die Nordsee den friesischen Inseln entlang. Es hatte wenig Verkehr, und Segelboote sahen wir gerade mal eines. Aber die Windfarm vor Borkum gab uns etwas Probleme, der Wind wurde gestört, und wir konnten nicht auf der Ideallinie durchsegeln.
Der Wind blies kräftig und wir kamen so schnell voran, dass wir befürchteten, Helgoland in der Nacht zu erreichen. Aber es kam anders: als die Strömung nach 6 Stunden von vorne kam, wurden wir gebremst und mussten gar aufkreuzen. Regina fuhr wie auf Schienen. Die Nordsee war flach wie der Zürisee und Regina pflügte ruhig durchs Wasser. Das Kochen war einfach und gemütlich und wir assen, bevor es dunkel wurde. Die Sonne ging um 20.30 Uhr unter, aber eine Stunde später war es immer noch nicht ganz dunkel.
Die ganze Nacht über waren die Sterne zu sehen, und sogar eine Sternschnuppe, sonst war es dunkel, und man sah die Leuchttürme jeder Insel und auch die vielen beleuchteten Seezeichen blinken. Am Anfang der Nacht bewegte sich die Temperatur im zweistelligen Bereich, später gegen Helgoland zu hatten wir nur noch 8 Grad im Boot. Das ist frisch!! Dafür bleiben Gemüse und Früchte auch ohne Kühlung frisch.


Basstölpel im Flug vor Helgoland

20.04.2018 auf See - Helgoland, 126 sm.
Wetter: schön, ESE 2-3.

Eiskalte Nachtfahrt nach Helgoland

Jeder von uns war froh, nach 2 Stunden wieder abgelöst zu werden, um sich aufwärmen zu können. Im Stockdunkeln erreichten wir den Seestrassenkreisel vor Cuxhaven, wo die zwei Seestrassen der Nordsee und die Fahrwasser Elbe, Jade und Weser zusammenkommen. Wir hatten Glück, es hatte relativ wenig Verkehr, und wir gelangten gut über die Seestrassen. Später konnten wir den Sonnenaufgang erleben, und bei schönem Wetter erreichten wir Helgoland.
Alle Plätze waren schon besetzt, der grösste Steg allerdings war gar nicht da, den hatte die Fähre im Winter mal kaputtgefahren. Also mussten wir im Päckli anlegen (als Erste). Es werden aber sicher noch mehr Schiffe kommen und dann auch aussen an uns festmachen. Das erste war ein Spaziergang zur Hafenchefin, ins Städtchen fürs Internet und dann brauchten wir einen Kaffee.
Am Nachmittag stiegen wir auf das «Oberland» von Helgoland und wanderten wie immer, wenn wir hier sind um die Insel. Der Weg führt an den berühmten Vogelfelsen vorbei. Hier herrscht inzwischen Wohnungsnot. So viele Vögel, Tölpel, Lumen, Möwen und haben wir hier noch nie gesehen. Etwa 10 000 Seevögel brüten hier. Am lautesten sind die Tölpel, die aktiv sind, schnäbeln, streiten und sehr laut kommunizieren. Die Lumen scheinen tagsüber zu schlafen. In der Nähe der Felsen stinkt es extrem nach Vogelkot.
Zurück im Hafen sahen wir, dass wir noch einen Nachbarn bekommen hatten. Und als wir gerade am Abwaschen waren, knallte ein Katamaran in unser Nachbarschiff. Er fuhr die Kurve viel zu schnell und wegen des Rückenwindes schaffte er sie nicht mehr. Am meisten hat er sein eigenes Boot beschädigt.


Hafenfront von Helgoland

21.04.2018 Helgoland - Helgoland, 3 sm.
Wetter: schön, schwacher Wind aus W-NW, kühl.

Gemütlicher Pausentag

Diese Nacht hatten wir sehr gut geschlafen, bis wir von der Sonne geweckt wurden. Gegen 10 Uhr mussten wir uns verlegen, unser Innenlieger wollte abfahren, vorher mussten wir noch den defekten Katamaran «kalt» (d.h. ohne Motor) an den Notsteg verlegen. Sein Problem gestern war ein gerissenes Kupplungskabel, d.h. anstatt der Rückwärtsgang zum Abbremsen war der Vorwärtsgang drin. Wir lagen nun an einem anderen Steg mit senkrechter Leiter auf das Kai hinauf. Anschliessend spazierten wir nochmals in die Stadt, einerseits zum Einkaufen, andererseits fürs Internet (Mail, Logbuch, Wetterberichte) und einen Kaffee.
Nach dem Mittagessen mussten wir in den anderen Hafen hinüberfahren, um zu tanken (hier kriegt man den Diesel steuerfrei, also günstig) und füllten nun auch den oberen Tank voll. Wieder zurück am Liegeplatz waren wir beide am Boot beschäftigt: Bugspriet für den Gennaker installieren, die neuen Festmacherleinen mit einer Schlaufe verspleissen und einige Leinen mit einem Takel versehen, Fenster hochsauber reinigen und Nahtdichter für die Sprayhood und die Kuchenbude auftragen, und einiges mehr.


Beim Gennakersegeln vor Sylt

22.04.2018 Helgoland - auf See, sm.
Wetter: SE2-5, meist schön, am Morgen Nebel.

Super Segeltag mit ablandigem Wind

Gemäss dem aktuellen Wetterbericht ist das Wetterfenster nicht so gross für unseren weiten Nachtschlag. Deshalb waren wir um 7 Uhr auch schon bereit fürs Ablegen. Allerdings hatte es dichten Nebel im Hafen, alles war nass, feucht und kalt.
Mit Radar und Seekartenplotter tasteten wir uns aus dem Hafen und fuhren unter Motor zwischen den Inseln Helgoland und Düne nach Norden, erst ausserhalb des Schutzgebietes setzten wir die Segeln, aber immer noch mit dem Radar, die Sicht war noch nicht besser. Auf dem Plotter sahen wir die AIS-Signale der Fischerboote, auf dem Radar deren Echo, so konnten wir ohne Probleme den eigentlich schönen Wind nutzen und segelten recht zügig den Nordfriesischen Inseln entlang nach Norden. Auf der Höhe von Amrun lichtete sich dann der Nebel und wir hatten Sonne, blauen Himmel und freie Sicht aufs Meer und in der Ferne auf die Inseln Amrun und Sylt. Allerdings wurde der Wind etwas schwächer und drehte nach SSE, also fast Vorwind. Wir beschlossen, wieder einmal den Gennaker aus der Kiste zu lassen. Bald segelten wir wunderprächtig für 4 Stunden mit diesem grossen Vorsegel und kamen sehr schnell vorwärts.
Wir waren schon in Dänemark auf der Höhe von Esbjerg, als der Wind wieder stärker wurde. Gerade rechtzeitig konnten wir den Gennaker bergen, bevor der Wind die 20-kn-Grenze überschritt. Der Wind blieb bei dieser Stärke und drehte nach ESE, als wir die Fahrrinne «Slugen» erreichten, und hier konnten wir genau mit Vorwind, aber schnell mit Kurs W NW an den Bojen vorbei sausen. Allerdings war es mittlerweile dunkel geworden, von den Bojen sah man dafür die roten und grünen Blinksignale. Das ist fast einfacher für die Navigation, denn die Lichter sieht man früher als die Boje selber. «Slugen» ist eine Fahrrinne, die durch die Untiefen bei Blavand führte, und hier haben sie auch mehrere Windparks aufgestellt, die auch entsprechend beleuchtet waren. Diese störten uns aber nicht, weil die Windgeneratoren nicht im Wege standen, sondern eben in den Untiefen, wo wir sowieso nicht hingelangen wollten.
Gegen Mitternacht erreichten wir das Ende der Fahrrinne und konnten uns dann wieder mit dem starken ESE-Wind nach Norden treiben lassen. Mit 7kn kamen wir, gut gerefft, vorwärts. Es hatte Sternenhimmel, der Mond schien, das Wasser war relativ flach. Bald war wieder Ablösung, Toni durfte schlafen gehen, Elisabeth kam an die Kälte.


Im Fischerhafen Hvide Sande gab es noch einen Platz für Gäste für uns

23.04.2018 auf See - Hvide Sande, 117 sm.
Wetter: E5 und S 2-3 mit Böen 7, Gewitter und Regenschauer, am Tag schön mit starkem W.

Blitzspektakel

Es wurde wirklich immer kälter, bald war die Temperatur nur noch einstellig. Der Mond verschwand hinter schwarzen Wolken. Der Wind fing an hin und her zu drehen und bald kam er von achtern, so musste aufgepasst werden, keine Patenthalse zu machen. Doch gegen 2 Uhr, Toni hätte noch ½ Stunde schlafen dürfen, frischte es plötzlich noch mehr auf (bis 28 kn) und es fing an in allen Richtungen zu blitzen. Der Skipper wurde geweckt, das Gross dicht genommen und die Genua noch mehr eingerollt, Laptop und Handys kamen in den Backofen (als minimaler Blitzschutz) und dann sassen wir da zu zweit und es war ziemlich unheimlich, fast zum Fürchten. Doch so schnell das Spektakel gekommen war, war es auch schon wieder weg und mit ihm der Wind. Wir kamen nur noch langsam vorwärts, es begann zu regnen und wir beschlossen, in den nächsten und einzigen Hafen hier, nach Hvide Sande zu flüchten, denn der ursprüngliche Wetterbericht von vorgestern sagte anschliessend an den S-Wind-Dreher starken Westwind voraus. Die Nacht war allerdings schon fast vorbei, als wir um 4.45 Uhr am einzigen freien Platz festmachen konnten. Alle anderen Plätze waren von den Fischerbooten besetzt. Aber wir hatten genug von der Kälte. So krochen wir in unsere Kojen und liessen uns erst von der Sonne wieder wecken.
Nach einem Besuch im Städtchen, das war ja gut kennen, im Café, und in der Bäckerei kehrten wir zurück aufs Boot, verkrochen uns in unsere Kuchenbude, wo die Sonne wärmte und wir windgeschützt waren.
Morgen werden wir einen Pausentag einschalten, der Wind wird 7-8 bf erreichen, da ist es im Hafen gemütlicher.


Die Hobby-Fischer üben offenbar für das Hering-Festival am Wochenende

24.04.2018 Hvide Sande - Hvide Sande, 0 sm.
Wetter: Starkwind aus W, manchmal Sonne.

Fauler Ausruhtag

Nach dem Ausschlafen spazierten wir durch Hvide Sande und über die Brücke. Viele Fischer standen am Wasser, anscheinend ist im Moment Heringsaison, am Wochenende gibt es ein Heringswettfischen.
Das öffentliche Internet war nicht immer überall zu haben, der Update fand deshalb eher spät statt. Die Luft war kalt, der starke Wind noch kälter. Aber es hatte doch schon einige (deutsche) Touristen, die ihr Eis schlecken mussten.
Am Mittag war es dann in unserer Kuchenbude angenehm warm. Lesend und am Laptop verbrachten wir den Nachmittag. Es kam kein anderes Segelboot, wir waren die einzigen hier (Keiner segelt hier bei diesen Temperaturen!!). Am Abend wurde im Backofen eine Pizza gemacht und gleichzeitig wurde es gemütlich warm im Boot.


Supermoderner Windgenerator bei Thyborön mit geschweiften Flügeln

25.04.2018 Hvide Sande - Lemvig, 58 sm.
Wetter: WSW 3-6, meist grau und feucht, teilw. Nebel, kalt (7°C).

schnelle aber sehr kalte Segelreise in den Limfjord

Am Abend stellte der Fischer nebenan endlich den Motor ab, dafür hörte man am Morgen den Regen aufs Deck tropfen. Bis wir aufstanden, hörte es aber wieder auf zu regnen, und auch der Wind war bei der Abfahrt sehr moderat, fast gemütlich, mit etwa 12 kn. Allerdings hatte es auf der offenen Nordsee tüchtig Wellen, Ueberreste des starken Windes gestern und in der Nacht.
Bis Thyborön kamen wir sehr schnell vorwärts, gegen den Schluss hatten wir über 20 kn Wind. Allerdings hatte es zu Beginn Nebel, die Sonne drückte nur kurz durch, aber die Küstenlandschaft wäre sowieso recht langweilig, man sieht nur einen ewig langen Sandstrand und dahinter eine Sanddüne, zwischendurch mal einen Leuchtturm, der über die Düne schaut.
An Thyborön, das wäre ursprünglich unser Ziel gewesen, fuhren wir vorbei, wir waren wegen der schnellen Geschwindigkeit und der frühen Abfahrt zeitlich gut dran. Ueber eine ausgebaggerte Rinne entlang mehrerer Windgeneratoren segelten wir in den Limfjord.
Die Seelandschaft geht quer durch Jütland bis auf die andere Seite in den Kattegat. Wir bogen aber bald ab zum Städtchen Lemvig an der Südseite, etwas geschützt vor dem Wind. Der Hafen war ziemlich leer, wir waren die einzigen Passanten und hatten den ganzen Quai für uns allein.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.