im Blickfeld: Segel-Blog Atlantikküste 2017


Logbuch Etappe 42 Atlantikküste 2017: Normandie und Nordfrankreich

von Cherbourg nach Dunkerque 

(08.09.2017 - 20.09.2017), Anzahl Tageseinträge: 13


Spaziergang in Cherbourg in der Einkaufszone / Innenstadt

08.09.2017 Cherbourg - Cherbourg, 0 sm.
Wetter: W 6-7, dazu Regen.

In Cherbourg: Regen und Sturm im Hafen

Heute durften wir lange ausschlafen. Nach dem Frühstück gingen wir in die Stadt und zum Einkaufen. Es fing schon an zu regnen. Und dann regnete, bzw. schüttete es den ganzen Tag fast pausenlos. Wir verbrachten den Rest des Tages auf dem Boot, unterbrochen von einem Lauf zum Duschen und zur Waschmaschine. Dann allerdings musste wieder eine halbe Stunde gewartet werden, um die trockene Wäsche trocken zum Boot zu bringen, was kaum zu schaffen war.
Hier warten einige Segler wahrscheinlich bis nächste Woche, um dorthin zu fahren, wo wir herkommen. Aber die karibischen Inseln sehen nicht mehr so aus, wie wir sie gesehen haben. Der Wirbelsturm «Irma» hat wohl sehr viel Schaden angerichtet.
Morgen gibt es ein kleines Wetterfenster mit moderatem Westwind, um die nächste Etappe nach Le Havre zu schaffen.


Phantastische Wolkenstimmung bei Le Havre

09.09.2017 Cherbourg - Le Havre, 80 sm.
Wetter: WNW 5, Böen 6-7, bewölkt, am Abend viel Regen.

Gerade rechtzeitig im nächsten Hafen

Beim Berichtschreiben schüttet es grad, was es kann. Gerade rechtzeitig erreichten wir den Hafen und einer der letzten freien Plätze in Le Havre.
Aus dem Wetterbericht konnte man entnehmen, dass wir an diesem Samstag für ein Weilchen das letzte vernünftige Wetterfenster haben, um weiterzukommen. An den folgenden Tagen gibt es Sturm und Starkwind.
So legten wir heute morgen noch im Dunkeln in Cherbourg ab, denn der Strom soll uns möglichst weit nach Osten Richtung Le Havre tragen. Zu Beginn hatten wir noch restlichen Gegenstrom, bald aber sausten wir mit 9 kn um das Cap Barfleur, tüchtig unterstützt vom Wind, der mit 20kn von WNW blies.
In der grossen Bucht zwischen Barfleur und Le Havre mussten wir etwas vor dem Wind kreuzen, denn er kam genau von achtern. Aber wir genossen es, richtig gut vorwärts zu kommen, vor allem war auch das Wetter angenehm, bewölkt, aber doch ab und zu mit warmer Sonne. Irgendwann war dann Schluss mit Schiebestrom, wir konnten aber mit dem starken Wind – zwischendurch hatten wir auch 35er Böen – genau gegen den Strom segeln und hatten so sehr wenig Abdrift wegen des Stroms, es ging einfach nicht mehr so schnell.
Gegen Abend erreichten wir die Reede von Le Havre, wo einige Frachter und Tanker abgestellt waren und auf ihren nächsten Einsatz warteten, und etwas später dann die Einfahrt zum Hochseehafen. Wir hatten aber Pech, kurz bevor wir die Molen erreichten, kamen ein Schiff nach dem anderen heraus, Kreuzfahrschiff, Tanker, Cargo, etc., das Signal bei der Hafeneinfahrt stand permanent auf dreifach-Rot. Nach dem vierten Schiff fuhren wir trotzdem hinein, ganz am Rand ausserhalb des Fahrwassers der grossen Schiffe, dafür fast im Untiefen. Und dann hinter der Mole in der Marina um 20 Uhr festgemacht nach 80 Meilen segelnd unterwegs: Starkregen mit Sturmböen.


Die neu gebaute Kirche St. Joseph, ein reiner Betonbau, mit dem 110m hohen zentralen Turm, wohl das markanteste Wahrzeichen von Le Havre

10.09.2017 Le Havre - Le Havre, 0 sm.
Wetter: am Morgen noch recht sonnig, W4, später wurde es stürmisch und regnerisch.

Sturmtag mit kleinem Sightseeing Le Havre

Nach dem langen Ausschlafen gingen wir mal zuerst zur Capitanerie, um unsere Anwesenheit anzumelden, wie lange wir hier bleiben, wissen wir allerdings nicht, der Wetterbericht ist für uns «nicht optimal».
Anschliessend gingen wir auf einen Spaziergang durch die Innenstadt von Le Havre, welche sehr jung ist. Alles musste nach dem 2. Weltkrieg neu aufgebaut werden. Wir kannten die Stadt ja schon etwas von unserem Besuch letztes Jahr (22.-24.Juni 2016): Die neue Innenstadt, ab 1945 von Architekt Auguste Perret mit einem 60-Architekten-Team neu gebaut, die Josephskirche als reiner Betonbau ebenfalls, aber sehr faszinierend, das Kulturzentrum Vulkan vom Architekt Oscar Niemeyer, die Strandpromenade, welche von Joggern, Velofahrenden und Spazierenden heute Sonntag gut genutzt wurde, und die vielen kleinen verschiedenen Pärke und die grüne Allee, wo das Tram fährt.
Nach 2 Stunden kamen wir zurück zum Schiff und blieben dort. Der Wind nahm kontinuierlich zu, und am Navtex und auch an den anderen Wetterberichten wurde Sturmwarnung bis Windstärke 9 herausgegeben, und für morgen gerade auch noch. Wir überprüften unsere Festmacher und ergänzten sie mit zwei zusätzlichen Leinen. Trotz Hafenmolen und einer windschattenspendenden grossen Motoryacht schaukelte Regina tüchtig und das Rigg kam zum Teil ins Vibrieren.


Der Atlantik schwappt bei 8bf über die Hafenmole, Blick von unserem Schiffsplatz

11.09.2017 Le Havre - Le Havre, 0 sm.
Wetter: stürmisch und regnerisch, wenig Sonne.

Hafentag bei Sturm

Gemäss Wetterbericht hatten wir WSW 7-8 mit Böen 9bf im Hafen, am späteren Nachmittag etwas weniger. Wir blieben fast den ganzen Tag auf dem Boot, optimierten die Vertäuung des Schiffes am Steg und lasen. Sobald die Sonne etwas durchdrückte, wurde es unter der Kuchenbude auch gleich etwas wärmer und wir konnten oben im geschützten Cockpit sitzen.
Nach dem Mittag war Flut, d.h. die Hafenmolen schützten uns nicht mehr so gut vom Wind und auch der Schwell konnte durch die Hafeneinfahrt eindringen, d.h. es wurde doch markant schaukliger auch hier im Hafen. Vor allem erlebten wir ein besonderes Schauspiel, die Wellen des Atlantiks spritzten über die Mole, teilweise über 20 m hoch hinauf und die Gischt ergoss sich dann ins Hafenbecken. Bei dem vielen Wind war es auch recht laut, in unserem Rigg pfiff und rüttelte es, und bei den Nachbarschiffen schepperten die Stahlseile an den Mast oder eine Abdeckung flatterte im Sturmwind.
Am späteren Nachmittag machten wir noch einen kleinen Spaziergang zum Yachtshop und zum Einkaufen, dabei wurden wir tüchtig verregnet.
Morgen werden wir es etwas sanfter haben, eigentlich könnte man sogar segeln. Aber am Abend und in der Nacht dreht der Wind nochmals auf, gemäss Wetterbericht soll es bis 48 kn Wind geben und erst am folgenden Morgen etwas abflauen. Da wird eine harte Nacht auf uns zukommen.


Blick von Les Jardins Suspendus über die Innenstadt von Le Havre mit dem markanten Turm St. Joseph

12.09.2017 Le Havre - Le Havre, 0 sm.
Wetter: tagsüber recht schön, aber windig, gegen Abend immer stärkerer Wind und mehr Wolken.

Spaziergang in der Ruhe vor dem Sturm

Die Nacht war nicht ganz so ruhig und recht schaukelig, aber wir hatten ja Zeit zum Ausschafen. Nach dem Zmorgen spazierten wir dem Strand entlang nach Sainte-Adresse, einem Badeort bzw. einem Vorort von Le Havre, wo es viele Hotels und Ferienwohnungen hat. Lustig sind hier am Strand die farbigen Badehäuschen. Trotz oder wegen den Wellen und dem Wind hatte es recht viele Kite-Surfer.
Die Wanderung führte weiter durch ein anderes Aussenquartier (das nicht vom Krieg zerstört wurde, hier hat es einige alte Häuser) und durch den Wald zu den Jardins Suspendus, einem botanischer Garten, der in ein altes Fort gebettet und so gut vor dem Wetter geschützt ist. Die verglasten Gärten besuchten wir nicht, auch schon die Aussenanlage war spannend. Und wir hatten eine schöne Aussicht auf die Innenstadt hinunter und auch zum Hafen (wo schon wieder die Wellen über die Mole spritzten). Durch ein älteres Aussenquartier (sieht aus wie überall in Frankreich) und am Hôtel de Ville (ein ähnlicher Perret-Bau wie die Josephskirche) vorbei erreichten wir in der «neuen» Innenstadt die Markthallen und wanderten dann weiter wieder zurück zur Marina. Bilder der Stadt im Tageslink unten.
Der Wetterbericht wurde etwas genauer und akzentuierter: Wir werden ab etwa 21 Uhr Starkwind haben, der dann ab 01 Uhr für den Rest der Nacht mit 7-9 bft (bis 47kn, ca. 90km/h) uns durchschütteln wird. So machten wir Regina sturmfest und befestigten nochmals 2 Festmacher, stellten den Windgenerator ab und räumten die Kuchenbude weg.

Links für weitere Informationen:
Bilder von Le Havre


Jeder Festmacher wurde doppelt geführt, so mussten wir auch in der stürmischen Marina von Le Havre nichts befürchten.

13.09.2017 Le Havre - Le Havre, 0 sm.
Wetter: in der Nacht Sturm bis nach Mittag, auch dann noch Starkwind, grau, ab und zu Regen.

Sturm abwettern im Hafen

Trotz dem Gerüttel und Geschaukel und Lärm, die ein Sturm auch im Hafen verursacht, konnten wir recht gut schlafen. Aber erst gegen Mittag gab der Wind etwas ab und blies konstant «nur noch» rund 30 kn. Mitarbeiter der Marina waren gestern und heute unterwegs und prüften bei jedem Schiff, ob die Festmacher noch richtig und genügend vorhanden waren oder rückten mal den Fender an den richtigen Ort. Aber bei Regina gab es kaum etwas zu beanstanden, mit so vielen Leinen waren wir festgebunden, da konnte nichts passieren. Die Gischt, die bei jeder Welle über die Hafenmole spritzte, liess Regina so versalzen dastehen wie nach einer sehr ruppigen Fahrt gegenan.
Ausser für den WC-Gang und die Überprüfung der Festmacher waren wir heute nicht draussen, sondern genossen die gemütliche Wärme und den Windschutz im Schiffsinnern, auch wenn es manchmal recht laut war, wenn wieder so eine 7er oder 8er-Böe durchs Rigg sauste.
Noch wärmer wurde es, als Elisabeth den Backofen in Betrieb nahm und einen Kartoffelgratin zum Znacht und frische Brötchen für morgen herstellte. Wir schauten immer wieder den Wetterbericht an, aber es änderte sich nichts, heute hatten wir durchgehend immer sehr starken Wind, morgen werden wir noch starken Wind haben, und ab Freitag wird es dann wieder etwas zahmer.


Le Havre: Die Josephskirche, die neue Innenstadt von Architekt Perret und das Kulturzentrum le Volcan (von Architekt Niemeyer)

14.09.2017 Le Havre - Le Havre, 0 sm.
Wetter: Stürmisch, regnerisch, kühler.

Nochmals abwettern

Es regnete und stürmte heute immer noch. Aber bei uns war es gemütlich warm. Mit Lesen, Internet und anderen kleinen Arbeiten verging der Vormittag schnell. Am Nachmittag kam die Sonne raus und wir spazierten nochmals in die Stadt.
Nach Waffel, Kaffee und Milchshake gab es noch einen kleinen Einkauf und auf dem Rückweg regnete es schon wieder.
Toni konnte die restlichen Bilder der Atlantikpassage und Azoren ins Album laden, zwar noch ohne Kommentare, aber die Bilder können angeschaut werden. Unten der Link zu den (noch warmen) Azoren.
Der Tag war schnell vorbei, aber morgen soll es endlich Richtung Dieppe weiter gehen.

Links für weitere Informationen:
nochmals Bilder der warmen Azoren


Normannische Felsenküste beim Vorbeifahren zwischen Le Havre und Dieppe

15.09.2017 Le Havre - Dieppe, 60 sm.
Wetter: Zuerst SW6 mit Regen, später WSW3 und W2, wolkig, wenig Sonne, kalt..

Schwachwind über grosse Distanz

Der Wetterbericht (je nachdem, welchen man anschaut) für heute war vielversprechend, zuerst W3, später NW2-3, meist schön, für unseren Kurs also ideal zum Segeln mit dem Spi oder Gennaker. Wir berechneten noch den optimalen Zeitpunkt wegen den Gezeitenströmen, und so fuhren wir um 10 Uhr los. Und genau beim Ablegen kam eine 6er Böe mit Sturzflut über uns. Und der starke und nasse Wind blieb uns ein Weilchen. Das erste Stück segelten wir im 2. Genuareff und 3. Grossreff. Doch schnell mussten wir ausreffen, und bald standen wir mit vollen Segeln da und hatten keinen Wind.
Die ersten 15 Meilen mussten wir gegen den schwachen Strom segeln, damit wir dann die restlichen 45 Meilen mit dem Strom fahren konnten. Bis zum Kentern des Stroms kalkulierten wir mit 4 Stunden, und den Rest noch mit 7 Stunden. Nun, schon vor dem Kenterpunkt mussten wir den Motor einschalten, sonst wären wir rückwärts gesegelt, und nachher hatten wir so wenig Wind genau von achtern, dass weder Spi noch Gennaker gestanden hätten, geschweige denn die nötige Geschwindigkeit gebracht hätten.
Immerhin wurde das Wetter – obwohl sehr kalt, gemäss Wetterbericht 13 °C – recht schön, und wir hatten eine schöne Aussicht auf die Normannische Felsenküste, der wir entlang fuhren. Sonst war es eher langweilig, kein Verkehr, keine Manöver, und Fischerbojen zum Ausweichen hatten wir erst beim Eindunkeln vor Dieppe.
In Dieppe war es bei der Ankunft dunkel, und der Strom kenterte etwa eine halbe Stunde vor der Hafeneinfahrt. Die Hafenanlage war wegen den aktiven Fischerbooten gut beleuchtet, und es hatte auch einen Fingersteg für uns, der einfach anzufahren war. Um halb 10 waren wir fest und konnten den Motor abschalten. Noch eine Tasse heissen Tee, und dann bald in die Koje. Wir hatten keinen Bedarf, an Land zu gehen.


Die Hafenfront des Avant Port in Dieppe, wo heute die Marina liegt. Früher wurden hier Hochseeschiffe be- und entladen, und die Fähren nach England fuhren hier ab

16.09.2017 Dieppe - Dieppe, 0 sm.
Wetter: schön, leicht bewölkt, wenig Wind.

Spaziergang in Dieppe und zur Falaise

Es war sehr kalt, und draussen hatte es nachts offensichtlich geregnet. Aber bald wurde das Wetter immer schöner, am Nachmittag hatten wir blauen Himmel und viel Sonne (und keinen Wind, die Entscheidung, heute hier zu bleiben, war offenbar richtig).
Dieppe kennen wir ja schon ein bisschen vom letztjährigen Besuch im Juni. Trotzdem war es schön, durch die Strassen zu spazieren und das alte Städtchen wieder anzuschauen und neues zu entdecken. Vor allem wenn die Sonne scheint, ist ja alles viel freundlicher. Diesmal spazierten wir durch die alte Stadt zum Château und weiter zur Falaise und hatten von dort einen schönen Blick auf die Strandseite des Städtchens und aufs Meer.
Der Hafen, in dem wir liegen, war früher ein Hochseehafen, wo grosse Schiffe be- und entladen wurden, und hier hatte es auch regen Fährverkehr nach England, den es noch heute gibt, 3x täglich fährt eine Autofähre von dem speziellen Fährhafen nach Newhaven in England. Früher war das offenbar eine besonders gute Verbindung zwischen Paris und London. Heute ist das Hafenbecken durch eine Marina und die vielen Fischerboote besetzt, das Wasser ist aber so tief, dass zu jeder Gezeit der Hafen angelaufen werden kann.

Links für weitere Informationen:
Wiki über Dieppe Tourismus-Info Dieppe


Nach dem Einkauf mit dem Velo: Toni vor der Hafenfront in Dieppe

17.09.2017 Dieppe - Dieppe, 0 sm.
Wetter: sonnig, kein Wind.

Hafentag mangels Wind

Die Nacht war klar und kalt. Auch im Boot hatte es am Morgen nur 12 Grad. Das hiess: schnell aus der Koje, das Heizöfeli angestellt und schnell wieder unter die warme Decke, bis der Salon wärmer war. Der Tag war sonnig und es wurde immer wärmer.
Wir fuhren mit den Velos zum nächsten Carrefour Market den Berg hinauf in ein Aussenquartier, der einzige Supermarkt, der am Sonntag offen hatte. Auch das gab warm. Schwer bepackt konnten wir dann wieder zum Hafen hinunterrollen.
Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Boot. Weil es morgen sehr früh weiter geht, hatten wir auf eine grössere Velotour irgendwie keine Lust, auch zusätzliches Sightseeing in der Stadt war nicht mehr nötig.


Eine Windhose kommt auf uns zu: Im Ärmelkanal zwischen Dieppe und Boulogne

18.09.2017 Dieppe - Boulogne-sur-Mer, 54 sm.
Wetter: sehr speziell: von kein Wind über Gewitter bis zur Windhose (meist aber NW3-4), von Sonne bis Platzregen, meist aber leicht bewölkt.

sehr lange Segelreise, mit und gegen Strom

Bericht: Die Nacht war nicht so ruhig: die Fischerboote von gegenüber fuhren schon mitten in der Nacht los, mit lärmigem Bugstrahler. Auch wir mussten früh los, wegen des Tidenstroms. Schon beim Losfahren tönte unser Propeller auffällig. Aber der Motor konnte bald abgestellt werden und wir segelten, wenn auch anfangs sehr langsam. Später kam der prognostizierte Wind, meistens um 4 bf. Der Himmel war bewölkt, teilweise war es sehr düster. Und dann sahen wir sie: eine Windhose, die aus einer schwarzen Wolke bis ins Meer ragte. Wir hatten gerade gewendet, als wir sie entdeckten. Doch dann wendeten wir nochmals, um nicht in diesen unheimlichen Wirbel zu fahren, weil auch nicht ganz klar war, wohin sie sich bewegte. Doch dann löste sie sich zum Glück auf.
Der Tag wurde lang, immer hart am Wind ging es. Zu Beginn konnten wir mit dem Strom fahren, im zweiten Teil der langen Reise hatten wir dann den Gegenstrom, wegen des guten Windes war das aber kein riesiges Problem. Teilweise schien auch die wärmende Sonne. Am Abend war der Wind dann wieder sehr schwach und wir mussten die Segel bergen und gegen den Strom halt mit dem Motor weiterfahren.
Dann hörten und spürten wir wieder die Propellerprobleme. Vielleicht hatten wir wieder eine Leine eingefangen? Vorsichtig und langsam fuhren wir Boulogne entgegen. Es kamen noch heftige Schauerböen mit Regen und den entsprechenden Wellen.
Eigentlich wollten wir vor Boulogne ankern und am nächsten Tag früh weiter. Aber wir entschlossen uns, die Nacht im Hafen zu verbringen, um morgen dem Propellerproblem nachzugehen.
Es war kurz vor dem Dunkelwerden, als wir am Steg fest waren.


Kein Wunder, lief der Propeller so unrund, Taucherbeute in Boulogne.

19.09.2017 Boulogne-sur-Mer - Boulogne-sur-Mer, 0 sm.
Wetter: schön, leicht bewölkt, kühl, etwas Wind von N.

Der Propeller ist wieder frei

Wir haben sehr gut und lange geschlafen, die Fischer auf der anderen Seite des Hafens und die Segler, die früher losfuhren, haben uns nicht gestört. Als Erstes gingen wir ins Büro der Marina. Der Hafenmeister konnte uns einen Taucher organisieren, der nach dem Mittag vorbeikommen würde. So hatten wir noch etwas Zeit für einen Spaziergang in die Innenstadt.
Und tatsächlich, vor 3 Uhr kam der Taucher mit der vollen Ausrüstung angewatschelt (sorry für den Ausdruck, aber mit dem Vollanzug, den Gewichten, der Luftflasche und den Flossen in der Hand ist das nicht anders zu beschreiben), er hatte eine Begleitung dabei, die etwas englisch konnte. Wir mussten ihm nicht viel erklären, er wusste, um was es ging, befeuchtete die Taucherbrille und sprang in das grünbraune Hafenwasser. Und keine 5 Minuten später tauchte er wieder auf, mit einem ganzen Büschel von Leinen oder Netz, das in unserem Propeller hing. Unglaublich, aber es war so. Nachdem er etwas weggeschwommen war, machte Toni den Test, schaltete den Motor ein und liess den Propeller drehen: wunderbar, er läuft nun schön rund und macht keine Geräusche mehr.
Anschliessend konnten wir entspannt nochmals einen Spaziergang in die Stadt machen, diesmal ins historische Zentrum mit dem Münster und dem Belfries (Unesco Weltkulturerbe, siehe Link unten). Im Gegensatz zu unserem Besuch im Juni letzten Jahres hatten wir das Gefühl, dass diese Stadt lebt und sich sanft weiterentwickelt, wir fanden viele Fassadengraffitis, die sehr schön anzusehen waren.

Links für weitere Informationen:
Wiki Boulogne-sur-Mer Belfried/Beffrois


Einer der riesigen über 360m langen Cargo von und nach China im Ärmelkanal bei Dunkerque

20.09.2017 Boulogne-sur-Mer - Dunkerque, 45 sm.
Wetter: stark bewölkt, Regenschauer, SW2-3.

Starker Strom und intensiver Fährenverkehr bei Calais

Am Morgen leerte sich die Marina von Boulogne zusehends. Auch wir waren um 9.30 Uhr parat. Vorher machte es keinen Sinn, wegen des Stroms zwischen Calais und Dover. Wir liessen noch die belgische Crew auf der anderen Seite ablegen, mussten aber ziemlich lange warten, bis sie endlich losfuhren; bis alle 6 Leute eingewiesen waren, jeder wusste, was er machen sollte, dauerte es.
Endlich konnten auch wir weg. Bald waren die Segel gesetzt und wir fuhren anfangs langsam, weil der riesige Bunker auf der Mole den Wind abhielt. Aber draussen füllte der Wind unsere Segel. Allerdings kam er von SW, also sehr von achtern, so versuchten wir es später mit Butterfly. Zum Glück schob jetzt der Strom, so fuhren wir immer zwischen 6 und 8 Knoten (über Grund), auch wenn wir wegen des achterlichen Windes eher langsam im Wasser segelten. Weil mehrere Segelboote den gleichen Kurs fuhren, kam ein Regattagefühl auf und wir trimmten und optimierten die Segel noch mehr und besser als sonst (wobei wir gegen eine 16m-Yacht eh keine Chance haben).
Der Himmel war fast immer bewölkt, die Sonne zeigte sich nur kurz und es regnete gegen Mittag sogar kurz und heftig.
Vor Dunkerque mussten wir wegen einer der Fähren, die nach Dover fährt, eine Runde rückwärts fahren, damit es keinen Zusammenstoss gab, bei Calais hatten wir keine Probleme, wir konnten schön zwischen den vielen Fähren durchfahren. Aber überall hier wurden wir wieder mit den grossen Tankern und Frachtern konfrontiert, der Ärmelkanal ist ja die höchstfrequentierte Schifffahrtsstrecke der Welt.
In der Marina Grand Large von Dunkerque trafen wir wieder das holländische Boot «Courage», das 10 Minuten vor uns abfuhr, und wir erfuhren, dass sie meistens den Motor mitlaufen liessen und deshalb auch schon länger im Hafen waren, als wir ankamen (da nützt das Regattagefühl auch nichts).
Um das Städtchen anzuschauen war es uns schon zu spät, zu Fuss wäre es eine halbe Stunde zur Innenstadt (und das gleiche zurück). So machten wir es uns im Boot gemütlich.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.