im Blickfeld: Segel-Blog Atlantikküste 2017


Logbuch Etappe 41 Atlantikküste 2017: Nördliche Bretagne und Kanalinseln

von Roscoff nach Cherbourg 

(04.09.2017 - 08.09.2017), Anzahl Tageseinträge: 5


Unser Gennaker mal aus einer anderen Sicht: ohne Wind auf dem Vordeck, unterwegs zwischen Roscoff und Lézardrieux

04.09.2017 Roscoff - Lézardrieux, 49 sm.
Wetter: bewölkt, W2.

Nordküste der Bretagne in Vorbeifahrt

Wir konnten erst am späten Vormittag ablegen, wir wollten ja mit dem Flutstrom nach NE segeln. Leider war der Wind so schwach, dass nur kurz der Blister gesetzt werden konnte. Dafür haben wir jetzt wieder einen vollen Wassertank (während der Motorfahrt im flachen Wasser arbeitete der Wassermacher). Immerhin hatten wir wegen des Stroms zwischendurch auch 8kn SOG (Speed Over Ground). So entschieden wir uns (nach einigen Berechnungen), gleich weiterzufahren in die Nähe der Insel Bréhat.
Es waren nur wenige Boote unterwegs, die uns entgegenkamen, und wir sahen keines, das in die gleiche Richtung wie wir unterwegs war.
Wir fuhren an der Île de Bréhat vorbei und liessen uns am späten Abend noch den Fluss hinaufschieben und waren kurz vor 20 Uhr am Ziel: der Steg von Lézardrieux. Eigentlich war hier Hochwasser um 19:30 Uhr, aber diese letzte halbe Stunde hatten wir noch keinen nennenswerten Gegenstrom. Der Steg war besetzt mit Möwen, die uns aber Platz machten. Ansonsten war nur ein Rettungsboot und ein kleines Segelschiffchen, ähnlich wie die Sprinto, hier festgemacht. Wir kochten Spaghetti und konnten noch draussen essen und schon war es dunkel.


Mitten in der Bucht von St-Malo steht, auf halber Strecke zwischen Île de Bréhat und Jersey, der Leuchtturm von Les Roches Douvres, umgeben von Steinen, die man möglichst nicht touchieren will.

05.09.2017 Lézardrieux - St. Helier (Jersey), 54 sm.
Wetter: immer grau / bedeckt, SW6-7, manchmal 8bf.

Sturmsegeln

Am Morgen kam die Zollkontrolle mit dem Schlauchboot zu uns an den Steg. Sie waren zu viert! Und wollten das Original des Schiffpapiers sehen, bisher genügte immer die Farbkopie! Als sie zufrieden wieder abfuhren, legten auch wir ab und liessen uns den Fluss wieder hinuntertreiben, mit Wind und Strömung von hinten. Die Segelschule war auch schon fleissig am Segeln.
Der Wind war stark und heftig. Und er wurde immer heftiger. In der Prognose war von Böen bis zu 30 Knoten (7 bf) angesagt. Wir waren vorbereitet und das Vorstag war gesetzt und die Fock angeschlagen. Anfangs fuhren wir noch mit der gerefften Genua, dann am frühen Nachmittag wurde die Fock hochgezogen. Der Wind frischte bis auf 37 Knoten (8 bf) auf und die Wellen wuchsen auf furchterregende 3 m an. Zwischendurch spritze eine ins sonst so trockene Cockpit.
Zum Zmittag gab es nur noch schnell gewärmte Reste. So ein Geschaukel waren wir nicht mehr gewöhnt. Gegen Abend wurde Regina immer schneller, sie jagte mit 7-8 Knoten Speed durch die Wellen und bewies sich wieder einmal mehr als Starkwindboot.
Um 20.30 Uhr konnte der Motor abgestellt werden und wir waren auf Jersey im Hafen von St. Helier. Das Hafenbüro war schon geschlossen, obwohl es hier erst 19.30 Uhr war.
Wir waren ziemlich erschöpft! Nach dem Znacht, der Vorbereitung für den nächsten Tag – sollen wir weiter oder bleiben?? –entschieden wir uns fürs Weitersegeln, denn es war kein passendes Wetterfenster mehr absehbar, und fielen dann müde in die Koje.
«Ich hab genug, ich will nach Haus, ich bin schon viel zu lange hier! Ich werf mich auf den nächsten Zug und lasse alles hinter mir.» Dieser Song verfolgte mich heute den ganzen Tag. Nur leider gibt’s hier keinen Zug ...

 
Links für weitere Informationen:
www.ports.je/JerseyMarinas/Pages/default.aspx


Blick von unserem Ankerplatz in der Dixcart Bay von Sark zu unseren Nachbarn in der Derrible Bay

06.09.2017 St. Helier, Jersey - Dixcart Bay, Insel Sark, 26 sm.
Wetter: W4-5, später W3, bewölkt mit Sonne am Nachmittag.

Verschlafen und beinahe den Strom verpasst

Der Wecker im Handy, der andere geht schon lange nicht mehr, war auf 7 Uhr gestellt, damit wir um 8 Uhr losfahren könnten. Dummerweise hatte sich das Handy auf Lokalzeit umgeschaltet (Jersey hat UTC+1), wir rechneten aber mit den Gezeiten und auch so mit MEZ (UTC+2). Doch um 7 Uhr Lokalzeit wollten wir ja schon losgefahren sein. Schnell noch ins Hafenbüro und bezahlen, und nichts wie weg. Zmorge gab es unterwegs, denn der Strom wartete nicht…
Noch im Vorhafen setzten wir die Segel, Regina nahm schnelle Fahrt auf und wir fuhren 7-8 Knoten, zwischendurch dank dem Strom auch mal 9 kn über Grund, allerdings zu Beginn hart am Wind bei 20-21 kn Wind. Die Wellen waren heute allerdings nicht mehr so hoch. Später wurde es etwas gemütlicher, und wir mussten auch nicht mehr aufkreuzen. Wir konnten immer mit dem Strom bis vor die Ankerbucht segeln.
Schon zum Zmittag waren wir beim Ankerplatz an der Ostküste der Insel Sark. Es lagen bereits zwei Segelboote vor Anker. Die Fallböen kamen von der Felsküste herunter und unser Windgenerator drehte sich fleissig.
Der Nachmittag war fürs Ausruhen. Dinghiaufpumpen und an Land fahren lockte uns nicht. Die anderen Leute schwammen im nicht ganz 17 Grad frischen Wasser, aber dazu hatte hier von der Regina auch niemand Lust, auch wenn die Sonne schien und wärmte.


Ein Schnappschuss vom Seekarten-Plotter bei der «Kaffeefahrt» durch die Stromschnellen des Raz Blanchard

07.09.2017 Dixcart Bay, Insel Sark - Cherbourg, 45 sm.
Wetter: meist WSW 4, stark bewölkt.

Raz Blanchard mit der Kaffeetasse

Die Nacht war ein ordentliches Geschaukel, irgendwie konnte ein Schwell in die Bucht gelangen, der dann an den Felswänden reflektierte, da nützte auch keine Ausrichtung zum Wind mehr. Mit der fallenden Gezeit wurde es leicht angenehmer.
Wir fuhren am Morgen noch mit eingeschaltetem Licht vom Ankerplatz weg, der Strom ist unerbittlich und pünktlich. Kaum aus der Abdeckung der Ankerbucht erfasste uns der Strom nach Norden. Und mit jeder Viertelstunde wurde er stärker. Der Wind war zu Beginn recht moderat, etwa 4 bf, später gegen 18 kn. Und in der Raz Blanchard, zwischen dem Cap de la Hague und der Insel Aldernay, fuhren wir mit diesem Wind etwa 6 kn durchs Wasser, aber bis 12.3 kn über Grund. So kommt man vorwärts. Und wir hatten fast keine Welle, und weil der Wind recht raum war und eben mit dem Strom, hatte Regina auch kaum Krängung und schaukelte fast nicht. Eine Kaffeefahrt durch eine der bekanntesten Stromschnellen Europas.
Es war ein bisschen ein Wettrennen mit dem Wetter, denn für heute Abend und vor allem morgen wurde Starkwind und teilweise Sturmwarnung ausgegeben. Wir erreichten aber den Hafen Cherbourg zum Glück recht früh, gerade als der Strom kippte, die letzte Meile mussten wir gegen den Strom segeln. Und um 14 Uhr war Regina festgemacht. Die Sturmwarnung über 8 bf SW («expected soon») wurde um 16 Uhr nochmals über Navtex versandt.
Wir segelten 45 nm über Grund, unsere Logge zeigte aber nur gerade 32 nm an, 13 Meilen erhielten wir vom Gezeitenstrom geschenkt, in 7 Stunden von «Anker auf» bis «Leinen fest» ergibt das eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6.5kn.

 
Links für weitere Informationen:
www.portchantereyne.fr/


Spaziergang in Cherbourg in der Einkaufszone / Innenstadt

08.09.2017 Cherbourg - Cherbourg, 0 sm.
Wetter: W 6-7, dazu Regen.

In Cherbourg: Regen und Sturm im Hafen

Heute durften wir lange ausschlafen. Nach dem Frühstück gingen wir in die Stadt und zum Einkaufen. Es fing schon an zu regnen. Und dann regnete, bzw. schüttete es den ganzen Tag fast pausenlos. Wir verbrachten den Rest des Tages auf dem Boot, unterbrochen von einem Lauf zum Duschen und zur Waschmaschine. Dann allerdings musste wieder eine halbe Stunde gewartet werden, um die trockene Wäsche trocken zum Boot zu bringen, was kaum zu schaffen war.
Hier warten einige Segler wahrscheinlich bis nächste Woche, um dorthin zu fahren, wo wir herkommen. Aber die karibischen Inseln sehen nicht mehr so aus, wie wir sie gesehen haben. Der Wirbelsturm «Irma» hat wohl sehr viel Schaden angerichtet.
Morgen gibt es ein kleines Wetterfenster mit moderatem Westwind, um die nächste Etappe nach Le Havre zu schaffen.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.