im Blickfeld: Segel-Blog Atlantik 2017


Logbuch Etappe 35 Atlantik 2017, Passage Azoren - Galizien

von Ponta Delgada, São Miguel, Azoren nach Vigo 

(03.07.2017 - 10.07.2017), Anzahl Tageseinträge: 3


Ein letzter Blick vom Meer aus auf die Insel São Miguel (typisch: die Vegetationsstufen), zuoberst sieht man den Gipfel der ersten Wanderung, Pico das Eguas

03.07.2017 Ponta Delgada, São Miguel, Azoren - auf See, sm.
Wetter: Gemäss den Prognosen für die nächsten paar Tage nicht schlecht.

Unterwegs ans europäische Festland

Weil für die nächsten Tage Wind angesagt war, entschieden sich viele Skipper, heute loszusegeln, so auch wir. Sonst müssten wir womöglich wieder lange auf Wind warten. Wir haben viel von den Azoren gesehen, aber lange noch nicht alles. Ausgehalten hätten wir es hier noch länger, wenn uns auch eine Woche im Hafen meistens reicht.
Zum Zmorge gabs nochmals frische Brötchen vom Laden gegenüber der Strasse. Wir gingen ins Hafenbüro und zum Ausklarieren und staunten wieder, wie freundlich die Leute hier sind (von der Karibik ist man anderes gewöhnt). Wir trafen nochmals Ralph und Inge, die, obwohl noch erkältet, auch ablegen wollten, um nach Lagos zu fahren.
Die verschiedenen Wetterberichte sagten alle voraus, dass die Azoren weiterhin im Azorenhoch stecken oder das Hoch sogar noch ausgeprägter wird. Und dass das stationäre Tief über der Iberischen Halbinsel ebenfalls stationär bleibt. So haben wir einerseits mit viel Schwachwind oder gar Flaute zu rechnen und umgekehrt sicher sehr viel Wind von N oder NE bei Galizien (der «Portugal-Passat-Wind»). So beschlossen wir, zuerst weit nach Norden zu fahren und dann die westliche Winde nördlich des Hochs (wo auch die Tiefs stecken) für das Segeln nach Osten zu nutzen, und ganz am Schluss mit SE-Kurs bei Galizien nach Vigo zu halten, d.h. voraussichtlich Halbwindkurs beim erwarteten Starkwind (ist häufig Windstärke NE6 und NE7).
Schnell waren die üblichen Vorbereitungen getroffen: Ruder des Windpiloten einsetzen, das Boot klarmachen und dann wurden die Leinen gelöst.
Anfangs mussten wir gegen den schwachen Wind entlang der Insel São Miguel motoren. Das war uns recht, denn wir mussten dringend unseren Wassertank wieder füllen. Das Wasser im Hafen war uns zu stark chlorisiert. Anschliessend ging es hübsch und genussvoll am Wind nach Norden.
Unser Speedometer war wieder mal, wie fast immer nach längerem Stehen, blockiert. Also musste er noch herausgenommen und gereinigt werden. So hatten wir anschliessend einige Zeit zutun, bis die Bilge wieder trocken war!
Es war schön, wieder unterwegs zu sein.
Die Wolken nahmen zu und in der Nacht war der Mond kaum zu sehen. Auch bei Dunkelheit sahen wir nichts mehr von der Azoreninsel, wir waren schon zu weit entfernt.


Viele verschiedene Wolkenbilder, jede Stunde eine andere Landschaft, unterwegs zwischen Azoren und Galizien

06.07.2017 auf See - auf See, sm.
Wetter: viel Sonne, viele Wolken, wenig Wind, nur wenig Regen.

Passage Azoren – Galizien, unterwegs

Es gibt keinen täglichen Bericht, sondern diese Zusammenfassung.
Meistens war es bewölkt, zwischendurch aber auch mal sternenklar, in den letzten beiden Nächten hatten wir Vollmond. Am 3. Tag sahen wir erstmals zwei andere Segelboote, alle 2 Tage ein grösseres Schiff, einmal ein grosses Fischerboot. Sonst waren wir allein auf dem Meer.
Die ersten Tage kamen wir gut voran, mit Halbwind macht Regina schnelle Fahrt. Der Wind drehte zwischen Norden und Westen und wir waren immer mit Trimmen und Kurskorrigieren beschäftigt. Aber es blieb auch viel Zeit zum Lesen, James Cook hatte es bei seinen Entdeckungsfahrten weniger bequem!! (Elisabeth liest gerade ein Buch über seine drei Reisen im Pazifik). Bald hatten wir genug von der langen Passage und sehnten uns nach Land. Es war öfters bewölkt oder gar neblig feucht. Um die Mittagszeit schien fast immer die Sonne und wärmte und trocknete.
Ab etwa der Mitte der Passage konnten wir über Navtex den Wetterbericht vom Sender A Coruña empfangen und uns entsprechend «vorbereiten»: Ein kleines Tief drängte das Azorenhoch etwas zurück (zumindest an jenem nördlichen Standort im Gebiet «Charcot», den wir mittlerweile hatten) und unterbrach das Hoch zur Biskaya, das führte zu schwachem Westwind (genau von achtern) statt zum erwarteten NW- oder N-Wind. Aber etwas mehr Wind hätten wir uns schon gewünscht. Zum Glück ist der Dieseltank noch voll. Wir konnten uns eine warme Dusche gönnen und auch den Wassertank wieder ganz füllen. Allerdings schläft man besser beim Segeln als beim Motoren.
Das Schlafen in Etappen war sowieso nicht immer einfach und es war fast immer einer unten im Salon am Liegen oder Ausruhen.
Dem Skipper hingen die Salate, die es bisher meistens mittags gab, gegen den Schluss zum Hals raus, also brauchte die Smutje etwas mehr Phantasie, um aus den Vorräten noch Abwechslung zu schaffen (Skipper: Das schaffte Elisabeth aber hervorragend [z.B. Zucchetti-Omelette], die Stimmung an Bord war weiterhin gut).
Der regelmässige Rundumblick bietet wenig Spannendes: keine Delphine, keine Wale, keine spektakulären Wellen, ehr selten andere Schiffe, nur ab und zu einzelne Seevögel. Aber die Wolkenbilder waren spannend, nach jeder halben Stunde hatten wir eine andere Himmelslandschaft. Ganz speziell war das nachts mit Mond und Sternen, dann ist es wie ein Fahren durch eine Märchenlandschaft, wunderschön.
Aber: Wir freuen uns sehr aufs Ankommen.


Land in Sicht nach 7 Tagen Wasser und Wolken zwischen Azoren und Galizien, die Islas Cíes vor Vigo

10.07.2017 auf See - Vigo, 912 sm.
Wetter: wenig Sonne, N und NW4-5.

Ankunft in Galizien

Die letzte Nacht auf See war sehr spannend. Um etwa Mitternacht kreuzten wir die ersten Tanker, die von Norden nach Süden und umgekehrt fahren. Wir erwarteten einen ähnlichen Schiffsverkehr wie im englischen Kanal, fahren doch hier alle die Schiffe vom Suezkanal und von Afrika nach Nordeuropa. Und hier ist es offensichtlich: ein 360m langer Containerfrachter wird hier uns nicht ausweichen (können). Aber mit dem AIS und dem Kartenplotter war es eigentlich kein Problem, nur einmal mussten wir den Kurs korrigieren, um hinter einem Tanker hindurch fahren zu können, gesichtet und gekreuzt hatten wir aber sicher mehr als 15 Schiffe.
Wir hatten nun endlich guten Wind von Nord, d.h. im 2. Reff im Genua und auch im Gross hatten wir immer noch 6 kn und mehr Fahrt. Nur das Schlafen war für den Skipper etwas provisorisch, denn er musste ja jederzeit Entscheidungsunterstützung geben können (was aber zum Glück nicht nötig wurde). Nach der Querung der Seestrasse, dann bei Tag, schlief er und verpasste so die erste Sicht aufs europäische Festland. Mit weiterhin 15 bis 17 kn NW-Wind sausten wir an den vorgelagerten galizischen Naturschutz-Inseln Ons und Cíes vorbei und erreichten am Nachmittag die Bucht und den Hafen von Vigo. Keine hundert Meter vor der Marina Davila bargen wir die Segel und tuckerten hinein.
Im Marine-Büro erledigten wir den üblichen Schreibkram und erhielten dann den definitiven Standort zugeteilt, längsseits am Hauptponton, sehr gemütlich zum Ein- und Aussteigen; das Schiff war schnell verlegt. Und dann die Dusche, lange und richtig heiss. Am Abend waren wir noch im Internet unterwegs. Den Zeitpunkt zum Schlafen fanden wir nicht so richtig, da wir auf die aktuelle Ortszeit noch nicht synchronisiert waren; unterwegs und auf den Azoren lebten wir mit UTC, und hier ist UTC+2, d.h. der Sonnenuntergang und Mitternacht ist zwei Stunden früher.

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Das ist der Text in der Fusszeile.