im Blickfeld: Segel-Blog Atlantik 2017


Logbuch Etappe 30 Atlantik 2017, Passage BVI - Bermuda

von Gorda Sound, Bitter End nach St. George, Harbour 

(26.04.2017 - 18.05.2017), Anzahl Tageseinträge: 23


Das Bojenfeld bei YC Bitter End (BVI) ist auch ein Wassersport-Spielplatz.

26.04.2017 Gorda Sound, Bitter End - Gorda Sound, Bitter End, 0 sm.
Wetter: meist sehr sonnig, ESE3-4.

Gemütliches Warten auf den Start – es ist wie verhext!!

Um 8 Uhr erhielten wir von der Meteorologin den positiven Bescheid, dass es für die nächsten paar Tage eine stabile Passat-Lage gibt, d.h. für uns E oder SE-Wind zum Segeln. Morgen werden wir losfahren.
Wir verliessen die Boje vom Yachtclub und ankerten ausserhalb des Bojenfeldes auf 18m Tiefe (60m Kette). Hier machten wir unsere letzten Vorbereitungen, liessen den Wassermacher lange arbeiten und machten sonst etwas gemütliche Ferien mit Internet und Mails.
Gestern hatte Toni das Iridium bzw. den Mailverkehr über Iridium zum Laufen gebracht (die Mails der Adresse bx4.ch wird nicht über Iridium transportiert, es hat zu viele dicke Mails mit Werbung und Bildern).
Doch dann bemerkten wir plötzlich, dass unser Motor die Batterien nicht mehr laden konnte und auch für den Wassermacher gar keinen Strom lieferte. Es ist alles wie verhext! So können wir natürlich nicht losfahren. Bei Sonne und Wind würden ja die Solarkollektoren und der Windgenerator für Strom sorgen, aber wenn wir bei Flaute und Wolken zu den Bermudariffen kommen, ohne Strom für die Tiefenanzeige und ohne den Plotter und ohne GPS? Und dann womöglich den Motor nicht mehr starten können? Nein, das Problem muss gefunden und behoben werden.
Toni verbrachte den Rest des Nachmittags im Motorraum und in der ausgeräumten Achterkabine und suchte nach dem Fehler bzw. versuchte zu verstehen, wo welche Kabel für was angeschlossen sind. Es schien, als ob der Alternator (eine spezielle Version High Output Alternator HOA) nicht funktionierte und das Ladekontrollgerät aber ok ist.
Am Abend kam die Anima vorbei, gerne hätten wir noch länger mit Martin geplaudert, aber wir waren zu beschäftigt und er konnte nicht neben uns bei dieser Tiefe ankern.
Zur vorherigen Etappe: zum Logbuch der vorherigen Etappe und weiteren Links


Im Motorraum fehlt was: der defekte Alternator.

27.04.2017 Gorda Sound, Bitter End - Nanny Cay Marina, 18 sm.
Wetter: sehr warm, unterwegs E3-5, leicht bewölkt.

Ein HOA muss her

Wir hoben die 60m Ankerkette, die Winsch war spürbar langsamer und mit weniger Kraft ohne Motorstromhilfe, es dauerte ewig. Dann segelten wir zur Nanny Key Marina, weil dort eine Boatyard und die entsprechenden Jachtausrüster sind. Mit Raumwind erreichten wir die Marina nach rund 3 Stunden und erhielten einen Platz nahe beim Eingang.
Als Erstes gingen wir ins Office, der zweite Schritt war die Suche nach einem Techniker, der uns den Alternator auswechseln konnte bzw. einen solchen an Lager hatte. Bei der dritten Firma – die gleiche, die uns den Windsensor verkaufte – erhielten wir die Unterstützung. Unser High Output Alternator HOA von Amptech ist offenbar ein gängiges Produkt, zumindest kannte er es, und den Regler von Mastervolt verkaufen sie hier auch. Er meinte, es könnten auch die Kohlenbürsten oder einfach Dreck sein. Nach dem Empfangen eines Depots/Anzahlung und dem Versprechen, in 1 ½ Stunden aufs Schiff zu kommen, gingen wir zur Regina zurück und kamen so etwas verspätet zu unserem verdienten Lunch und Kaffee.
Der Mechaniker kam pünktlich an Bord. Er schaute sich die Verkabelung an, machte einige Messungen und meinte, er müsse den Alternator mitnehmen, er habe auch eine Testeinrichtung in der Werkstadt. So schraubten wir gemeinsam den Alternator raus (hoffentlich bringen wir den auch wieder rein!).
Nochmals 2 Stunden später war es klar: Ein Unterbruch in der Spule, es konnte kein Strom fliessen. Die Kohlebürsten hätten bald auch ausgewechselt werden müssen, waren diesmal aber nicht schuld. Daraus folgt: Ein neuer HOA muss her. Morgen werden wir sein Angebot erhalten, er klärt in der Zwischenzeit Verfügbarkeit, Lieferung und Preis für einen gleichen HOA oder allenfalls für eine Alternative. Und weiter folgt daraus: vorderhand bleiben wir hier.
Als Trost gab es am Abend eine wunderbare und lange Dusche in der Marina.


Die Nanny Cay Marina, idyllisch gelegen und mit guter Infrastruktur

28.04.2017 Nanny Cay Marina - Nanny Cay Marina, 0 sm.
Wetter: heiss mit Sonne, sehr warm mit Regen, böiger Wind aus E.

Behördengang und Marinatag

Es war am Morgen so heiss, dass wir beschlossen, nicht mit dem Velo nach Road Town zu fahren. Wir genehmigten uns ausnahmsweise ein Taxi. Wir mussten zum Einklarieren, da wir ja noch einige Tage hier sind. Nach den Erfahrungen vom letzten Mal hatten wir gemischte Gefühle. Die Dame im Büro checkte erst recht spät, dass wir ja erst vor 3 Tagen ausklariert hatten und wusste dann nicht, was sie tun sollte. Der Chef wurde gerufen und das Problem war schnell behoben, wir konnten ganz normal wieder einklarieren und dürfen wieder 30 Tage hier sein. Erleichtert fuhren wir wieder zur Nanny Cay Marina.
Unser Techniker war aber nicht da, wir waren etwas später als abgemacht. So ging es nach der Lunchpause nochmals zum Laden und wir bestellten gemäss seiner Offerte einen neuen Alternator aus den USA. Er sollte anfangs nächster Woche da sein, hoffentlich!!
Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Boot. Toni arbeitete am PC und kann nun auf der Homepage eine neue Seite pro Etappe mit grossen Tagesbilder bereitstellen. Ein Beispiel: für die Tagesbilder der letzten Etappe (BVI) [hier klicken]. Ich nahm ein Bad, schwimmen kann man das nicht nennen, am Badestrand, dieser ist zu flach und zu klein.
Die Marina füllte sich gegen Abend mit einigen neuen Booten. Und unser Tagesabschluss war wieder eine Dusche in den sehr noblen Duschräumen der Marina.


Toni bei der Wartung der Grossschot-/Spinnakerwinsch unter dem erweiterten Schutzdach, in der Nanny Cay Marina

29.04.2017 Nanny Cay Marina - Nanny Cay Marina, 0 sm.
Wetter: sehr warm auch ohne Sonne, ab und zu Regentropfen.

Voll beschäftigt beim Warten

Wir hatten uns überlegt, das Weekend auf einer Insel an einer Boje zu verbringen. Das wäre etwas günstiger als hier der Hafenplatz. Allerdings soll es laut Wetterbericht am Sonntag und Montag regnen. So entschieden wir, hier zu bleiben und vielleicht eine Velotour zu unternehmen. Im Office bekamen wir dann den Bescheid, dass wir auf diesem Platz bis Mittwoch stehen könnten, ab dann sei er reserviert (wahrscheinlich für die ARC-Teilnehmenden, die am 6. Mai nach Bermuda starten). Bis dann hoffen wir allerdings, wieder mit vollständigem Motor unterwegs zu sein.
Nun, eigentlich wäre es die Gelegenheit, wieder einmal «nichts» zu tun und einfach die Zeit zu geniessen. Nicht einmal bis zum Nachmittagskaffee schafften wir das.
Elisabeth reinigte die klebrigen Fender und die Fenderabdrücke am Schiff, und Toni versuchte, einen PVC-Kleber aufs Loch unseres kaputten Kugelfenders zu bringen. Ob dieser hält, können wir erst morgen sehen, vorher darf er nicht aufgepumpt werden. Und dann riefen die Winschen nach Toni wegen der Wartung, vor allem die Mastwinsch. Und diese war tatsächlich nötig, gewisse Teile waren bereits so verhockt, dass zum Auseinandernehmen Werkzeug benötigt wurde (geht sonst bequem von Hand). Kurz vor Stockdunkel schaffte es Toni, die Mastwinsch wieder zusammenzusetzen, frisch geschmiert und vorher gründlich gereinigt und entfettet.


Boatyard der Nanny Cay Marina, BVI

30.04.2017 Nanny Cay Marina - Nanny Cay Marina, 0 sm.
Wetter: grau, trüb, wiederholt Regen, Wind.

Regen

Der Tag begann nicht so früh. Vor allem der Skipper war kaum wach zu kriegen. Die Sonne sahen wir heute nicht, es war den ganzen Tag bewölkt und am Abend regnete es. Dazu war es aber trotzdem warm wie immer und natürlich dazu sehr feucht, also drückend schwül. Allerdings gab es auch tüchtig Wind – wenigstens draussen auf dem Meer. Der Skipper verpasste also nichts.
Für einen Spaziergang durch die Marina reichte es aber doch, wir sahen auch, dass in der Boatyard doch fleissig gearbeitet wird (trotz Sonntag), und unser mastloser Nachbarlieger war mit seinem Boot auch mal zwei Stunden dort und kam dann mit Mast wieder retour.
Wir waren beschäftigt mit Reinigungs- und Reparaturarbeiten, mit Lesen, mit dem Kurzwellenfunk und die vorletzte Winsch bekam ihren Service. Die letzte am Mast konnte wegen des Regens nicht mehr gemacht werden. Der geflickte Fender wurde aufgepumpt, ob er die Luft wirklich halten kann, ist noch nicht ganz sicher.
Wir schwatzten mit den Stegnachbarn, die seit 4 Jahren in der Karibik segeln und dieses Jahr ihr Boot nach Lagos verlegen, mit dem ARC zurückfahren. Es kamen auch einige Boote in den Hafen. Bald müssen wir Platz machen für die ARC-Gruppe. Hoffentlich kommt unser bestellter Alternator morgen.


Bis zum Start des ARC-Rally werden hier alle Schiffe beflaggt werden.

01.05.2017 Nanny Cay Marina - Nanny Cay Marina, 0 sm.
Wetter: meist sonnig und schwül, ab und zu Regen.

ARC am Steg

Der Steg füllte sich nun, laufend kamen Schiffe herein, die mit der ARC über den Atlantik zurücksegeln wollen. Wir konnten hautnah miterleben und zuschauen, wie ein Experte der ARC unser Nachbarschiff inspizierte. Alles wurde angeschaut, jede einzelne Relingstütze bewegt, die Retttungsinselbefestigung getestet, kontrolliert, ob die richtigen Leinen am richtigen Ort befestigt sind, die Baumbefestigung am Mast kontrolliert, jede einzelne Pütting der Wanten (zumindest jene an Deck) genau inspiziert, Stolperfallen an Deck eruiert, Sicherheitsmaterial kontrolliert (unser Nachbar musste noch einen zweiten Rettungsring beschaffen). Und ich glaube, mündlich wurde auch einiges geprüft und abgefragt. Der Experte war etwa 3 Stunden an Bord mit einer ausführlichen Checkliste. Aber offensichtlich erhielten sie am Schluss die Freigabe. Und das heisst in diesem Fall, die ARC-Flagge zu hissen und das Schiff über Top mit allen Signalflaggen zu versehen.
Es stehen schon einige Schiffe hier, die voll beflaggt sind, einige werden noch geprüft. Bei einem anderen Schiff dauerte es offenbar etwas länger, ein ARC-Mensch war mehrmals dort, und zwischendurch waren auch Handwerker zu sehen. Auf alle Fälle: recht viel Betrieb an unserem Steg, es wird eingekauft, gebunkert, neue Crewmitglieder begrüsst und eingeführt, und es wird viel hin und her gelaufen.
Wir haben es gemütlicher bzw. einen anderen Stress: Am Nachmittag waren wir bei Cay Electronic und fanden heraus, dass der Alternator angekommen ist. Und morgen soll er installiert werden. Da sind wir nun gespannt.


Der alte Alternator, ein elektromechanisches Wunderwerk

02.05.2017 Nanny Cay Marina - Spanish Town, 18 sm.
Wetter: E5, meist schön, mit Regenschauer.

Neuer Alternator funktioniert

Pünktlich wie abgemacht kam unser Techniker um neun und brachte, neben seiner dicken Werkzeugtasche, auch den neuen Alternator mit. Allerdings mit einem Wermutstropfen: der vorhandene externe Regler wird nicht funktionieren, weil der neue Alternator den GND-Kontakt direkt auf dem Gehäuse hat und nicht isoliert ist, obwohl es vom Typenschild das identische Modell, aber halt der 13 Jahre jüngere ist. Gegen Mittag waren die Installation und der Test für den Alternator und eben auch ein neues Ladegerät abgeschlossen (Test: liefert fast im Standgas 125 Ampere für den Inverter, wenn der 220V-Wasserkocher angeschlossen ist!), und etwas später wurde auch die Kreditkarte tüchtig belastet. Und im Marinabüro waren wir auch noch zum Bezahlen.
Nach unserem Lunch waren wir schnell bereit, Leinen los und wieder einmal Wind schnuppern. Wir hatten den typischen Karibik-Wind, 17-20kn von Osten, und unser Ziel hatten wir auch im Osten. Kreuzend segelten wir gut gerefft bis Spanish Town und banden Regina an einer Boje fest. Als Erstes starteten wir den Wassermacher für zwei Stunden und testeten den neuen Alternator nochmals, sobald von der vollen Batterie etwas verbraucht war, es funktionierte wie erwartet, sobald die Batteriespannung tief genug ist, bringt er den Strom in die Batterie.
Am Morgen erhielten wir per Mail von Wetterwelt die Information, dass die Abreise morgen optimal sei, ein späterer Start führe zu recht viel Flauten unterwegs, allerdings müssen wir mit einer Kaltfront in der Nähe der Bermudas rechnen, jedoch seien wir nur am Rand davon betroffen. So freuen wir uns auf Morgen für das richtige Blauwassersegeln, vorher werden wir in Spanish Town noch ausklarieren und die Vorräte an Frischwaren etwas aufstocken.


Ein letzter Blick zurück ins (volle) Seglerparadies BVI

03.05.2017 Spanish Town, BVI - auf See, sm.
Wetter: .

Dritter Versuch: endlich lossegeln

Wir verbrachten eine ruhige Nacht an der Boje vor Spanish Town. Allerdings waren wir früh wach, vielleicht hatten wir doch etwas «Reisefieber»?
Es gab noch einiges zu tun: Dinghi wassern und den Motor anbringen, an Land fahren, 2 Dollar Dinghisteggebühren pro Person bezahlen, ausklarieren, Brot und Gemüse einkaufen und noch kurz das Internet nutzen.
Zurück bei Regina musste der Dinghimotor wieder an den Heckkorb, das Dinghi aufs Vorschiff, die Luft rausgelassen und zusammengefaltet und vor dem Mast festgezurrt werden. Dann kam das Ruder des Windpiloten ins Wasser und dazu ein letzter Schwumm im 28 Grad warmen Wasser.
Endlich waren wir soweit und konnten die Leinen von der Boje lösen und lossegeln. Der Himmel war blau, das Meer noch blauer, der Wind blies mit ca. 16 Knoten von Ost und wir kamen gut voran. Bis zur nördlichsten Insel der BVI Anegada waren noch Segelboote zu sehen und ständig einer am Funk zu hören, dann wurde es ruhiger.
Weil es um die Inseln nur etwa 20 m Tief ist und es dann sehr schnell bis 5000m abfällt, gab es nördlich von Anegada unangenehme Wellen und entsprechendes Geschaukel. Aber nach einer Stunde war das gröbste vorbei. Wir fuhren Halbwind und so lag Regina besser im Wasser als bei der Atlantiküberquerung. Das Boot rollte nicht so, aber es schaukelte trotzdem.
Wir waren ganz allein. Ein Frachter war mal am Horizont zu sehen, sonst nur Himmel und Meer. Am Funk war es still.
Vor der Nacht wurde noch gerefft.


Vor Sonnenuntergang auf hoher See, immer wieder spannend

04.05.2017 auf See - auf See, sm.
Wetter: .

Wetter bleibt so

Zutun gab es nachts nichts, zu sehen war ausser Mond und Sternen auch nichts. Und trotzdem wechselten wir uns ab mit der Wache. Einmal war in weiter Ferne ein Frachter auf dem AIS zu erkennen. Gegen morgen wurde es draussen doch etwas kühl (im Boot hatte es noch 26 Grad) und zum ersten Mal brauchte es wieder einen Pulli.
In der Morgenwache sandte Toni mit einer Mail übers Iridium die Position an unsere Wetterfee, und etwas später erhielten wir auch Antwort, dass es immer noch gut sei.
Der Tag verlief unspektakulär. Es war kein einziges Schiff mehr zu sehen. Es wurde wieder sehr warm und wir waren froh um unser Bimini (Sonnendach). Am Abend frischte der Wind auf und wir refften. Und für die Nacht kam noch ein 4. Reff ins Grosssegel. So fuhren wir in die Nacht.


Wasser, Horizont, Himmel, alles blau: unsere aktuelle Aussicht

05.05.2017 auf See - auf See, sm.
Wetter: .

Wasser, Wellen, Himmel und Wölkchen

Nachts zogen Wolken auf und es kam ein Regenschauer mit Böen bis 22 Knoten. Zum Glück fuhren wir schon sehr gerefft. Der Windpilot brauchte dabei etwas Unterstützung, aber das kennen wir ja. Am Morgen lag ein fliegender Fisch an Deck. Hier fliegen aber nicht mehr so viele Fische. Die Wassertemperatur ist auch schon auf 26 Grad gesunken. Die Temperatur nachts wird spürbar frischer.
Am Morgen wiederum eine Positionsmeldung an Wetterwelt, aber wie abgemacht kein Feedback, wenn alles noch im grünen Bereich liegt.
Viel zu sehen gab es nicht, nur Wasser, Wellen, Himmel und Wölkchen. Viel zutun gab es auch nicht! Wir waren beschäftig mit Nach- oder Vorschlafen, den Wellen zuschauen, Segel trimmen, lesen oder träumen, und mit Mahlzeiten zubereiten. Aber erfahrungsgemäss essen wir unterwegs nicht viel, kleine Portionen genügen.


Elisabeths Blick aus dem Cockpit zu Toni, der das fliegende Kutterstag und das Kutterstagsegel vorbereitet

06.05.2017 auf See - auf See, sm.
Wetter: .

Ganz allein

Der Wind blies konstant mit 4-5 bf. Wir waren hier ganz alleine, kein Schiff weit und breit und am Funk war es still. Regina fuhr mit 5-6 kn durchs Wasser.
Am Abend nahm der Wind zu. Das Vorstag wurde gesetzt und die Fock angeschlagen und dann um Mitternacht auch gesetzt, weil der Wind auf über 22 Knoten auffrischte und das Tief im Norden noch mehr Wind erwarten liess. Doch kaum war die Fock gesetzt und die Genua geborgen, nahm der Wind wieder ab und wir fuhren nur noch mit 4 Knoten durch die Nacht. Zum Schlafen war es aber angenehmer.


grau und trüb, solches Segeln ist in der Karibik nicht üblich

07.05.2017 auf See - auf See, sm.
Wetter: .

Keine Sonne

Wir kamen immer langsamer vorwärts, weil der Wind immer mehr nach Süden drehte und somit von achtern kam. Diesen Wind mag Regina nicht so, sie fängt bei den kleinsten Wellen an zu rollen und wird langsam. So machten wir weniger Geschwindigkeit und auch weniger Meilen. Es war auch nicht der richtige Wind, bzw. zu grosse Wellen für den Gennaker oder den Spi. Die Kunst besteht darin, die Segelstellung und den Kurs so zu finden, dass wir immer noch in die richtige Richtung fahren, mit einer akzeptablen Geschwindigkeit, die offenen Segel wegen den Wellen / dem Schaukeln aber noch nicht schlagen.
Der Himmel war den ganzen Tag bedeckt, die Sonne war nicht zu sehen und die Temperatur deutlich tiefer. Zwischendurch gab es auch Regentropfen, alles in allem war es sehr feucht. Das war offenbar ein Teil des Ausläufers der angekündigten Kaltfront.
Drei Frachter bzw. Tanker tauchten im Laufe des Tages im AIS auf, einer konnte knapp gesehen werden und einmal waren Stimmen im Funk zu hören. Also waren wir nicht mehr ganz alleine hier.
Gegen den Abend nahm der Wind immer mehr ab, und wir refften wieder aus. In die Nacht fuhren wir dann mit dem Genua1 und im Gross2. Gleichzeitig drehte der Wind ganz langsam immer mehr nach Süd, d.h. unser Kurs wurde immer mehr NE und wir kamen von der Ideallinie etwas ab. Der Wind soll weiter drehen bis W, so werden wir morgen eine Halse machen und dann auf dem anderen Bug nach Norden fahren, vielleicht geht es sogar mit dem Gennaker oder Spi.


Alles wird nass bei diesen Platzregen: der Steuerkompass

08.05.2017 auf See - auf See, sm.
Wetter: .

Nass in der Kaltfront

Nun, gerade beim Sonnenuntergang sahen wir die Sonne für eine Minute, sonst war es grau, nass, trüb wie im November zu Hause gewesen. Schon in der Nacht sahen wir den Mond nie. So gegen 12 Uhr, am Ende der Elisabeth-Schicht, begann es zu regnen, wie wir es schon sehr lange nicht mehr erlebt haben. 1 Stunde lang prasselte der Regen runter, und der Wind drehte um mehr als 90 Grad und pustete mit über 20kn. Auch die folgenden 2 Stunden regnete es tüchtig, der Wind war aber normaler, zwischendurch fiel er ganz aus. Wir kamen uns vor wie in Norwegen, Oelzeugs und Fasi darunter, und trotzdem wurden wir nass.
Das war also der «Ausläufer» der Kaltfront. Zum Glück waren wir nicht mitten in der Front bzw. im Tief nördlich von Bermuda. Der Wind blieb dann auf Süd, drehte ganz langsam nach SW, war aber schwach bis sehr schwach. Zwischendurch musste der Motor helfen, denn die Wellen waren auch noch recht hoch, da geht Segeln nicht mehr, da schlägt es die Segel nur so von links nach rechts und zurück.
Mit dem Eindunkeln bzw. nach dem Sonnenuntergang hatten wir Wind mit 8-10kn von SSW, die Wellen wurden immer sanfter, also vielleicht eine recht angenehme kommende Nacht, wenn auch nicht schnell.
Ziemlich sicher reicht es nicht mehr für eine Ankunft morgen Abend. So fahren wir auch nicht dringend sehr schnell, sondern nachts weiterhin vorsichtig gerefft, das Zollbüro macht am Mittwochmorgen erst um 8 Uhr wieder auf.


in weiter Ferne überholt uns ein Segelboot unter Motor

09.05.2017 auf See - auf See, sm.
Wetter: .

Windschwach und ein Segelboot

Seit längerem hatten wir kein Schiff mehr gesehen und der Funk war auch still. Heute morgen konnte das Bermudaradio schwach empfangen werden, und das Navtex kann nun auch wieder Wettermeldungen empfangen.
Bis 7 Uhr konnten wir segeln, dann schlief der Wind ein. Hoffentlich kommt er wieder! Mit der Motorenergie konnte dafür der Wassermacher den Wassertank wieder füllen. Die Sonne schien wieder, wie schön! Das gut gewaschene Boot, Sand, Staub und Salz sind weg, kann somit wieder abtrocknen.
Am späten Nachmittag funkte uns ein anderes Segelschiff an («sailing vessel, 75 miles south of Bermuda»), das ergab dann einen kurzen Austausch. Sie planen auch, am nächsten morgen dort anzukommen.
Etwas später konnten wir wieder segeln, allerdings langsam und nicht auf dem vorgesehenen Kurs (Wind NNW ca. 6-8kn). Erst nach dem Znacht gab der Wind definitiv auf und wir stellten wieder auf Dieselenergie um. In der Zwischenzeit überholte uns das andere Segelschiff, allerdings sahen wir es nur am Horizont, ein Zweimaster, im Sonnenuntergang.


Einfahrt zum St. George Harbour (Town Cut) auf Bermuda

10.05.2017 auf See - St. George, Bermuda, 875 sm.
Wetter: Regen und Sonne, viel und kein Wind.

Bermuda erreicht

Viel Schlaf gab es diese Nacht nicht. Einerseits geht es nicht immer, auf Kommando zu schlafen, andererseits war die Fahrt dann holprig wegen den Wellen und dann schläft keiner gut.
Der Wind drehte diese Nacht auch ständig, von NW über NNE nach NE und dann noch auf SSW, und alle diese Winddreher waren für unseren Windfahnenpiloten nicht geeignet, man musste die Richtung immer wieder händisch korrigieren (sonst wären wir mit dem Wind wieder zurück gefahren).
Ab 3 Uhr konnte nicht mehr gesegelt werden, der Wind war zu schwach, der Gegenstrom zu stark, bzw. der Golfstrom machte seine bekannten Dreher, und komische steile Wellen kamen aus allen Richtungen und das bremst. Auch unter Motor ging es nicht so schnell vorwärts.
30 sm vor der Insel musste man sich über Funk anmelden. Das war bei uns etwas nach 4 Uhr in der Nacht fällig. Die Insel ist von Riffen umgeben und viele Wracks liegen auf Grund, und es soll nicht noch mehr geben! So sind sie hier sehr streng und kontrollieren mit Radar. Aber der «Funkkontrolleur» war sehr freundlich und geduldig. Aber was er alles von uns wissen wollte!! Welche Rettungsinsel wir haben, welche Iridiumnummer, ob wir eine Seekarte hätten, ob alle gesund sind usw.
Und beim Leuchtturm Saint Davids mussten wir uns nochmals melden, denn der Einfahrtskanal zur Lagune des St. George Harbour ist sehr schmal und wenn dann ein Kreuzfahrtschiff entgegenkommt, ist kein Platz mehr für ein Segelschiff.
Wir fuhren direkt zum Zollsteg. Die sehr freundliche Zöllnerin kam heraus und fragte, ob wir Tiere an Bord hätten. Aber wir haben keine, nicht einmal Kakerlaken!! (Zum Glück konnten wir das vermeiden, viele Boote haben dieses Problem, wenn Eier eingeschleppt werden, dann sind schnell Hunderte von diesen Tierchen überall). So war das Einklarieren hier sehr angenehm, beim Ausfüllen der Formulare hat sie sogar eines ausgefüllt. Sie kam zum Verabschieden nochmals mit auf den Steg und erklärte, wo im Städtchen was zu finden ist, und wenn wir Fragen hätten, sollten wir einfach wiederkommen. Wir fühlten uns sehr willkommen hier auf Bermuda.
Schnell ging es noch zum nahen Supermarkt und dann suchten wir uns einen Ankerplatz in der Lagune. Es ankern schon viele Segler hier, vor allem in der Nähe des Piers und Zolls. Der Wind nahm zu, Böen bis 28 kn, es regnete dazu, aber da war unser Anker schon fest eingegraben, gerade vis-à-vis des Zolls bei viel Platz um uns in der Powder Hole auf 10m Tiefe. Nach dem Zmittag gab es ein Schläfchen und den Rest des Nachmittags verbrachten wir auf dem Boot. Die Wellen in der Bucht hatten Schaumkrönchen (immer zwischen 15 und 20 kn) und eine Dinghifahrt wäre sehr nass geworden. Die Temperatur hier ist wesentlich tiefer als in den BVI, die 24 Grad im Boot empfinden wir als angenehm kühl, draussen im Wind ist es richtig frisch, Faserpelzwetter.


Die fröhlichen Farben der Häuser und die weissen Dächer charakterisieren St. George auf Bermuda

11.05.2017 St. George, Bermuda - St. George, Bermuda, 0 sm.
Wetter: .

St. George, Bermudas ehemalige Hauptstadt

Die Nacht war kühl. Jetzt brauchen wir wieder eine Decke! Wir konnten ausschlafen und nach 9 Stunden durchschlafen fühlten wir uns wieder fit.
Heute war es schwachwindig und die Dinghifahrt ans Land war trocken. Das Städtchen St. George ist sehr hübsch und gepflegt. Die Häuser sind alle farbig gestrichen: rosa, violett, blau oder grün und haben weiss gestrichene Dächer (sieht von der Ferne aus wie frisch geschneit). Es gehört seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe und es gibt viele alte Häuser. Die Geschichte, Baujahr, Erbauer und Besitzer sind auf einer Informationstafel zu lesen.
Es kommen viel Touristen hierher, am Vormittag war die Fähre voll mit amerikanischen und japanischen Kreuzfahrern. Auch gibt es entsprechend viele Souvenirgeschäfte, die T-Shirts, Bermudas (ja, die kurzen Hosen!), Schmuck und Krimskrams verkaufen. Sehr weitläufig ist der Ort nicht, so hatten wir bis gegen Mittag mehr oder weniger alles gesehen. Auch gibt es einen Rohbau einer gotischen Kirche, die aber nie fertig gebaut wurde. Am kleinen Badestrand auf der Westseite der Insel waren sogar einige Leute am Schwimmen, obwohl es nicht heiss war, denn die Sonne zeigte sich nicht.
Am Nachmittag waren wir zurück auf dem Boot. Da es windstill war, konnten wir die Genua herunternehmen, die Schrauben am Furlex richtig anziehen und die Genua wieder hochziehen. Auch am Windpilot gab es Schrauben zum Nachziehen und sonst noch einiges mehr zu tun.
Auch am Abend war es windstill und die Frösche und Zikaden waren zu hören und der Vollmond war zu sehen.


die gestrandete Nachbar-Yacht an unserem Ankerplatz in St. George Harbour, Bermuda

12.05.2017 St. George, Bermuda - St. George, Bermuda, 0 sm.
Wetter: stürmisch.

Sturm und Buchtenhorror

Der Starkwind war schon für die Nacht angesagt, aber er hatte etwas Verspätung und kam erst am Morgen. Das war gut so, wir schliefen gut.
Nach dem Frühstück gings los. Der Wind frischte auf und schnell hatten wir über 30 Knoten, das Maximum sollten dann 46 Knoten werden.
Über Nacht waren noch einige Boote der ARC eingetroffen und im Laufe des Vormittags kamen immer mehr, die auch noch einen Ankerplatz suchten. Die Bucht füllte sich.
Als der Wind loslegte, lösten sich mehrere Anker. Die Schiffe kamen sich furchterregend nahe, wenn sie bei fast 40 kn Wind quer durch die Bucht drifteten, aber alle Crews waren bereit und konnten entsprechend reagieren. Und später drehte der Wind innert 20 Minuten noch um 180 Grad, wiederum gab es Driftende, auch unser Anker löste sich, um sich aber sofort wieder einzugraben. Ein wertvolles Stück ist so ein Rocna-Anker! Der Zweimaster, der recht nah hinter uns stand, war zum Glück schon vorher geflüchtet, weil sein Anker nicht gehalten hat.
Dann kamen die Böen mit über 40 Knoten und einmal war sogar eine 46 auf dem Display zu sehen. Auch unser Adrenalinspiegel stieg. Plötzlich sahen wir eine Segeljacht, die näher am Ufer stand und zur Seite kippte. Sie war in den Steinen gestrandet! Zwar kam später das Rescueboot und auch andere kleine Motorboote, aber helfen konnte im Moment keiner. Erst am Nachmittag wurden die beiden Männer abgeborgen, das Boot hängt jetzt noch immer schräg in den Steinen, mit der Ebbe furchterregend hoch oben. Ein schrecklicher Anblick.
Am Nachmittag liess der Wind etwas nach, wir konnten uns wieder entspannen, die Schwerwetterkleidung und die Schwimmweste wieder ausziehen.


Ein Americas Cup Racer im Training direkt neben uns, Blick von unserem Cockpit ins andere Cockpit hinüber.

13.05.2017 St. George Harbour - Hamilton Harbour, Hinson Island, 16 sm.
Wetter: schön, W-NW 2.

Gemütliche Fahrt zum Americas Cup

Wir nahmen den Anker gleich nach dem Zmorge hoch. Er war tief eingegraben und dick mit Lehm verpackt. Die Ankerwinsch musste hart arbeiten. Dann mussten wir uns beim Bermuda Radio, dem Funkturm melden, damit wir abfahren durften. Der Herr war wieder sehr freundlich.
Der Wind war eher schwach, aber die Strecke war zum Teil segelbar. Die Sonne schien. Wir fuhren den Bojen und Quadranten entlang und vor der Einfahrt zur Stadt Hamilton kam uns der englische Katamaran des Americas Cup entgegen. Sie konnten bei dem wenigen Wind noch trainieren und segeln, und das sogar schnell. Das Segelschiff wurde von 3 Motorbooten begleiten. In zwei Wochen beginnt hier auf Bermuda das Rennen um die Kanne.
In der Bucht von Hamilton suchten wir uns einen Ankerplatz gemäss Seekarte. Dummerweise hatten wir heute für die kurze Strecke das Dinghi nachgeschleppt, wie es die meisten Segler hier machen. Beim Rückwärtsfahren, um den Anker einzugraben, passierte es: die Dinghileine geriet in den Propeller. Doch der Ropecutter machte seinen Job: die Leine wurde durchtrennt und das Dinghi wurde abgetrieben. Weil der Skipper nur langsam schwimmt und gar nicht taucht, musste Skipperin 2 ins Wasser. Der Wind war ja zum Glück nicht stark, so konnte das Bötchen schnell eingeholt und zurückgezogen werden. Jetzt musste noch der Propeller angeschaut werden. Tatsächlich war die Leine 3x um die Propellerachse gewickelt und 1x um einen Flügel. Nach 3 Tauchgängen war die Leine entwickelt und anschliessend gab es eine warme Dusche am Heck.
Dann kam ein Einheimischer. Das Gespräch beginnt immer so: «you have a nice boat». Aber er wollte uns nur sagen, dass wir hier wegen des nächtlichen Motorbootverkehrs nicht ankern sollten. Wir schwatzten noch eine Weile und verlegten anschliessend in die Bucht nebenan.
Die Dinghifahrt zum Städtchen war lang und wegen der schnellen Motorboote sehr holprig und schaukelig, so dass man seekrank hätte werden können. Die Stadt ist sehr sauber und gepflegt, chic, grosszügig und weitläufig. Es gibt viele schöne Häuser und Schaufenster zu sehen, und eben auch viele anonyme Bürohäuser. Und wie in einer richtigen Stadt gibt es auch Kunstwerke, die die Stadt verschönern. In einer Stadt von dieser Grösse waren wir schon lange nicht mehr. Wir genossen die Aussicht vom Fort.
Nach einem Einkauf kehrten wir zum Boot zurück. Auch hier hat es astronomische Preise (der Salat 6 Dollar, ein grosses Joghurt 10 Dollar, ein Pfund Tomaten ebenfalls 10), dafür gab es wirklich alles, Erdbeeren, Rosenkohl, Speckwürfeli, Rosinenbrote, eine riesige Käseauswahl, sogar ein Emmi-Käsefondue.
Es ankert hier sonst keiner, die Fahrtensegler bleiben anscheinend alle in St. George. Es gibt auch mehrere Marinas, aber dort kostet eine Nacht 3-5 Dollar pro Foot (Regina ist 41 feet lang, man rechne).


Sonnenuntergang, Sicht aus unserem Cockpit bei Hinson Island, Hamilton, Bermuda

14.05.2017 Hamilton Harbour, Hinson Island - Hamilton Harbour, Hinson Island, 0 sm.
Wetter: meist grau, selten Sonne, SW4-5, in Böen 6, kaum Regen.

gemütliche Ankerwache

Ab Nachmittag war wieder Starkwind angesagt, und dazu Regen. Am Vormittag versetzten wir den Anker, damit wir beim Windwechsel nicht zu nahe am Ufer sein würden. Aber es regnete den ganzen Tag nicht. Der Wind blies, aber nicht so stark wie am Freitag. Wir waren auch gut geschützt zwischen den Inseln. Wir blieben zur «Ankerwache» auf dem Boot.
Der Tag verging mit Büroarbeiten, kleinen Arbeiten am Schiff, Lesen, Brötchenbacken und Ausruhen. Am Nachmittag kam noch ein Zweimaster als Nachbar, der in der Nähe ankerte.
Wir konnten wie schon gestern einen spannenden und wunderschönen Sonnenuntergang bewundern.


Die Gemäuer der alten militärischen Bauten der Royal Naval Dockyard auf Bermuda werden nun renoviert und für den Tourismus verwendet.

15.05.2017 Hamilton Harbour, Hinson Island - Hamilton Harbour, Hinson Island, 0 sm.
Wetter: schön und angenehm windig aus SW.

Royal Naval Dockyard

Nach dem langen Ausschlafen liessen wir gerade den Wassermacher laufen, die Batterie war knall voll vom nächtlichen Windgenerator-Betrieb. Aber bald fuhren wir zur Stadt Hamilton hinüber, zum gleichen Dinghiparkplatz wie vorgestern, und dann mit der Fähre nach Dockyard am Westende von Bermuda.
Die Dockyards wurden im 19. Jdt. vom englischen Militär (bzw. von britischen Gefangenen) gebaut und genutzt, seit etwa 1951 sind sie verlassen und werden nun renoviert und für den Tourismus neu genutzt. Die Bauten sind sehr eindrücklich, sehr stabil und markant grösser als jene in Antigua, und trotz der neuen Nutzungen sehen die Häuser sehr original aus. Genutzt werden sie für Restaurants, Boutiquen, Mall, Souvenirläden und sonstige Einrichtungen. Es gibt auch ein Minigolf, einen Strand mit Aktivitäten (Snorkeling) und ein Becken, wo man mit Delphinen mitschwimmen kann. Hier wurde auch das Terminal für die Superkreuzfahrtschiffe gebaut, es können jeweils zwei gleichzeitig anlegen und ihre Passagiere ausspucken. Viele bleiben sicher hier und «geniessen» die Tourismusumgebung, aber mit der Fähre gelangt man schnell nach Hamilton oder auch St. George, auch öffentliche Busse (und natürlich die Tourbusse und Sightseeings und Adventures) hat es zur Genüge. Das Museum von Bermuda ist auch hier im Fort untergebracht.
Wir machten einen Spaziergang zum Hafen für den Americas Cup. Die Boote (der Defender Oracle und die 5 Herausforderer von England, Schweden, Japan, Frankreich und Neuseeland) waren allerdings alle auf dem Wasser und segelten / trainierten in der grossen Bucht gerade dahinter. Die Besuchereinrichtungen waren noch nicht fertig. Aber für jedes Team hatte es mehrere Hallen und am Wasser einen Kran. Den Kran braucht man, um den Mast samt Segel zu setzen bzw. zu entfernen, die Segel sind nicht wirkliche Segel, sondern wie Flugzeugflügel starr, aber einstellbar.
Nach der Fährenfahrt zurück spazierten wir nochmals durch Hamilton und fanden diesmal einen sehr guten Supermarkt mit «normaleren» Preisen, hier füllten wir dann auch gleich den Rucksack, denn bald brauchen wir wieder einen Vorrat auf dem Schiff für die lange Überfahrt.


Blick aus dem Küchenfenster zur Waterfront von Hamilton, Bermuda

16.05.2017 Hamilton Harbour, Hinson Island - Hamilton Harbour, Hinson Island, 0 sm.
Wetter: schön, leicht bewölkt, NW3-4.

Schiffstag

Eigentlich hätten wir heute eine kleine Velotour machen wollen. Aber der Wind hatte gedreht. So setzten wir den Anker neu. Dazu kamen die Wellen von draussen in die Bucht und hatten wieder Schaumkrönchen. Die Fahrt zur Stadt ist aber weit und schauklig. Zwar hatten wir uns gestern auf dem Rückweg noch umgeschaut, wo wir sonst noch mit dem Dinghi an Land könnten. Aber wir hatten keine passende Stelle gefunden. Am Fähranleger dürfen wir nicht festmachen und sonst waren alle Stege privat.
Hier darf man pro Haushalt nur ein Auto haben, so haben die Leute eben Motorboote vor ihrem Hause am Steg. Mit diesen rasen sie durch das Wasser, und produzieren Schwell. Bermuda besteht aus ca 150 Inseln, die grossen sind mit Brücken verbunden und die kleine, vor der wir ankern, hat keine Strasse, obwohl sie bewohnt ist. Dafür ist der öffentliche Verkehr mit Bus und Fähren gut ausgebaut.
Die Leute hier scheinen nicht arm zu sein. Die Villen sind teilweise riesig. Die Geschäftsherren von Banken, Versicherungen und anderen Büros tragen Anzüge mit Kravatten, aber nicht mit langen Hosen, sondern mit Bermudas. Dazu blaue Socken, teilweise Kniesocken und Halbschuhe, der Anblick ist gewöhnungsbedürftig.
Den Tag verbrachten wir auf dem Boot, zutun gibt es immer genug, und sonst ruhen wir aus für die nächsten Wochen.


Ausblick vom «Gibbs Hill Lighthouse» über ganz Bermuda mit den unendlich vielen weissbedachten Häuser und der Inselwelt um Hamilton

17.05.2017 Hamilton Harbour, Hinson Island - Hamilton Harbour, Hinson Island, 0 sm.
Wetter: schön, NE-E 1-2.

Velotour zum Leuchtturm Gibbs Hill

Heute gabs keine Wellen in der Bucht von Hamilton. Also kamen die Velos aus der Achterkabine hinauf ins Cockpit und hinein ins Dinghi. So fuhren wir zur Stadt. Zwischendurch kam immer wieder so ein wellenproduzierendes Motorboot vorbeigerast und brachte unser Bötchen zum Schaukeln. Es war gerade Niedrigwasser und die Velos mussten weit zur Mole hinaufgestemmt werden, wo sie aufgeklappt wurden.
Lange suchten wir den Laden, wo die Telefonkarte fürs Internet aufgeladen werden konnte. Dann fuhren wir los. Stadtauswärts, links natürlich, auf der Hauptstrasse mit viel Verkehr. Froh waren wir, als wir zum «Railtrail» abbiegen konnten. Früher fuhr hier der Zug für die landwirtschaftliche Versorgung, jetzt ist es ein Naturweg für Fussgänger und Velofahrer und Reiter und Jogger. Auf beiden Seiten waren oft Büsche, Palmen, Philodendren, Hibiskus und andere Pflanzen, die bei uns Zimmerpflanzen sind. Zwischendurch gab es Tore mit einem Durchgang und einer Metallstufe, um zu verhindern, dass die Motorroller auch hier fahren. Jedes Mal musste angehalten und das Velo hinübergehoben werden. Wenn der Weg steiler wurde (hinunter zu einem Tobel und dann wieder hinauf, gab es Stufen und für die Velos eine Rampe zum Schieben (wahrscheinlich waren hier früher Brücken). Ab und zu war der Weg so sandig, dass wir auch nicht fahren konnten. Steil ging es zum Leuchtturm «Gibbs Hill Lighthouse» hinauf ganz im Südwesten Bermudas im Southamton Parish, zum Schluss gab es noch eine Treppe und es wurde sehr heiss.
Auf einer Bank machten wir im Schatten Pause und genossen die Aussicht auf die Insellandschaft und die Korallenriffs weit ins Meer hinaus. Dann stiegen wir noch auf den Leuchtturm, wo die Aussicht noch besser war. Wir staunten über die vollständige und dichte Besiedlung der Insel. Es war ein prächtiger, sonniger Tag (allerdings nicht für Segler: fast kein Wind).
Zurück fuhren wir der Küstenstrasse entlang mit Aussicht auf die vielen Inseln, wo wir auch ankerten.
In der Stadt nutzten wir die Gelegenheit zum Grosseinkauf und füllten unsere Rücksäcke und zwei Taschen, so konnten wir aber nicht mehr auf unseren Velos fahren, wir schoben sie zum Fähranleger (mit Free Internet) und luden dann alles ins Dinghi. Schwer beladen tuckerten wir quer durch den Harbour zu unserer Insel und waren froh, als wir unsere Regina erreichten, ziemlich müde von der Velotour, dem Stadtbetrieb und der Wärme. Die Velos wurden in der Achterkabine versorgt, das Dinghi kam wieder aufs Vordeck, der Motor an den Heckkorb, denn morgen geht’s zurück nach St.George.


Eines der alten renovierten Häuser der Weltkulturerbe-Stadt St. George auf Bermuda

18.05.2017 Hamilton Harbour, Hinson Island - St. George, Harbour, 18 sm.
Wetter: schön, Wind Variable 1bf.

Zurück nach St. George

Wir hoben den Anker gleich am Morgen und fuhren los, nordwestlich um Bermuda rum und an der Rennstrecke des Americas Cup entlang. Das Wasser war flach und der Motor war im Einsatz. Auch ausserhalb der Lagune war der Wind zu schwach zum Segeln. Wir stecken wirklich in einem Bermudahoch (1028mbar). Es kamen uns auffallend viele Megayachten entgegen, wie wenn es für sie einen wichtigen Anlass gäbe ;-)
In der Bucht von St. Georg ankerten wir fast an der gleichen Stelle wieder. Dann ging es mit dem Dinghi ans Land mit zwei Säcken Wäsche, die gewaschen werden musste. In der Self-Service-Loundry waren viele Waschmaschinen frei, allerdings mussten erst Bermudadollar beschafft werden, US-$ gehen nicht. Zwischen Waschen und Trocknen konnten wir die Zeit im Internetcafe verbringen.
Wir hatten die «Anima» an der Mole gesehen, aber Martin war nicht da. So gings zurück zum Boot, wo der Rest der Wäsche noch getrocknet werden konnte (die Bermudadollars waren schnell aufgebraucht). Am Abend machten wir noch einen Besuch bei Anima.
Auch hier ist es praktisch windstill. Aber der Wetterbericht sieht nicht schlecht aus, auch wenn wir den ersten Tag wegen Schwachwind nach Norden aus dem Zentrum des Hochs hinaus zum Westwind motoren müssten. Wahrscheinlich können wir morgen losfahren.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.