im Blickfeld: Segel-Blog Karibik 2017


Logbuch Etappe 24 Karibik 2017, Antigua

von Deshaies, Guadeloupe nach Five Island Harbour, Antigua 

(04.02.2017 - 15.02.2017), Anzahl Tageseinträge: 12


Von diesem 16-m-Schiff wurden wir beim Atlantiksegeln zwischen Guadeloupe und Antigua überholt

04.02.2017 Deshaies, Guadeloupe - Falmouth Harbour, Antigua, 44 sm.
Wetter: E5, schön.

Segeln vom Feinsten

Wir standen vor Sonnenaufgang auf. Anfangs hatte es wenig Wind, dafür viel Welle von vorne. Das bremste und Regina machte kaum Fahrt. Nachdem die Inselabdeckung passiert war, kam aber der Wind, so wie Regina ihn am liebsten mag, Halb- und Am-Wind mit bis zu 20 Knoten und wir fuhren mit 7 bis 8 Knoten Speed. Allerdings war ein 16-Meter-Schiff schneller und überholte uns. Fliegende Fische waren zu sehen, aber sie fallen am Tag nicht aufs Deck.
Zwei grosse Wellen kamen bis ins Cockpit. Aber unter der Sprayhood blieb ich schön trocken, während Toni am Steuer eine Salzwasser-Dusche bekam.
Schon am frühen Nachmittag kamen wir nach Antigua. Vor der Insel war gerade eine Regatta mit riesigen Yachten. Die erste Ankerbucht English Harbour war dem Skipper zu voll, so motorten wir noch um die Südspitze zum Falmouth Harbour. Dort war dann noch viel Platz, wenn auch schon viele Boote vor Anker lagen.
Wir hatten die gelbe Q-Flagge unter der Gastlandflagge gesetzt, wie es sich gehört und wasserten das Dinghi und fuhren zum Hafen zum Einklarieren. Dort waren schon andere Segler vor uns. Das Büro macht um 5 Uhr zu, glücklicherweise konnten wir vorher alles erledigen. Hilfreich und zeitsparend ist auch, dass man vorher übers Internet alle Daten eingeben kann, was Toni heute morgen früh noch vor dem Zmorge machen konnte.
Auf dem Rückweg sahen wir ein Ruderboot ausgestellt, mit dem ein Ruderer 2002 von La Gomera (Kanarische Insel) bis hierher gerudert ist (das dauerte von Januar bis Mai). Eine modernere Version für 6 Ruderer haben wir schon im Hafen von Pointe-à-Pitre gesehen. Wie kann man sich das nur antun, über den Atlantik zu rudern? Segeln ist schon anstrengend genug, mit Rudern werden täglich 8000 kcal verbraucht und der Ruderer verlor 20 kg Körpergewicht.
Zurück auf dem Boot wurde Regina vom Salz befreit. Abends kam dann noch ein kurzer Regenguss.


Nelsons Dockyard, Unesco-Weltkulturerbe, das auch für Megayachten genutzt werden kann

05.02.2017 Falmouth Harbour, Antigua - Falmouth Harbour, Antigua, 0 sm.
Wetter: schön, mit einigen Regengüssen.

Pausetag mit Unesco-Kulturerbe

Das grosse 5-Mast-Kreuzfahrtschiff, wir sahen es schon mehrmals, war schon dabei, seine Passagiere auszubooten, als wir beim Zmorge sassen und nebenbei Buchtenkino schauten. Es gibt hier immer viel zu sehen.
Und dann war klar, dass auch wir ein Problem mit dem WC haben. Lotta, du bist nicht allein und ihr habt es schon hinter euch!! Alles spülen, jede Essig- oder Fäkalientankreinigerkur, die bisher geholfen hatte, scheint jetzt nicht mehr zu wirken.
Erst am Nachmittag fuhren wir an Land, um das Internet zu nutzen und die Hafenanlagen «Nelsons Dockyard» das seit 2016 zum Unesco Kulturerbe zählt, zu besichtigen. Teilweise sahen wir es ja schon gestern. Die Gebäude sind wirklich gut erhalten (bzw. renoviert bzw. neu gebaut) und werden noch genutzt (mit aktuellen Nutzern wie Museum, Chartergesellschaft, Zoll, Bäckerei, Restaurant, etc.).
Auch sahen wir uns die Mega-Riesenyachten an, die dort im Hafen liegen (Motor- und Segelyachten). Wirklich riesige Modelle, und jedes grösser als die Dampfschiffe vom Zürichsee! Teilweise ankern sie auch in unserer Bucht und nachts sind Mast und Saling beleuchtet.
Bevor es dunkel wurde, waren wir wieder auf dem Boot.

Links für weitere Informationen:
Nationalpark Antigua


Kite-Surfer geniessen den Wind und das glatte Wasser hinter den Riffen und wir die Aussicht von unserem geankerten Schiff: Nonsuch Bay, Green Island, Antigua

06.02.2017 Falmouth Harbour, Antigua - Nonsuch Bay, Green Island, 18 sm.
Wetter: E5-6, meist schön, aber auch grosse Regengüsse.

Hartes Hart-am-Windsegeln

Unser WC-Problem löste sich noch am späten Abend: es machte «rumps» und der Fäkalientank war wieder leer!! Aber natürlich muss trotzdem hier die Leitung gewechselt werden.
Wir nahmen noch das Dinghi an Deck und dann hoben wir den Anker. Gleich wurden die Segel gesetzt und wir segelten aus der Bucht. Draussen war viel Wind und es hatte hohe Wellen.
Und dann machten wir, was Fahrtensegler nicht freiwillig machen: wir kreuzten hart am Wind bei 5-6 bf gegen Strom und Wellen. Und dann kam ein Regenschauer mit Starkwindböen bis zu 28 Knoten. Wir hatten schon 2 Reffs in Gross und Genua und konnten noch schnell das Gross ins 3. Reff einrollen.
Nach mehreren Wenden mit einem schrecklichen Wendewinkel (wegen des Stroms) passierte es: plötzlich kippte die Stange des Windgenerators um und der Windpropeller hing schräg an Deck zum Baum geneigt, die Flügel blockiert. Zum Glück ist er uns nicht auf den Kopf gefallen! Wie sind wir erschrocken! Der Wind hatte wieder etwas nachgelassen, blies nur noch mit 20 Knoten und wir konnten die Stange und den Generator irgendwie festbinden und sichern.
Nach 4 Stunden kamen wir zur Nonsuch Bay und Green Island und zu unserem Ankerplatz mit vielen Kitesurfern. Zwischen uns in der Bay und dem Atlantik hatte es ein riesiges Korallen-Riff, welches uns vom Atlantikschwell abschirmte, hellblau schien es, hier praktisch keine Wellen, und trotzdem den Passat-Wind von Osten. Es gab sogar mehrere freie Bojen und wir konnten an einer festmachen.
Der Nachmittag ging vorüber mit Windgenerator demontieren und versorgen. Eine Stange ist ziemlich verbogen und kann nicht mehr verwendet werden. Und 3 Flügel des Windgenerators haben einen Hick in ihrem Profil aus der harten Berührung mit dem Baum.
Drei Runden ums Boot schwimmen mit nur einer Flosse (wegen der gebrochenen Zehe) und Besichtigung der Bojenkette war bei dem Wind und den Wellen ziemlich anstrengend. Aber hinter uns ist ein Riff, die Pelikane fischen dort, und dorthin wollen wir nicht getrieben werden.
Der Wind pfiff und rüttelte am Boot und abends bekam Regina ihre nötige Süsswasserdusche gleich mehrmals.
Langsam haben wir das Gefühl, dass wir Ferien nötig hätten! Mal was anderes als segeln!


Antigua: der English Harbour bzw. Nelsons Dockyard ist gut durch diese alte Burgruine geschützt.

07.02.2017 Nonsuch Bay, Green Island - Falmouth Harbour, 9 sm.
Wetter: E5-6, am Morgen Regenguss, sonst meist sonnig.

Gute Aussichten

Schon am frühen Morgen, als es noch regnete, kamen die Kite-Surfer mit dem grossen Schlauchboot angebraust und wollten den starken Wind ausnützen. Die ganze Nacht über hatte der Wind mit 5-6 bf am Rigg gerüttelt und Wellen produziert, die hinter dem Riff zwar nicht gross, aber doch schon spürbar waren. Wir hatten hier offenbar die windigste Ecke von Antigua ausgesucht.
Eigentlich hätten wir heute um Antigua rundherum segeln wollen, wegen des Malheurs mit dem Windgenerator und dem unbefriedigenden Zustand mit dem WC gings wieder zurück nach English Harbour bzw. Falmouth Harbour. Diesmal war es gemütlicher, trotz 5-6bf Wind, denn der Wind kam von achtern, und das Genua im 2. Reff genügte für 6kn Speed.
Im English Harbour war es uns wieder zu eng, wir fuhren weiter zum Falmouth Harbour. Ungefähr am gleichen Ort wie vorgestern setzten wir den Anker, er hielt aber nicht, offensichtlich hat es hier Steine oder Korallen am Boden. Aber etwas entfernt fanden wir einen Platz, wo der Anker gut hielt.
Zuerst mit dem Dinghi, anschliessend eine halbe Stunde zu Fuss gingen wir zu der einen Werft, die die notwendigen Arbeiten machen könnte. Und tatsächlich, der Chef begrüsste uns herzlich und nett und sagte, morgen um 9:30 könne er das Schiff auswassern und die notwendigen Arbeiten machen (1. Unterwasser reinigen und Anoden ersetzen, 2. Motorservice mit Oelwechsel etc., 3. WC-Service und unteres Rohr auswechseln, 4. Neuinstallation Windgenerator; der Motorenservice evtl. erst am Donnerstag, wenn sein Facharbeiter hier ist). Wir waren ziemlich glücklich, dass das so einfach eingefädelt werden konnte.


Regina kommt raus bei Slipway in Antigua

08.02.2017 Falmouth Harbour - English Harbour, Slipway, 2 sm.
Wetter: schön und heiss, auf dem Meer E5-6.

Regina kommt raus

Um 9.30 Uhr sollten wir heute in der Werft Antigua Slipway sein, zum Auswassern. So waren wir früh aufgestanden, um noch alles um- und auszuräumen, den Anker zu heben und um die Bucht gegen den Wind mussten wir ja auch noch fahren. Sehr pünktlich waren wir bei der Werft. Aber die Arbeiter waren noch mit einem anderen Schiff beschäftigt. So warteten wir bis es fast Mittag war, bis Regina dann endlich dran war. Sie wurde sorgfältig auf den hydraulischen Slipwagen im Wasser gefahren, bzw. dann gezogen. Ein Arbeiter tauchte um zu kontrollieren, ob sie gut auf der Halterung fixiert ist, und dann wurde sie aus dem Wasser gezogen und auf dem Platz aufgebockt. Wir konnten sehen, dass die Anoden dringend ausgetauscht werden müssen. Auch sind einige Muscheln angewachsen, die auch wieder wegmüssen. Erst wurde mit Hochdruck abgespritzt und dann die Müschelchen einzeln abgekratzt, aber so, dass der Cooperbelag keinen Schaden nahm. Hier auf dem Platz wurde es am Nachmittag sehr heiss und im Boot hatten wir dann 31 Grad!! Die erfrischende Meerbrise fehlt und beim Ankern der Wind von vorne, der so angenehm ist.
Toni wanderte auf den Hügel Shirleys Heights nebenan und genoss die Aussicht. Dieser Hügel ist eigentlich die Befestigung des Hafens, oben hat es einige alte gut erhaltene (gepflegte) Häuser; der Hügel mit dem Fort gehört auch zum UNESCO-Kulturerbe. Elisabeth genoss die Werftdusche ausgiebig. Im WC gibt es, wie schon im letzten Hafen, leider Stechmücken. Auf dem Meer, wo es immer windet, sind wir davon verschont.
Abends sassen wir an Deck, wir kletterten über eine Leiter an Bord. Hier spürten wir ein angenehmes kühleres Lüftchen.
Morgen werden die Handwerker um 8 Uhr kommen.

Links für weitere Informationen:
Werft Slipway UNESCO: Antigua Naval Dockyard


Aufgebockt in der Werft: Regina in Antigua

09.02.2017 English Harbour, Slipway - English Harbour, Slipway, 0 sm.
Wetter: schön und heiss (31°C), fast kein Wind.

Werfttag und andere Tätigkeiten

So aufgebockt und ohne Schaukelbewegung schläft es sich anders, irgend etwas fehlt. Wir waren aber selbstverständlich um 8 Uhr parat, aber unser Techniker hatte Verspätung und war erst gegen 10 Uhr da. Hier geht alles etwas gemütlicher.
Und heute wurde die erste Tigermücke gesichtet! Aber auch die nicht-Tigermücken stechen, vor allem den Toni mögen sie besonders.
Die Gasflasche musste aufgefüllt werden und bis 10 Uhr an der Sammelstelle auf der anderen Seite der Bucht sein, übers Wasser eine kurze Strecke, zu Fuss aussen herum ca. 20 Minuten. Der nette «Taucherarbeiter» hatte gerade Zeit und fuhr Elisabeth hinüber, zurück lief sie dann zu Fuss, weil sie nicht so genau wusste, wie lange es dauern würde, bis sie die Sammelstelle gefunden hatte.
Der Tag war wieder heiss und ausgefüllt mit diversen Tätigkeiten. Der Goripropeller ist wieder blank und muschelfrei und kann sich wieder gut ein- und ausfalten. Der Motor hat jetzt frische Filter, gewechseltes Öl und auch aufgefülltes Kühlwasser. Und das Unterwasser glänzt schön im braunen Cuppercoat, fast alle Anoden sind schon gewechselt.
Am späten Nachmittag wanderten wir wieder ins Städtchen, schauten im Jachtshop vorbei, kauften dort noch nicht-metrische Imbusschlüssel und holten die wieder volle Gasflasche ab.
Znacht gab es im nahen Restaurant, weil der Abwasch, wenn das Wasser in den Kübel abgefüllt werden muss, ziemlich umständlich ist.
Hoffentlich sind wir morgen wieder im Wasser.


Das wieder schön gemachte Unterwasser und die polierte Schraube der Regina in der Werft Antigua Slipway

10.02.2017 English Harbour, Slipway - English Harbour, Slipway, 0 sm.
Wetter: heiss, sehr wenig Wind.

Werftarbeiten abgeschlossen

Wir waren wieder um 8 Uhr parat, aber unser Handwerker kam wieder etwas später. Heute wurden die restlichen Anoden gewechselt, ebenso die WC-Leitung, und die WC-Pumpe bekam neue Dichtungen.
Die Bilder von Dominica stehen nun auch im Album zur Verfügung. Sie sind zwar noch nicht angeschrieben, aber zusammen mit dem Bericht kann man die Orte leicht identifizieren, und schön sind die Regenwaldbilder auch ohne Text. Am Vormittag kam ein kurzer Regenschauer, dann brannte die Sonne wieder erbarmungslos, ohne Windhauch. Wir schwitzten!!! Ausgerechnet, als der Windgenerator montiert wurde, war es entsetzlich heiss. Als Toni ungesichert auf dem Reelinggeländer stand und der Mast noch wackelte, schwitzte Elisabeth Blut und Wasser. Danach wurde Toni am Spifall gesichert, festgehalten sowieso, denn der Handwerker, der einen Ersatz für die verbogene Verstrebung gemacht hatte, war zu klein für die Montage.
Kurz vor dem Feierabend war an Bord alles fertig, fürs Einwassern reichte die Zeit nicht mehr, das wurde auf morgen verschoben.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit Abschlussarbeiten, Putzen (Handwerker hinterlassen ja immer Schmutz) und wieder Auf- und Einräumen.
Am Abend waren wir nur noch müde!


Vorwind-Segeln an der Südküste von Antigua

11.02.2017 English Harbour, Slipway - Carlisle Bay, Antigua, 5 sm.
Wetter: schön, auf dem Meer E4-5.

Regina wieder im Wasser

Am späteren Vormittag wurde Regina wieder ins Wasser gesetzt. Der Motor wurde gestartet, aber oh Schreck, es kam nur kurz Kühlwasser und dann nichts mehr aus dem Auspuff: Weil die Zuleitung zur Wasserpumpe noch trocken war und der Vorfilter relativ weit oben montiert ist, musste sie erst noch etwas aufgefüllt werden. Schliesslich funktionierte alles wie erwartet.
Wir fuhren noch zur Tankstelle, wo auch unsere Lebensmittel im Kühlschrank lagerten. Auf dem Trockenen funktioniert der meerwassergekühlte Kühlschrank nicht! Sehr glücklich fuhren wir und Regina aus der Bucht und segelten zur nächsten Ankerbucht, wo auch schon mehrere Segelboote lagen. Das Leben auf dem Segelboot im Wasser ist doch wesentlich angenehmer als im Trockenen 4 m über dem Betonboden in der Werft. Endlich konnte wieder geschwommen werden, wir spüren das sanfte Schaukeln und machten einen Feriennachmittag. Der Ankerplatz hat sogar Internet, dank unserer Antenne, vom Restaurant am Land!
Am Abend hatte es nicht mehr über 30 Grad im Boot, und weil eine Stechmücke gesichtet wurde, machten wir alle Öffnungen mückensicher und genossen den Abend draussen unter dem Moskitonetz (vielleicht hatten wir ja eine Mücke von der Werft mitgebracht?).


Blick von der Ankerbucht nach Norden, Antigua Deep Bay

12.02.2017 Carlisle Bay - Deep Bay, Antigua, 23 sm.
Wetter: schön, heiss, E4.

Flucht von der Stadt

Die Nacht war sehr angenehm, leichtes Schaukeln, etwas Wind, praktisch kein Schwell, und ruhig (ohne Bar- oder Discomusik). Mit dem Aufstehen liessen wir den Motor laufen, um die Batterien zu füllen und Strom für den Wassermacher zu haben (und auch 220V für die Ladegeräte von Zahnbürste und der Kamera).
Zuerst ging es weit aus der Bucht hinaus, um die Riffe ja nicht zu treffen, die vor der Süd- und Westküste von Antigua vorhanden sind. Mit Raumwind und nur dem Genua, zwischendurch mit einer Halse und später mit Halbwind, segelten wir um die SW-Ecke und dann nach Norden bis kurz vor St. John’s, der Hauptstadt von Antigua, die wir besuchen wollten. Das Segeln war so gemütlich und ruhig, dass Elisabeth trotz der Wärme den Backofen betätigte und Brötchen buk. Und vor allem segelten wir besser und schneller, mit dem sauberen Unterwasser und dem Propeller, der sich wirklich wieder vollständig aus- und zusammenfaltet.
Nun, in St. Johns kehrten wir gerade wieder um. Das Wasser war dreckig, es stank nach Abwasser, und eine Infrastruktur für Segler schien auch nicht vorhanden zu sein. Tatsächlich war auch kein einziges Segelboot hier, obwohl es ein Ort für das Ein- und Ausklarieren wäre und der Hafenführer nichts Abschätziges über diesen Hafen schrieb. Ein grosses Kreuzfahrtschiff stand hier, zumindest die Touristenläden wären offen gewesen, sonst aber ist Sonntag und sowieso alles geschlossen.
Mit Rückenwind ging es wieder aus der Bucht raus und gerade um die Ecke in die nächste Bucht, hellblaues Wasser, etwa 6 Segelboote unter Anker, und offensichtlich sehr geschützt vom Schwell aus Osten. Vorsichtig musste man einem fast nicht sichtbaren Wrack eines Dampfschiffes von 1905 ausweichen. Für Taucher und Schnorchler scheint das sehr spannend zu sein. Nach einem zweiten Ankermanöver hielt der Anker definitiv und gut.
Der Nachmittag war heiss (30°C), die Sonne brannte ins Cockpit. Wir schauten dem Kommen und Gehen der Boote zu, lasen, nahmen ein Bad im warmen Wasser (27°C). Der Schwell war allerdings doch vorhanden (der kommt wirklich um jede mögliche Ecke herum), kam hier bei uns in der Regel aber von hinten und nicht von der Seite, d.h. war gut aushaltbar.


ein kleiner Gecko in der Marina von Jolly Harbour, Antigua

13.02.2017 Deep Bay - Jolly Harbour Marina, 6 sm.
Wetter: schön und heiss, E1-2, am Abend abkühlend.

Wieder einmal eine Marina

Die Nacht war wider Erwarten doch recht schauklig. Der Wind hatte praktisch ganz aufgehört, und die Regina richtete sich quer zu den Wellen aus. Aber auf dem Atlantik ist es schlimmer.
Mit einem sehr kurzen Motorboot-Törn durch blaues Karibik-Wasser erreichten wir die Marina von Jolly Harbour. Wegen den vielen Ankerlieger in der Bucht dachten wir schon, dass die Marina übervoll sei, aber es hatte noch viele leere Plätze, und einen netten Dockmaster, der uns half. Er meinte sogar, die Regina schon zu kennen – vielleicht war Leon, der Vor-Eigner, vor 9 Jahren schon mal hier?
Wir besuchten den nahen Supermarkt, denn der Kühlschrank und die Gemüsebox waren leer. Und anschliessend schauten wir noch bei Budget Marine, einem Yachtzubehör-Shop, rein. Wir brauchen ein neues Cockpit-Kissen, aber es ist nicht gerade am Lager, aber morgen lieferbar. So werden wir morgen nochmals vorbeigehen.
Die Marina ist in eine riesige Residenz aus Ferienhäuschen mit Meeranschluss eingebettet, die meisten Plätze oder Schiffe (meist Motorboote) stehen vor den Ferienhäusern. Aber die Grundinfrastruktur bietet die Marina an. Und da gibt es neben Duschen auch Läden, Restaurants und Cafés und auch eine grosse Boatyard, wo man auch selber an seinem Schiff werkeln könnte. Aber es gibt kein altes Dorf oder Städtchen zu besichtigen.


In St. John's, Hauptstadt von Antigua

14.02.2017 Jolly Harbour Marina - Jolly Harbour Marina, 0 sm.
Wetter: schön und warm, wenig Wind.

Velotour im Linksverkehr

Die Nacht war frisch, am Morgen hatten wir «nur» noch 21 Grad im Boot. Sehr angenehm.
Heute durften die Klappvelos wieder aus der Kiste. Wir fuhren nach St. John’s, die Hauptstadt von Antigua. Es war das erste Mal, dass wir uns mit den Velos in den Linksverkehr getrauten. Leider war die Strasse ziemlich befahren und eine andere gab es nicht. Aber es war zum Glück nicht so weit, nach 9 km waren wir schon da.
Es hatte gerade ein Kreuzfahrtschiff angelegt und so waren wir nicht die einzigen weissen Touristen hier. Im Städtchen waren viele Leute unterwegs, es war auch Markt und auch sonstige Verkaufsstände am Strassenrand. Der grösste Teil der Stadt ist so, wie wir jetzt karibische Städte kennengelernt haben. Aber um den Pier der Kreuzfahrtschiffe gab es richtige Touristenzonen mit teuren, steuerfreien Markenläden und Schickimicki und Souvenirs. Und weil es die Hauptstadt ist, gab es auch einige grössere moderne Bürogebäude. Wir schoben die Velos, was nicht so einfach war, weil das Trottoir oft sehr schmal oder mit Autos verstellt oder gar nicht vorhanden war. Auch der Kathedrale statteten wir einen Besuch ab, diese ist aber gerade «nicht in Betrieb», sondern wird vollständig renoviert, vor allem das Innere soll im Juli bereit sein.
Die Heimfahrt führte über die gleiche Strecke, und es war bedeutend wärmer als bei der Hinfahrt.
Am Nachmittag hatten wir keine Zeit zum Nichtstun: Die Velos brauchten mal eine Reinigung und eine Ölung der Kette, eine Schraube musste ersetzt werden, auch am Schiff gab es einiges zu tun. Und Einkaufen für die nächsten Tage im Supermarkt, und ja, das neue Kissen holten wir auch ab.


Blick vom Ankerplatz Five Island Harbour (Antigua) zu unserem Nachbarlieger

15.02.2017 Jolly Harbour Marina - Five Island Harbour, Antigua, 4 sm.
Wetter: schön, warm, sehr wenig Wind.

Ausklarieren und Ankern

Morgen wollen wir wieder einmal eine grössere Strecke segeln: Ziel ist die Insel Nevis. Eigentlich wollten wir Montserrat besuchen, aber der Wetterbericht sagt dort Schwell aus Norden voraus, und das ist in der gegen NW offenen Ankerbucht von Little Bay ein sehr ungemütlicher Zustand. Die Bucht von Charlestown in Nevis ist zwar keine Bucht, sondern ein Strand an der offenen Westküste mit Bojen zum Festmachen, aber der Schwell kommt wahrscheinlich wegen der nördlich gelegenen Insel St. Kitt nicht bis hierher – so hoffen wir. Und falls die Verhältnisse sich bessern, können wir Montserrat auch von Nevis aus noch besuchen.
Im Laufe des Morgens gab es noch Arbeiten an der Regina. Das Wichtigste: Toni stieg wieder einmal auf den Mast bzw. Elisabeth kurbelte ihn hinauf, um oben alles wieder einmal zu prüfen. Und tatsächlich mussten wir handeln: Das Fall der Genua wird zu weit hinaufgezogen bzw. der Knopf zum Schäkel liegt auf der Fallscheibe und kann so durchraffeln, etwas ist schon angerissen. So nahmen wir das Genua ganz runter (im Hafen war es praktisch windstill) und passten die Länge des Vorlieks an, dabei konnten wir auch einen nahen Blick ins Genua werfen und die kritischen Stellen und die Spiönchen überprüfen.
Wir machten das Outbound-Clearing beim Zoll noch heute über Mittag und verlegten uns anschliessend in die schöne blaue Bucht Five Island Harbour etwas nördlich vom Hafen, wo wir dann ungestört und nicht störend früh aufbrechen können. Den Nachmittag genossen wir alleine und an der Sonne mit Wind, 500 m entfernt stand ein Katamaran und eine grössere Motoryacht.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.