im Blickfeld: Segel-Blog Atlantikküste 2016


Logbuch Etappe 12 Portugal

von Baiona nach Lagos 

(16.09.2016 - 03.10.2016), Anzahl Tageseinträge: 18


Blick zurück auf die Welle, die uns nächstens überholt und 2.5 m anhebt

16.09.2016 Baiona - Póvoa de Varzim, 67 sm.
Wetter: schön, aber frisch, von E1 bis N6.

Starkwindsegeln nach Portugal

Eigentlich wollten wir um 7 Uhr aufstehen und um 8 Uhr losfahren aber, der Wecker ging nicht. So wachten wir erst um 7.45 Uhr auf! Das war aber nicht so schlimm, wir fuhren dann halt um 8.40 Uhr los.
Doch es hatte wie immer so früh noch keinen Wind und das Speedometer wollte auch noch nicht drehen und die Meilen zählen. So fuhren wir die ersten 1.5 Stunden unter Motor. Dann kam der Wind mit 2-3 bf, aber von hinten. Bei solchem Schwachwind und dazu noch Wellen bewegt sich die schwere Regina nicht so schnell. Der Skipper verzweifelte fast und trimmt und rollte das Gross aus und ein und ebenso die Genua, aber es liess sich nicht viel machen. Dann am Mittag nahm der Wind tüchtig zu, um bis zum Abend mit bis 6 bf (in der Böe 30 Knoten) zu blasen. Entsprechend schnell bewegte sich jetzt Regina vorwärts. Die hohen Wellen surfte sie einmal mit 9.9 Knoten hinunter.
Delphine kamen auch zur Begrüssung. Wir sahen kaum andere Schiffe, nur ein Segelboot kam hinter uns her und ein 200m-Tanker kam entgegen (der uns übrigens schön auswich). Mit dem vielen Wind war es entsprechend kühl, trotz Sonne, und wir hatten die Schwerwetterkleidung an. Die Wolken und den Nebel liessen wir in Galicien zurück.
Die Hafeneinfahrt war trotz den hohen Wellen einfach, und das Hafenmanöver ging trotz dem vielen Wind ebenfalls einfach über die Bühne. Nach über 10 Stunden Fahrt und 67 sm waren wir froh, im Hafen anzukommen und entsprechend müde.


Im historischen Zentrum gibt es noch einige Häuser, welche die Fassade mit Keramikkacheln versehen hatten

17.09.2016 Póvoa de Varzim - Póvoa de Varzim, 0 sm.
Wetter: schön, wenig Wind.

Ausruhetag

Wir durften heute lange schlafen. Portugal hat eine Zeitzone, die 1 Stunde später als jene von Spanien ist. Danach spazierten wir nur ins Städtchen und besichtigten dieses. Es gibt ein schönes, altes Stadtgebiet, eine Fussgängerzone mit vielen Geschäften, einen riesigen Strand mit Hotels und Restaurants und in der Nähe des Hafens eine etwas verlassene, nicht so gepflegte Gegend, wo viele Häuser teilweise am Verfallen zum Verkauf angeschrieben sind. Von der Geschichte der Stadt, die bis 4000v.Chr. zurückgeht, ist allerdings nicht viel zu sehen, der moderne Teil mit Beach und Party steht im Vordergrund.
Zurück auf dem Boot wurde einerseits die Weiterreise geplant, andererseits ein Teil der Vorhänge abgenommen und gewaschen, als die Hafenwaschmaschine endlich mal frei war.
Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang assen wir draussen, aber es kühlte schon sehr schnell ab.

 
Links für weitere Informationen:
en.wikipedia.org/wiki/P%C3%B3voa_de_Varzim


Porto: Blick von der Eisenbahnbrücke auf die urprüngliche Siedlung Ribeira unterhalb der Kathedrale am Fluss Douro

18.09.2016 Póvoa de Varzim - Póvoa de Varzim, 0 sm.
Wetter: wolkenlos schön, etwas Wind.

Besuch in Porto

Mit der Metro fuhren wir in knapp einer Stunde von hier nach Porto, suchten als Erstes die Touristinformation auf und besprachen dann im Café mit dem erhaltenen Stadtplan unsere Route. Zur Diskussion stand auch eine Stadtrundfahrt, aber es fand gerade ein Stadtmarathon statt, die meisten Strassen waren deswegen gesperrt und die Busse fuhren nicht.
Der historische Kern am Flussufer und die Kathedrale sind ein UNESCO-Weltkulturerbe. Entsprechend viele Touristen wollten sich das anschauen. Wir wanderten durch die Strassen, überquerten den Fluss auf zwei verschiedenen Brücken und schlenderten nach dem Mittagessen auch etwas durch weiter aussen liegende Quartiere, wo es markant weniger Touristen hatte.
Ein bisschen enttäuscht waren wir schon, vor allem vom Zustand der Häuser, viele waren kurz vor dem Einstürzen und nicht bewohnbar, in vielen Häusern hatte es gerade einen Shop auf Strassenebene, sonst war das Haus unbewohnt (oder unbewohnbar). Viele Häuser waren auch eingerüstet, was auf Renovationstätigkeiten hinwies, aber ich glaube, die meisten Häuser müssen neu gebaut werden. Nun, der UNESCO-Gedanke wird hier tüchtig geritzt und als Touristenfalle genutzt, oder es muss nächstens viel Geld in die Hand genommen werden (was hier in Portugal nicht so einfach sein würde). Die Stadt besteht aus Bauten aus vielen Epochen und hat kein einheitliches Bild. Aber ausserhalb des Touristenstroms lebt die Stadt trotzdem und gefällt uns. Vor allem auf der Zugsfahrt nach Porto (die Metro fuhr meistens oberirdisch und war mehr ein schnelles Tram) fuhren wir durch eine sehr grüne und fruchtbare Landschaft und durch neue Siedlungen, die auch in der Schweiz stehen könnten.

 
Links für weitere Informationen:
de.wikipedia.org/wiki/Portowhc.unesco.org/en/list/755www.visitporto.travel/


Wieder einmal lange mit dem Gennaker unterwegs

19.09.2016 Póvoa - unterwegs, sm.
Wetter: schön und sonnig, ab 22 Uhr Mond, NNW3-4.

unterwegs in den Süden, Nachttörn nach Lissabon

Wir legten so früh wie möglich ab, aber allzu früh war es gar nicht, weil noch kein Wind wehte. Die ersten 5 sm fuhren wir unter Motor. Dann kam der Wind und sofort wurde der Blister gesetzt. Das Grosssegel wurde einmal mehr, dann wieder weniger gerefft, wir probierten verschiedenes, denn der Speed liess zu wünsche übrig. Die Wellen (Atlantikschwell, ca. 2 m hoch) bremsten Regina und nervten uns.
So konnten wir den ganzen Tag mit dem Blister vor dem Wind kreuzen. Auch musste gehalst werden, was ein etwas aufwendigeres Manöver war: Blister bergen, Schot wechseln und nach der Halse Blister wieder setzen. Am Abend frischte der Wind auf und der Blister kam wieder in seine Kiste und die Genua wurde gesetzt.
Dann wurde aber die Dünung unangenehmer, und die Wellen warfen das Boot hin und her. Kochen wurde zur logistischen und akrobatischen Herausforderung. Nichts durfte einfach hingestellt werden, alles musste gesichert, festgeklemmt oder festgehalten werden, sonst flog es sofort durchs Boot. Dann wurde es dunkel und wir fuhren in die Nacht. Die hohen Wellen nervten und auch der Wind, der immer schwächer wurde. Da kommt die Frage auf: warum tut man sich sowas an??


Das Fort von Peniche (haben wir nicht von innen angeschaut), siehe im Link

20.09.2016 unterwegs - Peniche, 148 sm.
Wetter: eigentlich schön, N4, am Schluss N2.

Unschöner Atlantik-Schwell

Der Mond, der allerdings nicht mehr voll war, leuchtet die ganze Nacht. Es kam uns nur ein Segelboot entgegen, einige Fischer waren am Arbeiten und ein oder zwei Frachter waren zu sehen, sonst waren wir allein. Die Sterne waren durch den hellen Mond nicht so gut sichtbar.
Kalt war es nicht, wenn auch der Wind von hinten ins Boot blies. Trotzdem hatten wir das Ölzeug an. Schlafen war nicht so einfach, bei dem Geschaukel und den Geräuschen. Die Wellen wurden nicht kleiner, im Gegenteil, auch wenn sie meist von hinten kommen, stürzt Regina immer wieder ins nächste Wellental.
Am Vormittag machten wir kaum mehr Fahrt, also wurden die Segel geborgen und die letzten 9 sm ums Cabo Carvoeiro mit dem Leuchtturm unter Motor gefahren. Am Mittag waren wir im Hafen. Ankermöglichkeit gab es keine (ausser vielleicht bei den Berlinga-Inseln, aber dort hat es nun den Schwell, den wir nicht so lieben für eine Ankernacht), so legten wir im Päckchen an dem vollen Gästesteg an. Eigentlich wollten wir heute bis Lissabon segeln, weil aber unsere Geschwindigkeit im Schnitt nur etwa 4-5 kn war (und nicht die erwarteten 5-6 kn), reichte es nicht mehr bis Lissabon vor dem Eindunkeln (nochmals über 50 sm).
Nach dem Zmittag gabs eine kleine Siesta (1 Stunde Tiefschlaf) und dann der Rundgang durch das kleine Städtchen mit einem Expresso.

 
Links für weitere Informationen:
de.wikipedia.org/wiki/Cabo_Carvoeirowww.avesdeportugal.info/sitpeniche.htmlwww.cm-peniche.pt/Cultura--Fortaleza-de-Peniche


Das Cabo Roca, der westlichte Punkt des europäischen Festlandes

21.09.2016 Peniche - Lissabon / Oeiras, 57 sm.
Wetter: schön, Zuerst N4, dann N2 am Schluss N5.

im Schwachnordwind ums westlichste Kap

Wir waren früh aufgestanden, es war noch dunkel, und wir waren die ersten, die ablegten (beim Sonnenaufgang). Heute war der Wind schon da und wir setzten gleich vor dem Hafen den Blister. Regina fuhr schön schnell, bei 15 Knoten Wind und wir freuten uns auf die schnelle Reise nach Lissabon. Doch wir hatten uns zu früh gefreut, schon vor dem Mittag war es vorbei mit dem schönen Segelwind und «Engine-Time». Erst am Nachmittag, bereits in der Mündung des Tejo, konnten wir wieder den Motor abstellen, denn es gab dann noch bis zu 5 bf. In der Zwischenzeit haben wir immerhin den westlichsten Punkt von Festlandeuropa umfahren (Cabo da Roca) und von Westen gesehen.
Im Hafenbüro wurden wir auf schwyzertüütsch begrüsst. Marisa war in Luzern in die Schule gegangen und ist jetzt aber schon wieder viele Jahre in Portugal. Wir erhielten für die nächsten drei Nächte einen guten Platz, der auch mit dem vorhandenen Wind gut angefahren werden konnte. Und unser Dieseltank, den wir extra fast geleert hatten, damit der alte Diesel aufgebraucht wurde, bekam noch 350 Liter nachgefüllt.
Nach einem Spaziergang durch Oeiras war es schon wieder fast dunkel, als wir in den Hafen zurück kamen.

 
Links für weitere Informationen:
de.wikipedia.org/wiki/Cabo_da_Rocaen.wikipedia.org/wiki/Oeiras,_Portugal


Der Torre von Belém (UNESCO Weltkulturerbe) wurde im 16. Jhd. erstellt, gleich daneben steht auch das Münster von Hieronymus

22.09.2016 Lissabon / Oeiras - Lissabon / Oeiras, 0 sm.
Wetter: leicht bewölkt, angenehm warm.

Anstehen für Visum Cabo Verde

Wir fuhren am Morgen nach Belém, einem Vorort von Lissabon. Dort ist das Konsulat von Kapverden. Wir brauchen ein Visum und in der Schweiz war es zu früh, eines zu beantragen. Vom Bahnhof aus gingen wir zu Fuss und suchten die Strasse. In einem schicken, gut bewachten Villenquartier sind sämtliche Konsulate von verschiedensten Ländern.
Zuerst mussten wir eine Nummer ziehen und dann fanden wir noch zwei freie Plätze in der Wartereihe. Wir waren die einzigen weissen Touristen, alle anderen Leute waren von den Kapverden. Und dann warteten wir und warteten. Wir hatten Nummer 4 und die Anzeigetafel zeigte immer 2 an und es bewegte sich nichts! Wir beschlossen, nach einer Stunde Warten würden wir wieder gehen und dann das Visum auf Sal am Flughafen holen, das würde auch möglich sein, wäre aber umständlich. Plötzlich wurde Nummer 3 aufgerufen, die Person war aber nicht da und schon kamen wir an die Reihe (nach ca. 50 Minuten warten).
Die Dame am Schalter konnte englisch, auch sogar ein bisschen deutsch. Nach dem Ausfüllen des Antragsformulars meinte sie, es würde 3 Arbeitstage dauern, also bis Dienstag. Wir schauten etwas entsetzt und sie sagte, am Montag wäre es vielleicht auch schon fertig, wie lange wir denn Zeit hätten. So genau wussten wir es noch nicht und Montag wäre schon in Ordnung. Dann ging sie zu ihrem Chef und plötzlich sei es in 1 ½ Stunden schon fertig. Wunderbar!
In der Zwischenzeit gingen wir zum Belém Tower (auch ein Unesco Weltkulturerbe, ein Wachturm aus dem 16. Jhd.) und zur Jeronimos Kathedrale, mit sehr vielen Touristen, und assen etwas und schon waren mehr als 1 ½ Stunden vorbei. Als wir unsere Pässe wieder abgeholt hatten, fuhren wir mit dem Zug weiter nach Lissabon.
Jetzt suchten wir die Strasse mit dem Velogeschäft, das wir über das Internet gefunden hatten. Nach der Siestapause, der Laden war wieder offen, waren wir da und konnten die gewünschten Klappvelos aussuchen. Morgen können wir sie abholen.

 
Links für weitere Informationen:
whc.unesco.org/en/list/263www.mosteirojeronimos.pt/en/www.torrebelem.pt/en/


Mit diesen alten Trams fahren die hier die steilen Gassen hoch

23.09.2016 Lissabon / Oeiras - Lissabon / Oeiras, 0 sm.
Wetter: schön und warm, wenig Wind.

Lissabon - Sightseeing

Heute machten wir Stadtbesichtigung. Lissabon ist eine sehr schöne, riesige Stadt und man könnte gut und gerne eine ganze Woche hier verbringen und hätte auch dann noch nicht alles gesehen. Zuerst fuhren wir mit dem Sightseeingbus. Jederzeit kann man da aussteigen und mit dem nächsten wieder weiterfahren, alle 20 Minuten kommt einer. Die Erklärungen über Geschichte und Kultur waren interessant.
Es wird fleissig gebaut und renoviert. Das ist auch nötig, man sieht auch einige wenige unbewohnbare Häuser, aber es ist nicht vergleichbar mit Porto. Es gibt aber viele moderne Häuser und ganze Siedlungen, und eben auch viele ältere und sehenswerte Gebäude. Es war ein sehr warmer Tag, auch der Wind war kaum spürbar und heute auch warm. Sehr viele Touristen waren wieder unterwegs.
Am Nachmittag fuhren wir mit dem Tram durch die steilen und engen Gassen zum Kastell S. Jorge hinauf und konnten den Blick auf das Häusermeer und den Fluss Tejo geniessen.
Dann holten wir die Velos ab. Etwas ungewohnt war es zuerst schon, auf so einem Velo zu fahren. Doch schnell gewöhnten wir uns daran. Wir fuhren zuerst zum grossen schicken Einkaufszentrum, das wir schon am Mittag besucht hatten, um noch Schlösser und Veloflickzeug zu kaufen. Ziemlich steil ging es den Berg hinauf und entsprechend kamen wir ins Schwitzen, hinab ging es dann um so schneller. Der Verkehr in Lissabon ist allerdings nicht so velofreundlich, schon gar nicht zur Stosszeit. Dann war es zu spät, um die 12 km nach Oeiras mit dem Velo zurückzufahren, es wurde schon dunkel. So stiegen wir, nachdem die Klappräder zusammengeklappt waren, in den Zug.

 
Links für weitere Informationen:
www.castelodesaojorge.ptwww.visitlisboa.comwww.bikepop.pt/www.yellowbustours.com/pt-PT/Lisboa/Circuitos.aspx


Die Skulptur des tauchenden Wals wird vom Hafen Oeiras in seinem Logo verwendet

24.09.2016 Lissabon / Oeiras - Lissabon / Oeiras, 0 sm.
Wetter: schön, etwas Wind.

Grosseinkauf

Der Tag war mit Grosseinkauf ausgefüllt. Vom Hafen gibt’s einen Fahrservice, so mussten wir nichts schleppen. Die Hinweg bewältigten wir zu Fuss, das war natürlich kein Problem. Für den Einkauf rechneten wir reichlich, nämlich 2 Stunden. Das war aber zuviel, denn der Laden war nicht so riesig. Trotzdem füllten wir 5 Ikeasäcke, einen Rucksack, und Getränke im Sixpack. So mussten wir auf den Transport zum Hafen noch ziemlich lange warten. Die Zeit verkürzten wir mit einem Espresso (für 1 Euro zwei Espressi).
Zurück auf dem Schiff kam dann erst die grosse Arbeit: auf einer Liste trage ich ein, was ich wo versorge und das Verfalldatum. So braucht es immer viel Zeit, bis alles in Kästen und der Bilge verräumt ist. Dazwischen gönnte ich mir 12 Bahnen Schwimmen im Meerwasserschwimmbecken, das zum Hafen gehört. Es ist offiziell schon geschlossen, aber nach Anmeldung im Hafenbüro darf man ins Bad. Und ich schwamm ganz alleine in dem grossen Schwimmbecken, herrlich!
Nach einem kurzen Spaziergang zur Walflosse, einer Skulptur an der Mole, wurde es bald wieder dunkel.

 
Links für weitere Informationen:
en.wikipedia.org/wiki/Oeiras,_Portugalwww.cm-oeiras.ptportoderecreio.oeirasviva.pt/


Elisabeth im Motorraum: Die Duschbilgenpumpe ist schön hinter dem Motor versteckt

25.09.2016 Lissabon / Oeiras - Lissabon / Oeiras, 0 sm.
Wetter: zuerst schön, später bewölkt mit starkem Wind aus N.

Wir machen «NICHTS»

Wir hatten beschlossen, heute einmal NICHTS zu tun («wie tut man nichts?» fragte der kleine Bär den kleinen Tiger, «ganz einfach, man tut einfach nichts» oder so ähnlich).
Natürlich taten wir nicht einfach nichts, aber keine Termine zu haben und nicht auf die Uhr schauen zu müssen ist auch mal schön. Heute wurden die frischen Brötchen aufs Schiff geliefert, wie es hier im Hafen so üblich ist, bisher hatten sie uns aber immer vergessen. Die Zeitung, eine Sonntagszeitung der Frankfurter, in A Coruña gekauft und immer noch nicht fertiggelesen, wurde wieder hervorgeholt.
Toni war lange am Computer beschäftig. Unsere Segelroute ist nun auch bei Trans-Ocean.org sichtbar und verlinkt: www.trans-ocean.org/positionen und dann nach «Regina» suchen. Dann widmeten wir uns unserer Duschbilgenpumpe und wechselten die Ventile aus, machten das Boot für die lange Fahrt parat und schon war es wieder Abend. Mittlerweile verstärkte sich der Wind und bringt das Schiff im Hafen zum Schaukeln, morgen solls 6-7 bf Wind geben; wir sind noch nicht sicher, ob wir nochmals das Nichtstun üben oder uns wieder einmal richtig durchlüften sollen.

 
Links für weitere Informationen:
www.trans-ocean.org


Bei schönem Wetter und gutem Wind und starken Wellen gibt es zwischendurch handbetriebene Ablösung für "Otto", unseren Autopiloten

26.09.2016 Lissabon / Oeiras - Sines Anker, 60 sm.
Wetter: schön, N5, dann N1-2, später NW6.

Starkwindsegeln

Lange überlegten wir hin und her, ob wir noch einen Tag bleiben oder lossegeln sollten. Es war für 2 Tage Starkwind angesagt, nachts sogar Böen von 34 Knoten und wir hatten zwei lange Etappen vor uns und hatten vor, dazwischen zu ankern. Und am 3. Tag war wieder kein Wind. Allerdings sollte im südlichen Gebiet der Wind nicht ganz so stark sein.
Also beschlossen wir: nichts wie los. Es hatte schon im Hafen Böen bis zu 20 Knoten.
Wir mussten noch ins Hafenbüro zum Bezahlen, schliesslich konnten wir erst nach 09. 30 Uhr ablegen. Vor dem Hafen hatte es 4-5 bf, schnell die Segel raus im Reff und los. Nach einer Stunde fuhr Regina wieder so langsam, mit Wind von achtern. Also raus mit dem Blister und sie nahm wieder Fahrt auf. Doch der Wind flaute ab und mit 4 Knoten Wind ist auch mit dem Blister nichts mehr zu machen. So musste der Motor eingeschaltet werden. Wir waren bis nach dem Mittag mit Segel raus und rein, Motor aus und an und mit Trimmen beschäftigt. Dann drehte der Wind auf NW und kam mit 5 bf. Jetzt nahm Regina, ein Starkwindboot, noch dazu mit Ballast (vollem Diesel- und Wassertank und gefüllt mit Lebensmitteln) richtig Fahrt auf. Der Wind frischte noch auf, wir hatten 6 bf und solcher Wind gefällt Regina. Die Wellen waren auch entsprechend riesig, das gefiel der Crew nicht mehr so.
Es war schon dunkel, als wir zum Hafen von Sines kamen. Es gibt eine Ankermöglichkeit direkt vor dem Hafen und dort ankerten wir. Lieber kein Hafenmanöver im Dunkeln, wenn es nicht unbedingt sein muss.


Cabo de Sao Vincente, die südliche Ecke von Portugal, kurz vor Sonnenuntergang

27.09.2016 Sines Anker - Bucht Sagres Anker, 75 sm.
Wetter: schön, N5, am Schluss NW1.

Blister und Pflaster

Vor Sonnenaufgang wurde der Anker gehoben, wir hatten eine lange Etappe vor uns.
Erst versuchten wir es mit der Genua, aber trotz 4bf brachte Regina mit dem Vorwind nicht den gewünschten Speed für unsere lange Strecke. Der Wind nahm auch wieder ab, so überlegten wir: Spinnaker oder Blister? Da der Wind wieder stärker werden sollte, entschieden wir uns für den Blister, weil dieser einfacher zum Setzen und Bergen ist. Also kam er aus dem Bugkabinenfenster und wurde hochgezogen. Beim Bergeschlauchhochziehen kam der Wind in das Segel und es ging sehr schnell auf, der Bergeschlauch ging von alleine hoch und die Leine zum Setzen und Bergen rauschte aus und rauschte durch Tonis Hand. Doch wo waren die neuen Segelhandschuhe?? Irgendwo, nur dummerweise nicht an den Händen!! Wieder war ein Einsatz der Bord-Nurse nötig. Lange liessen wir den Blister aber nicht oben, denn die Bergeleine flatterte irgendwo, wickelte sich mal um den Vorstag samt eingerolltem Genua, dann gings wieder Richtung Wanten. Schnell den Blister traditionell ohne Bergeschlaucheinsatz runter, bevor sich etwas irgendwo verhängte.
Kaum war der Blister in der Bugkabine, frischte der Wind auf und dann gings mit Genua und gerefftem Gross bei 5bf in gutem Speed vorwärts.
Zwei Mal hatten wir Besuch von Delphinen. Zwei andere Segelboote waren mit uns gestartet und wir sahen sie erst hinter, dann vor uns (mit 17 Metern Bootslänge sind auch die Segel etwas grösser).
Um 16 Uhr stellte der 5-6bf-Wind innert 5 Minuten ab, die hohen Wellen blieben. Unter Motor fuhren wir die restlichen 16 sm und um das Cabo de Sao Vincente. Nahe der Küste mit Blick auf die Felsen konnten wir die verschiedenen Gesteinsarten bewundern.
Nach 75 sm konnte der Anker gerade bei Sonnenuntergang gesetzt werden, und den Znacht gab es draussen bei Sternenleuchten und Kerzenlicht.

 
Links für weitere Informationen:
de.wikipedia.org/wiki/Cabo_de_S%C3%A3o_Vicenteportugal-info.net/algarve/sagres.htm


Die Marina von Logos

28.09.2016 Bucht Sagres Anker - Lagos, 20 sm.
Wetter: schön, warm, später heiss, E2-3, am Schluss E1.

Heiss

Die Ankernacht war alles andere als angenehm. Es kam Schwell auf, mit dem wir nicht gerechnet hatten (nämlich von Südost) und Regina schaukelte entsprechend unangenehm, manchmal mehr, dann wieder weniger in den Wellen. So war es schwierig zu schlafen.
Am Morgen war es schon auffallend warm. Wir hatten dann ein Mittelmeerfeeling beim Segeln: kaum Wellen, warm, sanfter oder kein Wind, allerdings eben die Dünung aus SE.
Die Marina hier hat astronomische Tarife und sieht auch sehr schicki-micki aus, mit vielen Bars und Restaurants (Preise wie in Zürich) und teuren Wohnungen und Büros um den Hafen. Und die Schiffe hier sind alle viel grösser als unsere Regina, auch viele Motoryachten stehen hier herum. So sind wir nun in der Algarve der gut betuchten Touristen angekommen. Unser Ersatzteil für den Spectra Wassermacher ist leider noch nicht da, das konnten wir uns ja schon denken, dass es länger dauert.
Wir kamen dann so richtig ins Schwitzen, so heiss wie hier hatten wir es schon lange nicht mehr.
Am Strand hatte der Atlantik so grosse Wellen, dass ich mich gar nicht ins Wasser getraute (ziemlich müde, wie ich war, und die Schwimmflossen hatte ich auch nicht dabei), auch, weil es schon Abend war, als ich an den Strand kam und der Bademeister gerade Feierabend gemacht hatte. Es waren noch viele Badegäste mit ihren Surfbrettern da, Wellensurfer, aber alle hatten Neoprenanzüge an. Vielleicht gehe ich morgen mit Neopren schwimmen?

 
Links für weitere Informationen:
portugal-info.net/algarve/lagos.htmwww.portugalvirtual.pt/_tourism/algarve/lagos/uklagos.html


Etwas kitschiges Algarve-Bildli von der Hafeneinfahrt von Lagos

29.09.2016 Lagos - Lagos, 0 sm.
Wetter: schön, warm, wenig Wind.

Hafentag

Am Morgen war es noch angenehm kühl, das sollte sich schnell ändern. Wir fuhren mit unseren Bromies in die nahe Stadt. An der langen Hafenpromenade öffneten gerade die Verkaufsstände und viele Leute, vor allem viele Deutsche waren unterwegs. Es gibt ein altes Fort, enge Gässchen, die den Hügel hinauf führen und am Fluss entlang viele Touristenshops. Die Strassen sind mit vielen Restaurants für die Touristen ausgerüstet.
Gegen Mittag, als es wirklich heiss wurde kehrten wir zu unserem Schiff zurück. Dort gibt’s etwas Wind und im Schatten unseres Bimini (Sonnendach) war es auszuhalten.
Am späten Nachmittag ging ich wieder zum Strand. Diesmal mit Schwimmflossen - ohne Neopren, der ist nicht nötig - war es im Meer herrlich. Die Brandung war nicht mehr ganz so hoch wie gestern, und mit den Flossen konnte ich auch schnell durch die Brecher ins tiefere Wasser gelangen. Toni arbeitete am DuoGen herum, und am Abend gingen wir nochmals in die Stadt für den Znacht.


Heute hat es kein aktuelles Bild gegeben, deshalb ein Bild von gestern: Unser DuoGen-Generator im Abendlicht im Hafen von Lagos

30.09.2016 Lagos - Lagos, 0 sm.
Wetter: schön und warm, fast heiss.

Zusammengeputzt

Am Morgen fuhren wir mit den Velos zum grossen Jachtshop der Werft Sopromar. Sie haben auch die Vertretung vom DuoGen, für den wir Ersatzmaterial brauchen. Wir schauten uns im riesigen Laden um, das dauerte natürlich, und kamen erst am Mittag wieder zurück zum Boot.
Neil von Bluewateralgarve, der die Spectra-Pumpe bestellt hatte, ist, oder tut zumindest ganz verzweifelt, weil immer noch nichts angekommen ist.
Am späten Nachmittag ging ich wieder an den Strand. Die Wellen waren weniger hoch, Hochwasser war am frühen Nachmittag gewesen, und ich überlegte ob ich mit oder ohne Flossen schwimmen sollte. Ich entschied dann mit und stürzte mich in die Wellen. Schnell war ich aus der Brandung, nicht ohne dass eine Riesenwelle mir über den Kopf spülte. Ich schwamm dem Ufer entlang einmal hin und her, als plötzlich ein lautes Pfeifen vom Strand herkam. Und dann gleich nochmal. Der Strandmeister stand da am Ufer und der Pfiff galt offenbar mir. Ich winkte ihm zu und war schnell wieder am Ufer. Und dann putzte er mich zusammen: warum ich schwimmen würde, ob ich die gelbe Fahne nicht gesehen hätte, bei gelber Fahne dürfe man nicht ins Tiefe usw. Ich entschuldigte mich und sagte ihm, ich habe ja Schwimmflossen und könne gut schwimmen. Aber das interessiere ihn nicht, meinte er.
Also gut, nur in den Wellen hüpfen macht mir keinen Spass, ich ging zurück und weiss jetzt, was die gelbe Flagge bedeutet.
Toni war den ganzen Nachmittag auf dem Boot und wartete auf den Mechaniker, der den DuoGen anschauen sollte, aber der kam nicht.

 
Links für weitere Informationen:
en.sopromar.com/www.bluewateralgarve.com/


Abendstimmung auf dem Schiff in der Marina von Lagos

01.10.2016 Lagos - Lagos, 0 sm.
Wetter: schön und warm.

Markt in Lagos

Heute war Samstag und Markttag. Also ging auch ich auf den Markt. Was es dort alles gab! Gemüse und Früchte natürlich, alles in Riesenauswahl. Jeder kleine Bauer war hier und verkaufte seine Produkte. Dazu gab es auch kleine Häschen und sogar einen Hahn, der in seinem Käfig immer krähte. Auch selbstgebackenes Brot und Guetzli waren zu haben. Das Gedränge in der Markthalle war enorm.
Von der Pumpe für den Wassermacher haben wir heute natürlich nichts gehört. Wir waren nochmals im grossen Jachtshop, etwas kann man immer brauchen z.B. das Service-Kit für das Pump-WC und Antifouling für das Ruder des Wind-Autopiloten! Und der Besuch des Technikers für den DuoGen sei noch pendent, am Montagmorgen . . .
Danach ging ich an den Strand. Heute, vor Hochwasser, hing die blaue Flagge. Es gab auch fast keine Wellen und war fast windstill. So konnte ich ausgiebig schwimmen.
Toni konnte endlich das Lämpchen des Bugstrahlers ersetzen. Und die Bücherbibliothek für den Tolino-E-Book-Leser mit Calibre installieren. Und Überlegungen machen für die Törns in der Karibik und für die Heimfahrt über den Atlantik.
Der Tag verging im Flug. Am Nachmittag kamen Wölkchen und der Wind blies heftig. Es kühlte stark ab, sodass wir im Salon zum Znacht waren.


Ponta da Piedade bei Lagos, teure Schifflitouren "Grottenfahrt" für Touristen ab Lagos, wir kamen mit dem Velo.

02.10.2016 Lagos - Lagos, 0 sm.
Wetter: schön.

Ferientag und Velotour

Heute Sonntag war nicht zu erwarten, dass unsere Wasserpumpe oder der Techniker für den DuoGen käme. So hatten wir einen «Ferientag» in Lagos. Toni behandelte das Ruder des Autopiloten mit Antifouling, und den Hick im Bug (vom spitzigen Anker geschlagen) flickten wir ebenfalls wie in Holland gelernt. Am Abend beschäftigte sich Toni mit der Wetterberichtsübertragung per Mail und Satellitentelefon.
Und wir machten eine Velotour zum Ponta da Piedade, ein Aussichtspunkt bei den Grotten, die von Touristenbooten von Lagos aus befahren werden. Elisabeth genoss noch ein Bad an einem kleinen Strand zwischen den Klippen.

 
Links für weitere Informationen:
www.lagosportugalguide.com/lagos-portugal-de.html


heutiger Arbeitsplatz Computer

03.10.2016 Lagos - Lagos, 0 sm.
Wetter: schön.

Genervt

Wir sind ziemlich genervt!! Extra sind wir hierher nach Lagos gefahren, wegen der Spectra-Wassermachervertretung, und wahrscheinlich werden wir ohne neue Pumpe wieder lossegeln. Den Lieferschein von Deutschland haben wir hier, aber die Liefernummer stimmt gar nicht und wer weiss, wohin das Teil - ob es überhaupt das Richtige ist, ist noch eine andere Frage - geliefert wurde? Keiner weiss es.
Das andere Problem: der DuoGen, der Wasser-/Windgenerator, braucht auch ein Ersatzteil. Aber die Vertretung der Firma hier, sie haben zwar einen wunderschönen grossen Laden, aber sie wissen nicht mal, was ein DuoGen ist!!! Und Ersatzteile davon haben sie keine, die müssten sie erst bestellen. Und Zeit, hier vorbeizukommen haben sie sowieso nicht. Seit Freitag gehen wir täglich vorbei und fragen nach, sie versichern, es kommt ein Techniker vorbei, und es passiert nichts.
Der DuoGen ist nicht ganz so wichtig, wir haben die Solargeneratoren und im schlimmsten Fall den Motor, aber der Wassermacher wäre schon wichtig. Zwar reichen unsere grossen Tanks auch für 2-3 Wochen, wenn wir sparen noch länger, doch wäre es schön, wenn man nicht zu sehr sparen (d.h. nicht duschen) müsste.
Toni verbrachte den Tag heute vor dem Computer (mit dem langsamen Internet!): Wir haben nun verschiedene Möglichkeiten für Wetterberichte, und das Iridium-Telefon läuft nach Anfangsschwierigkeiten nun auch, und auch das Büro wurde wieder einmal erledigt (Einzahlungen). Ich füllte die Waschmaschine hier und die Wäsche trocknete schnell an der Sonne im Wind. Die Kühlschränke sind gefüllt, ebenso die Fächer in den Schränken und in der Bilge. Verhungern werden wir nicht auf der viertägigen Überfahrt nach Madeira.

 

Das ist der Text in der Fusszeile.